Evangelische Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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23.9.2019

"Macht hoch die Tür, die Tor macht weit"

von Susanne Peters-Streu


Renate Tröße / pixelio.de – Himmeltor

Gott kommt und alle Türen sind verschlossen. Elend, nackt und bloß, so wird er geboren, im Stall in Bethlehem. Es ist kein Raum in der Herberge, so erzählt der Evangelist Lukas vom Kommen Gottes in die Welt.

"Macht hoch die Tür, die Tor macht weit", so wird es erklingen in der Adventszeit in den Kirchen, in manchen Häusern vielleicht, oder Sie singen es selbst, dieses schöne Adventslied. Sie kennen es gar nicht? Georg Weissel hat es gedichtet. Er wurde 1590 in Domnau geboren. In Königsberg studierte er Musik und Theologie, ab 1623 war er dort Pfarrer an der neu erbauten "Alt-Rossgärtschen Kirche, gestorben ist 1635. Er dichtete, befruchtet durch die Werke Simon Dachs und Heinrich Alberts, noch bis kurz vor seinem Tode.

Über die Entstehung dieses Liedes gibt es folgende Legende: Weissel hätte einen starken Nordoststurm, der von der nahen Samlandküste herüber wehte erlebt. Der brachte viel Schnee mit sich, er hatte in der Nähe des Domes zu tun. Die Schneeflocken klatschten den Menschen auf der Straße gegen das Gesicht, als wollten sie ihnen die Augen zukleben. Die Leute und er selber auch strebten dem Dom zu, um Schutz zu suchen. Der freundliche und humorvolle Küster öffnete die Tür mit einer tiefen Verbeugung und sagte: "Willkommen im Hause des Herrn! Hier ist jeder in gleicher Weise willkommen, ob Patrizier oder Tagelöhner! Sollen wir nicht hinausgehen auf die Straßen, an die Zäune und alle hereinholen, die kommen wollen? Das Tor des Königs aller Könige steht jedem offen."

Macht hoch die Tür, die Tor macht weit
Es kommt der Herr der Herrlichkeit
Ein König aller Königreich'
Ein Heiland aller Welt zugleich
Der Heil und Leben mit sich bringt
Derhalben jauchzt, mit Freuden singt:
Gelobet sei mein Gott
Mein Schöpfer, reich von Rat!

Er ist gerecht, ein Helfer wert
Sanftmütigkeit ist sein Gefährt
Sein Königskron' ist Heiligkeit
Sein Zepter ist Barmherzigkeit
All unsre Not zum End' er bringt
Derhalben jauchzt, mit Freuden singt
Gelobet sei mein Gott
Mein Heiland, groß von Tat

O wohl dem Land, o wohl der Stadt
So diesen König bei sich hat
Wohl allen Herzen insgemein
Da dieser König ziehet ein
Er ist die rechte Freudensonn'
Bringt mit sich lauter Freud' und Wonn'
Gelobet sei mein Gott
Mein Tröster, früh und spat

Macht hoch die Tür die Tor' macht weit
Eur Herz zum Tempel zubereit't
Die Zweiglein der Gottseligkeit
Steckt auf mit Andacht, Lust und Freud
So kommt der König auch zu euch
Ja Heil und Leben mit zugleich
Gelobet sei mein Gott
Voll Rat, voll Tat, voll Gnad

Komm, o mein Heiland Jesu Christ
Mein's Herzens Tür dir offen ist
Ach zeuch mit deiner Gnade ein
Dein Freundlichkeit auch uns erschein
Dein Heilger Geist uns führ und leit
Den Weg zur ewgen Seligkeit
Dem Namen dein, o Herr
sei ewig Preis und Ehr

Nachdem Weissel den Schnee von seinem Gewand abgeschüttelt hatte, klopfte er dem Küster auf die Schulter und sagte: "Er hat mir eben eine ausgezeichnete Predigt gehalten!" Sie blieben im Vorraum des Domes, bis sich das Unwetter ein wenig legte. In der Zwischenzeit sah er fortgesetzt zu dem hohen Portal, und da kamen ihm die ersten Verse in den Sinn.

"Macht hoch die Tür, die Tor macht weit, es kommt der Herr der Herrlichkeit, ein König aller Königreich, ein Heiland aller Welt zugleich, der Heil und Leben mit sich bringt, derhalben jauchzt mit Freuden singt, gelobet sei mein Gott, mein Schöpfer reich von Rat."

Eine starke Sprache. Gott die innere Tür öffnen und mit seinem Kommen in diese Welt rechnen, ein König aller Königreich. Die Geburt Jesu vor mehr als 2000 Jahren ist Zeichen, dass Gott in seine Schöpfung kommt, sich als Mensch uns Menschen zeigt.

Wie komme ich zum wesentlichen, in dieser Adventszeit und an Weihnachten? Dass wir uns nicht verpassen, dass ich nicht vorbeigehe, da wo Gott sich finden lässt. Dass ich mein Tor nicht dicht mache und meine Tür verrammele und dann auch noch die Klingel ausstelle.

In diesem Advent möchte ich nicht klagen, nicht klagen über den Konsum, nicht klagen über die Welt, nicht über die Menschen, die gar nichts mehr wissen von der Bedeutung des Weihnachtsfestes, nicht über die Hektik, nicht über die zu große Geschäftigkeit.

Ich will fragen jeden Tag neu, welche Tür kann ich aufmachen, welches Tor muss weiter gemacht werden, damit Gott kommt und einkehrt, damit die Welt verwandelt wird und Leben gelingt, deines und meines, das in der Nähe und in der Ferne.

"Macht hoch die Tür, die Tor macht weit…" – ich denke an Menschen, für die gerade diese dunkle Jahreszeit eine unglaubliche Belastung ist. Durch persönliche Schicksalsschläge oder auch durch eigenes Verschulden ist die Tür zum Leben verschlossen worden. Traurigkeit und Angst, innerer Rückzug und Abkehr. Wie kann die Tür wieder aufgehen? Wie kann das Schloss zum Tor im Inneren geknackt werden?

"Macht hoch die Tür, die Tor macht weit..." das gilt auch für uns, für mich und dich. Durch unsere Geduld, unser Wahrnehmen, unsere Anteilnahme und Aufmerksamkeit kann sich Menschen, deren Tore verschlossen sind, etwas auftun. "Macht hoch die Tür…" ist ein nicht nur frommes und beschauliches Lied, sondern Worte, die in uns wirken wollen, was Gott will, dass alles aufgeht, dass keine Tore mehr Menschen voneinander und von sich selbst trennen. Dass da Weite ist in den Herzen.

Ich wünsche uns in der Adventszeit, dass die Tore zum Leben weit aufgehen, dass der Geist des Advents unser Herz erreicht und dass dies hinaus strahlt in die Welt.

Pfarrerin Susanne Peters-Streu

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