Evangelische Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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23.9.2019

Haiti – Perspektiven für Kleinbauern
Brot für die Welt – Projektbeispiel

Der "Brot für die Welt"-Partner VMA (Voisin Mondial Haiti) hat in den vergangenen Jahren mehrere Projekte zur Ernährungssicherheit und reproduktiven Gesundheit auf den Weg gebracht. Ziel der Arbeit ist es, kleinbäuerliche Basisorganisationen im Bereich der Selbsthilfe, Organisation und Ernährungssicherung zu stärken.

Haiti im Winter 2010. Monate nach dem verheerenden Erdbeben, das mehr als 220.000 Menschen das Leben kostete und Millionen obdachlos machte, ist das Land aus den Schlagzeilen der Weltpresse verschwunden. Auf einer Geberkonferenz Ende März hatten Vertreter von 59 Staaten, Staatenbünden und internationalen Institutionen knapp zehn Milliarden Dollar an Hilfsgeldern für die nächsten Jahre zugesagt. Dass die staatliche Hilfe auch wirklich dort ankommt, wo sie gebraucht wird, bezweifeln viele Hilfsorganisationen angesichts der grassierenden Korruption im ärmsten Land der westlichen Hemisphäre. Die Strategie von "Brot für die Welt" und anderen Hilfswerken, den Menschen in direkter Zusammenarbeit mit Organisationen vor Ort zu helfen, hat sich auch in Haiti bewährt.

Der Exodus der Hauptstadtbevölkerung in die ländlichen unzerstörten Regionen Haitis – die UNO schätzt die Zahl auf eine halbe Million – wirft dort eine ganze Reihe neuer Probleme auf: Lebensmittelvorräte werden knapp und die finanziellen Mittel der ohnehin nicht mit Wohlstand gesegneten Kleinbauernfamilien gehen zur Neige. Sie verkaufen ihre Haustiere, um sich und ihre Verwandten und Freunde über Wasser zu halten.

Eins der wichtigsten Vorhaben in den Dörfern ist die Verbesserung der Hygiene. Die örtlichen Basisorganisationen haben damit begonnen, die Zahl der öffentlichen Toiletten deutlich zu erhöhen. Durch den Einsatz von Sandfiltern sauberes Trinkwasser zu gewinnen, gehört schon seit Jahren zum Programm der VMA zur Verbesserung der Gesundheit der Landbewohner. Jetzt werden 500 zusätzliche Zementfilterkästen den Familien bei der Gewinnung des kostbaren Nasses helfen.

Die Lieferung von Saatgut und Süßkartoffelsetzlingen unterstützt die vom Zuzug aus der Hauptstadt am stärksten betroffenen Familien. In zweihundert zusätzlichen Modellgärten lernen sie, Feldfrüchte vielfältiger, produktiver und bodenschonender anzubauen. Die vielen Gemüse-, Getreide und Fruchtsorten werden den Speiseplan abwechslungsreicher machen.

Die Bauern legen gegen Bezahlung lange ringförmige Erosionsschutzwälle aus Pflanzenresten und Erde um die abgeholzten Hügel und pflanzen Bäume und Büsche. So werden die Hänge gegen Erdrutsche gesichert. Diese Arbeit wurde traditionell von den Dorfkomitees in Eigenregie organisiert – unbezahlte Gemeinschaftsarbeit und Nachbarschaftshilfe.

Jetzt hat die VMA ein Arbeitsprogramm ins Leben gerufen, das detailliert regelt, wer wann wie lange für einen Tagessatz von zwei Euro Erde häufelt und Stecklinge setzt. Die Idee der Gemeinschaftsarbeit wird dabei nicht aufgegeben: Nutznießer der bezahlten Erosionsschutzarbeit müssen eine entsprechende Arbeit beim Nachbarn leisten. "Passe cadeau" – "das Geschenk weiterreichen" heißt das in der Sprache der Bauernfamilien.

Madame Madelaine Pierre lacht wieder, ein befreiendes, wohltuendes Lachen. Wie es in ihrem Innern aussieht, kann niemand sagen. Ihr Haus wurde vollkommen zerstört. Sie ist geflohen. Geflohen aus der vom Erdbeben fast völlig zerstörten Hauptstadt Haitis Port-au-Prince. Geflohen aus einem aus allen Nähten platzenden Zeltlager, aus einem Chaos von Trümmern, Helfern, Sicherheitskräften und sich um Trinkwasser und Lebensmittel streitenden Obdachlosen.

Sie hat mit ihren sieben Kindern einen der Busse bestiegen, die die Regierung kostenlos zur Verfügung stellte. In Maissade, in der Region des Plateau Central, ist sie bei Verwandten untergekommen. Dort fühlt sie sich sicher, aufgehoben in der armen, aber funktionierenden Gemeinschaft der nördlich der Hauptstadt gelegenen Provinz. In dieser Region unterstützt die VMA Kleinbauern beim Aufbau einer nachhaltigen Landwirtschaft, beim Erosionsschutz und berät die Bevölkerung in Ernährungs- und Gesundheitsfragen.

Sie können Ihre Spende in allen Weihnachtsgottesdiensten in die Kollekte geben oder direkt überweisen auf das Konto beim Kreiskirchlichen Verwaltungsamt Steglitz (Konto-Nr. 87068, EDG, BLZ 100 602 37). Bitte als Stichwort "Petrus-Giesensdorf, Brot für die Welt" nicht vergessen.

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