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21.5.2019

Unsere Gemeindefahrt 2010
Ein Rückblick

von Dr. Werner Wagner

Unsere diesjährige Gemeindefahrt hatte wie vor 10 Jahren nochmals Bad Sulza in Thüringen zum Ziel. Wiederum beherbergte uns das "Hotel an der Therme", nur kann der Hotelgast die Therme direkt betreten, ohne ins Freie zu müssen.

Zuvor unterbrachen wir die Anreise, um die 800 Jahre alte Rudelsburg zu besuchen. Über steile Haarnadelkurven gelangten wir gegen Mittag aus dem Saaletal auf den Bergrücken, wo sie dem Besucher einen phantastischen Ausblick über den Flussverlauf gibt. Diese umfangreiche Festungsanlage wurde 1641 im 30jährigen Krieg zerstört und war seitdem dem Verfall preisgegeben. Im ehemaligen Wohntrakt entstand ein mittelalterliches Restaurant, in dem sich nach Ritterart trefflich speisen lässt.

Am Montag, nach einem ausgiebigen Besuch der Therme, genossen wir bei angenehmen Temperaturen den Park und den Rosengarten der "Dornburger Schlösser". Dieses reizvolle hoch auf einem Muschelkalkfelsen über einer Saaleschleife gelegene Anwesen bietet heute neben vielen alten Bäumen kaum mehr bekannten Rosen- und Weinsorten ein Weiterleben für die Zukunft.

Die Schlossanlage geht zurück bis ins neunte Jahrhundert und teilt sich auf in das "Alte Schloss", das auf den Grundmauern einer frühmittelalterlichen Königspfalz steht, in einen unscheinbaren Renaissancebau und in ein dazwischen liegendes Rokokoschlösschen von 1735, wo sogar Goethe einige Nächte verbrachte. Leider vermittelt das idyllisch gelegene Ensemble infolge ständigen Besitzerwechsels dem Betrachter einen unfertigen Eindruck.

Dem Dienstag war Weimar vorbehalten. Nach kurzer Anfahrt und einem Rundgang durch den Ilmpark mit einem ehrfürchtigen Blick auf Goethes Gartenhaus betraten wir die restaurierte Anna-Amalia-Bibliothek, die wegen eines Brandes vieler Kunstschätze beraubt wurde. Mit viel Mühe versucht man noch Seite für Seite der einzigartigen Bücher durch moderne Verfahren zu retten, so dass die Regale noch immer nicht vollständig wieder gefüllt sind. Neben den Eckpfeilern stehen die Büsten von Schiller, Goethe und anderer deutscher Geistesgrößen. Ihre Lebensläufe sind bequem per Knopfdruck aus einem Handy zu erfahren. Später schlenderten wir durch die innere Stadt, dabei hatte ich stets den Eindruck auf Altvertrautes aus meiner Schulzeit zu treffen. An jeder Ecke werden von Gedenktafeln und Monumenten Stichworte zugerufen:

Hier predigte Martin Luther; dort hat Cranach gemalt; hier wohnte Johann Sebastian Bach; da hat Herder gewirkt und ein paar Ecken weiter hat Schiller seine Dramen geschrieben; hier hat Franz Liszt umsonst Klavierunterricht gegeben; hinter jenem Fenster erfand Max Liebermann seinen revolutionären Realismus; dort hat sich Walter Gropius das Bauhaus ausgedacht. Und über allem schwebt der Geist von Goethe. Ich hatte das Gefühl, den Geburtsort der deutschen Kulturnation gefunden zu haben.

Am Mittwoch besuchten wir die Museenwelt von Auerstedt. Eigentlich ist das kein guter Ort. Hier fegten 1806 die napoleonischen Truppen die gesamte preussische Armee ohne große Gegenwehr vom Platz. Im hiesigen Museum, einst Hauptquartier der Preussen, lässt sich im Sandkastenmodell nachvollziehen, dass die eigene Strategie tödlich war. Gegen Marschall Davourt gab es von Anfang an keine Chance. Weniger gruselig war nebenan eine Sammlung bäuerlicher Gerätschaften, mit denen sich früher das Landleben meistern ließ. Neuerdings gibt es jetzt dort auch ein historisches Kutschenmuseum, dessen Schmuckstück die futuristisch anmutende Prachtkutsche der russischen Großfürstin Pawlowna ist. Genau genommen könnte ein UFO dafür Pate gestanden haben.

Nach der Abreise hieß unser Ziel zunächst Apolda. Dort besuchten wir erst die Lutherkirche, die eine Orgel des berühmten Orgelbauers Sauer aus Frankfurt/Oder hat. Später führte uns ein kurzer Fußweg ins nahe gelegene Glockenmuseum. Seit dem 18. Jahrhundert war Apolda Standort einer bedeutenden Glockengießerindustrie. Bereits im 15. und 16. Jahrhundert hatten Gestalt und Klangqualität schon einen Höhepunkt erreicht. Die wohl größte Glocke der Welt ist der 1735 gegossene "Zar Kolokol" im Moskauer Kreml. Seit Menschengedenken dienten sie in allen Kulturen der Ankündigung wichtiger Erreignisse, der Zeiteinteilung und als Signalinstrument.

Als letzten Teil unserer Reise machten wir einen Abstecher in die Töpfereienstadt Bürgel. Ihr Keramikmuseum dokumentiert seit 1880 die Bedeutung dieses Handwerks über einen Zeitraum von 400 Jahren. Waren Tonwaren früher eher schmucklose Gebrauchsgegenstände, so wandelten sie sich heute in vielgestaltige Kunstgegenstände. Ein Übergang vom Nützlichen zum Sinnlichen vollzog sich. Von ehemals 40 Betrieben sind jetzt noch zehn in Bürgel ansässig, die die alte Handwerkstradition fortsetzen.

Ein zeitlich unbegrenzter Zugang zur "Toskana Therme" machte unsere Reise gleichzeitig zu einem kleinen Kuraufenthalt. Sie stellt ein einzigartiges überdachtes Wellness Biotop aus terrassenartig angeordneten warmen Salzwasserbecken und einer Saunalandschaft dar, das seinesgleichen sucht. Gleichzeitig vermitteln futuristische Multimedia Elemente dem Besucher ein ganzheitliches Wohlbefinden, das er im Alltag vermissen wird.

Mit der Kombination aus Entspannung und Besichtigung hat Herr Leitmeyer wieder den Geschmack des Publikums gefunden. Leider wird es mit ihm keine Gemeindefahrt mehr geben, da er altersbedingt damit aufhören möchte. Ich kann nur eines sagen:

Es waren stets tolle Zeiten mit Dir, Klaus!