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23.3.2019

Tagesausflug nach Bad Liebenwerda
Ein Rückblick

von Irene Fraedrich


Kahnfahrt im "Kleinen Spreewald" (Elsterwald) – Foto: Eva Niggemann

Bei strahlendem Sonnenschein und angenehmen Temperaturen starteten wir am 5. Juni um 7.30 Uhr zu unserem Ausflug ins Elsterland, wo wir unter anderem Gelegenheit hatten, die umfangreiche Rolltuchausstellung von Frau Meyer zu besichtigen.

Schon während der Fahrt erzählte sie uns mit launigen Worten, wie sie zu ihrem Hobby gekommen ist. Bei der Wohnungsauflösung bei einer alten Dame, die sie jahrelang betreut hatte, fielen ihr ein paar Rolltücher in die Hände, die weggeworfen werden sollten. Bei näherer Betrachtung weckten diese aber ihr Interesse und Frau Meyer begann, sich von überall her Informationen über die Entstehungsgeschichte dieser Tücher zu holen. Dabei entdeckte sie eine Vielfalt von Unterschieden, bedingt durch gesellschaftlichen Stand, Herkunftsregionen und Webarten. Sie begann zu stöbern, zu kaufen, zu sammeln und besitzt inzwischen die beachtliche Anzahl von über 500 Tüchern, die sie schon oft ausgestellt hat. Ihre schönsten Exemplare sind zur Zeit zusammen mit anderen zum damaligen Waschalltag der Hausfrauen gehörenden Utensilien in Bad Liebenwerda ausgestellt. In zwei Gruppen wurden wir ca. zweieinhalb Stunden durch das Kreismuseum geführt. Frau Meyer berichtete über die sehr umfangreichen Arbeiten zur Herstellung von Lochkarten für die Webereien. Viele "Handwerker" waren wochenlang mit den Vorbereitungen beschäftigt, so dass diese Karten zu wertvollen Schätzen für die Firmen wurden und streng verwahrt werden mussten. Besonders beeindruckend waren die vielfältigen Muster, deren Hersteller wirkliche Künstler gewesen sein müssen, sowie liebevoll gestaltete kleine Alltagsepisoden (Zwerge als Hilfe für die Hausfrauen, die Katzen von "Hoffmanns Stärke", Frauen am Waschbrett, der Wäschemangel oder beim Bügeln mit dem guten alten Kolben-Bügeleisen, etc.) Ein Video mit dem Titel "Komm, hilf mir mal die Rolle drehn" ließ in den Älteren unter uns Kindheitserinnerungen wach werden, während den Jüngeren anschaulich demonstriert wurde, mit welchen Mitteln man damals die Wäsche glättete (Mangelbrett, zunächst handbetriebene Mangeln, spätere motorenbetriebene). In den Vitrinen standen unter anderem viele hübsche Modelle, die Herr Meyer angefertigt hat,. Er kümmert sich auch um alle Dinge, die für eine so erfolgreiche Ausstellung erforderlich sind. Man merkt, mit wieviel Freude das Ehepaar sein Hobby pflegt.

Die zweite sehr interessante Führung bot uns Herr Uschner durch die Räume des Puppenspielermuseums. Dort wird nicht nur eine große Anzahl von Marionetten gezeigt, sondern es gibt auch umfangreiche Informationen über das Leben der hier bis heute ansässigen Puppenspielerdynastien. Leider ist der Versuch, die Tradition des fahrenden Volkes zu bewahren, durch die vielfältigen Medienangebote gefährdet. Es gibt aber noch einen alten Herrn in Bad Liebenwerda, der seine Puppen selbst fertigt und gelegentlich auch noch kleine Stücke aufführt. Einmal jährlich gegen Mitte September findet in der Stadt ein internationales Puppenspielerfestival statt, so dass die Geschichte dieser Familien nicht ganz in Vergessenheit gerät. Mit vollem Kopf aber leerem Magen ging es weiter nach Winkel. Im Landgasthof "Drei Rosen" wurde uns ein sehr gutes Mittagessen serviert, das wir bereits auf der Fahrt im Bus aus drei Vorschlägen in Ruhe ausgewählt hatten. Gegen 13.50 Uhr setzte uns unser Busfahrer in Wahrenbrück zu einer einstündigen Kahnfahrt im sogenannten "Kleinen Spreewald" (Elsterwald) ab.

Sobald die Gespräche verstummt waren, hörte man nur noch das Plätschern der Rudel beim Eintauchen ins Wasser und konnte die Fahrt durch eine weiträumige Wiesenlandschaft geniessen. An den Ufern blühten gelbe Wasserlilien und Mummeln sowie andere Pflanzen, die von einer Vielzahl dunkelblauer Libellen umschwärmt wurden. Leider wurden wir auch von Mücken begleitet, die sich einige Mitreisende als Blutspender aussuchten. Anschließend gab es auf dem Gelände einer alten Wassermühle ein Picknick mit Kaffee und hausgemachtem Kuchen – es schmeckte tatsächlich schon wieder! Allerdings blieb, weil die Kähne mit 20 Minuten Verspätung gestartet waren, für die meisten von uns keine Zeit mehr, die Mühle noch zu besichtigen.

Auf dem Heimweg machten wir noch einmal Station in Falkenberg, um eine Jugendstilkirche zu besichtigen. Die Kantorin, Frau Gerlieb, spielte ein paar Stücke auf der Orgel für uns, beim Lied "Geh' aus, mein Herz und suche Freud" sangen (bzw. brummten ) wir kräftig mit. Herr Pfarrer Bechler erzählte uns einiges über die Geschichte dieser wunderschönen Kirche, die nach langer Restaurierung im alten Glanz erstrahlt.

Gegen 19.30 Uhr trafen wir wieder in Lichterfelde ein. Ich hoffe, jetzt im Namen aller Teilnehmer unser Dankeschön an Frau und Herrn Meyer dafür sagen zu dürfen, dass sie uns mit ihrem Engagement, der guten Organisation und den fröhlichen Beiträgen und Hinweisen unterwegs auf besondere Ausblicke einen so schönen Tagesausflug bereitet haben.