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24.3.2019

Monatsspruch Mai

von Pfarrerin Susanne Peters-Streu

Jetzt im Mai werden wir in unserer Gemeinde Konfirmationen feiern. Mit 70 Jugendlichen waren wir ein Jahr lang unterwegs, um nachzudenken, zu erforschen, zu klären und zu erfahren, was das ist "Glaube" und woran Christen glauben.

Ist das Gegenteil von Glaube Unglaube oder ist es Zweifel oder ist es Aberglaube? Wie verhalten sich Glauben und Wissen zu einander?

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Autor: Lehmann

Es gibt eine Kindergeschichte von Peter Bichsel, die erzählt von einem Mann, der viel Zeit hatte und deshalb begann darüber nachzudenken, was er alles wusste. Er stellte zusammen, was er alles wusste, und er wusste dasselbe wie wir. Er wusste Dinge, weil er sie gelesen hatte oder gehört oder im Film gesehen hatte. Er wusste auch, dass die Erde rund ist und dass, wenn man immer geradeaus geht, man wieder zurück an den Ort kommt, von dem man ausgegangen ist. Nur sieht man nicht, dass die Erde rund ist und deshalb wollten die Leute das lange nicht glauben. Und der Mann, er wusste es, die Erde ist rund, aber glaubte er das auch? Er wollte es ausprobieren, so ging er eines Tages los, immer geradeaus. Ob er wieder angekommen ist an dem Punkt, wo er loslief und dann glauben konnte, die Erde ist rund? Die Erzählung lässt es offen.

Wie ist das mit Dingen, die wir nicht sehen? Ich glaube nur, was ich sehe, so sagt es mancher schnell dahin. Aha, könnte man meinen und seit es das Fernsehen gibt, glaubst du alles ...? Es gibt Vieles, was wir nicht sehen, von dem wir aber verlässlich annehmen, dass es existiert, die Liebe und der Verstand zum Beispiel.

Was wir wissen, was wir glauben, was wir sehen, was wir für wahr und für wirklich halten, alles hängt auch immer mit meiner Erfahrung und mit meiner Entscheidung zusammen. Mit meiner Entscheidung, mich einzulassen, zu vertrauen oder eben zu glauben, Dinge für mich gelten zu lassen. Das kann mir keiner abnehmen.

Ob es Gott gibt oder nicht ist nicht meine Entscheidung, er ist unabhängig von mir, aber ob ich glaube oder nicht, dazu kann ich mich entscheiden. Was ich in meinem Leben gelten lasse, worauf ich vertraue will, liegt offen vor mir.

Der Glaube ist eine feste Zuversicht auf das was man hofft. Menschen machen in ihrem Leben die Erfahrung tiefer Verunsicherung, durch dass, was sie erleben, sind sie ganz auf sich selber zurückgeworfen. Trägt mein Glaube denn, wenn ich konfrontiert bin mit der Nachricht, ich bin schwer erkrankt? Trägt er mich, wenn ich den geliebten Menschen zu Grabe tragen muss? Hilft er, meine Hoffnung zu behalten, wenn ich erlebe, wie ohnmächtig ich mich gegen die zerstörerischen Mächte und Strukturen in der Welt fühle? Der Hebräerbrief schreibt an das wandernde Gottesvolk, das müde geworden ist vom langen Weg. An Menschen, denen die Hoffnung zwischen den Fingern zu zerrinnen droht. Hoffnung ist ja nicht einfach immer da, man muss sich nach ihr ausstrecken, muss sie hüten, damit sie nicht verloren geht.

Der Briefschreiber erzählt von den Geschwistern im Glauben, von Abel und Henoch, von Noah, Abraham und von Sara und schreibt dann: "Darum auch wir: Weil wir eine solche Wolke von Zeugen um uns haben, lasst uns laufen mit Geduld und aufsehen auf Jesus, den Anfänger und Vollender des Glaubens".

Der Hebräerbrief möchte Mut machen: Geht weiter, lasst euch auf Gott ein und haltet fest am Glauben! Für unser Vertrauen gibt es keine Beweise und keine Sicherheit. Es gibt kein Vertrauen ohne Glauben. Und es gibt keinen Glauben ohne Vertrauen. Aber es gibt eine Reihe von Menschen vor uns, die erlebt haben: Gott ist da und steht zu seinen Verheißungen. Die Bibel erzählt von Glaubenszeugen der Vergangenheit, von Frauen und Männern. Sie haben ohne sichtbare Beweise in ihrem Leben auf Gott vertraut, auch wenn es ihre Denkgrenzen überschritt.

Wir Menschen brauchen das Weitererzählen von Glaubenserfahrung. Ich brauche Menschen, bei denen ich spüre, sie sind vom Glauben getragen. Der Glaube des Anderen kann mir in Wüstenzeiten helfen, dass aus einem brüchigen Glauben eine feste Zuversicht wird. Im 5. Buch Mose heißt es: "Frage deinen Vater, der wird‘s dir verkünden, deine Ältes­ten, die werden's dir sagen." Die Israeliten glauben nicht deswegen an Gott, weil sie ein besonders leichtgläubiges Volk sind, zu jedem unsicheren Glaubensunternehmen bereit. Nein, sie glauben, wenn man so will, aus Erfahrung. Deshalb ist es bei den Juden üblich, dass immer wieder die alten Geschichten von den Taten Gottes erzählt werden, von der Errettung aus der ägyptischen Gefangenschaft zum Beispiel. Es gibt genügend Belege und viele Hinweise und deshalb gute Gründe für den Glauben.

Es gibt viele berühmte Beispiele von gelebtem Glauben und Gottvertrauen, aber es gibt auch die nicht so plakativen Beispiele neben mir in der Gemeinde und in der Nachbarschaft. Was wir wissen vom Glauben, was wir sehen an anderen Menschen, was wir durch andere oder auch selbst erfahren haben vom und durch den Glauben, glauben wir es auch, so dass es eine feste Zuversicht ist, oder sollten wir einfach los laufen und ausprobieren, so wie es der Mann tat, der wusste, dass die Erde rund ist und es doch ausprobieren musste.

Glauben heißt: Mit dem Herzen wissen. "Der Mensch beginnt das Geheimnis des Glaubens zuerst mit dem Herzen zu erfassen" sagte Frère Roger.

Gott schenke uns offene Herzen, dass wir sehen.

Ich wünsche Ihnen feste Zuversicht

Pfarrerin Susanne Peters-Streu