ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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20.1.2019

Goldene Konfirmation 2010
Rückblick

von Pfarrer E-Mail

Sie hatten ihren Ehrenplatz vor dem leeren Altarraum der Petruskirche: 16 "goldene" Konfirmandinnen und Konfirmanden und ein "Eiserner" saßen im Halbkreis im der ersten Reihe. Ihre Konfirmationen erlebten sie als Heranwachsende in den Jahren 1959 und 1960. Nun konnten sie ein halbes Jahrhundert später die Goldene Konfirmation feiern.

Die Zeit um 1960
von Detlef Lutze

Die UdSSR veröffentlicht einen Friedensvertragsentwurf und erwähnt die Exixtenz zweier deutscher Staaten und einer freien Stadt West-Berlin.

Willy Brandt wird Regierender Bürgermeister von Berlin an der Spitze einer SPD/CDU-Regierung ohne Opposition.

Die Bundesversammlung wählt in West-Berlin Heinrich Lübke zum Bundespräsidenten.

Die DDR fügt in ihre schwarz-rot-goldene Fahne Hammer und Zirkel ein. In West-Berlin werden diese Fahnen auf den S-Bahnhöfen entfernt.

Samuel Beckett schreibt das Stück "Das letzte Band". Brendan Behan veröffentlicht "Die Geisel", Günter Grass seinen Roman "Die Blechtrommel".

Hawaii wird der 50. Staat der USA. Die Revolution siegt auf Kuba, Fidel Castro wird Ministerpräsident.

Dr. Adrian Wettach stirbt mit 97 Jahren. Berühmt wird er unter dem Namen Grock und bekannt durch seinen Spruch: "Akrobat schööön!"

In Berlin stirbt der Maler George Grosz.

Die Evangelische Kirche in Deutschland ruft erstmals auf zur Sammlung "Brot für die Welt".

Die UdSSR startet eine Rakete, die auf dem Mond aufschlägt. Etwas später überträgt ein unbemanntes Raumschiff Bilder von der Rückseite des Mondes.

Der Antikriegsfilm "Die Brücke" von Bernhard Wicki kommt in die Kinos.

Im Lichterfelder Bäketal wird ein 3000 Jahre altes Dorf aus der Bronzezeit ausgegraben.

Der Grundstein für das Klinikum Steglitz wird gelegt.

Der Schah von Persien heiratet Farah Diba.

Die Volksrepublik China schlägt einen Volksaufstand in Tibet nieder. Der Dalai Lama flieht ins Exil nach Indien.

Der Fußballklub Eintracht Frankfurt wird 1959 Deutscher Fußballmeister.

Otto Dibelius ist Bischof der Evangelischen Kirche in Berlin.

Baubeginn am Nil: Der Assuanstaudamm entsteht in Ägypten.

Der Nationalsozialist Adolf Eichmann wird in Argentinien von israelischen Agenten gestellt und zum Prozess nach Israel gebracht.

Es gibt ein Passierscheinabkommen mit der DDR.

Die populärsten Schlager sind: "Marina, Marina, Marina" und "Ciao, ciao, Bambina".

Der Tiefseeforscher Jacques Piccard erreicht mit seinem Tauchboot eine Tiefe von 10.970 m unter dem Meeresspiegel.

Frankreich zündet seine erste Atombombe in der Sahara.

Der Regisseur Kurt Hoffmann vefilmt "Das Spukschloss im Spessart" mit Lilo Pulver.

Nikita Chruschtschow trommelt bei den Vereinten Nationen mit seinem Schuh auf den Tisch und verlangt die Aufnahme der Volksrepublik China in die UNO.

John F. Kennedy wird Präsident der USA. Sein Stimmenvorsprung vor Richard M. Nixon beträgt 0,1%.

In Berlin und anderswo werden Konfirmandinnen und Konfirmanden konfirmiert....

Orgel und klassischer Chor mit unserem Kirchenmusiker Michael Zagorni gaben das Vorspiel zu diesem Festgottesdienst mit einem Loblied des französischen Komponisten Clérambault. Pfarrer Lutz Poetter eröffnete den Gottesdienst mit dem liturgischen Votum und begrüßte die ehemaligen Konfirmanden mit ihren Angehörigen und die versammelte Gemeinde. Der Sonntag Miserikordias Domini – Güte des Herrn – müsste eigentlich "Hirtensonntag" heißen. Alle Texte vom 23. Psalm über die prophetische Lesung bis hin zum Evangelium haben nämlich ein gemeinsames Thema: Der gute Hirte gibt sein Leben für seine Schafe.

Der Vorsitzende des Gemeindekirchenrates begrüßte dann die Jubilare und skizzierte mit einigen historischen Daten und Fakten die Zeit um 1960. Seine Skizze ist hier abgedruckt.

Das Eingangslied "Die güldene Sonne" teilten sich Chor und Gemeinde geschwisterlich.

Der gemeinsamen Lesung des 23. Psalms im Wechsel zwischen Pfarrer und Gemeinde folgten die Eingangsliturgie und das Kollektengebet.

Helmut Lehmann las das Evangelium nach Johannes 10: Jesus offenbart sich seinen Jüngern als der vom Vater gesandte gute Hirte, dem sie sich anvertrauen können. Die Gemeinde antwortete mit dem Apostolischen Glaubensbekenntnis und sang danach das Lied des Sonntags gemeinsam mit dem Chor: "Der Herr ist mein getreuer Hirt".

In einem historischen Rückblick erinnerte sich Helmut Lehmann – nach dem Krieg Jugendleiter und Ältester in der Petrusgemeinde – an die Zeit seiner eigenen Konfirmandenzeit im Dritten Reich. Der nationalsozialistische Staat beanspruchte damals den völligen Zugriff auf das Leben der Kinder und Jugendlichen.

Angebote der Kirchen mit Konfirmanden­unterricht, Sonntagsgottesdienst und kirchlicher Jugendarbeit standen im Widerspruch zur Hitlerjugend und den verbindlichen Einsätzen am Wochenende. Der Konfirmand Helmut wurde deshalb aus der HJ ausgeschlossen. Damals gehörte also eine große Portion Mut dazu, sich zur Konfirmation anzumelden.

Dann erfolgte die Verleihung der Urkunden. Pfarrer Lutz Poetter rief die Goldenen Konfirmanden einzeln auf und überreichte ihnen ihre persönliche Urkunde. Auch der "eiserne" Konfirmand Günter erhielt seine Urkunde – zwölf Jahre später, denn er wurde schon 1948 eingesegnet. Mit ihrer Urkunde versammelten sich die Jubilare dann als Gruppe auf den Stufen des Altarraums und wurden im Bild festgehalten.

Nach dem Predigtlied "Brunn alles Heils" hielt Pfarrer Poetter die Predigt. Der Predigttext entstammte dem 1. Petrusbrief. Jesus Christus erweist sich im Leiden am Kreuz für die Heidenchristen in der Provinz Asia als der gute Hirte und Bischof ihrer Seelen. Für den Apostel Petrus tritt hinter dieser großartigen Befreiung alles andere zurück. Die Diener sollen willig ihren Herren dienen, die Befreiten sich unterordnen. Das Bild vom guten Hirten ist wesentlich für die christliche Kirche. Das merkten vor allem die Gegner des Christentums, die sich an der Ideologie der Wölfe orientierten: "Zäh wie Leder, schnell wie Windhunde, hart wie Kruppstahl" sollten schon die Pimpfe sein im Dritten Reich. Ihr Lebensweg war vorgezeichnet: Aus Pimpfen sollten erst Hitlerjungen und später deutsche Soldaten werden, die in bedingungslosem Gehorsam kämpften für Führer, Volk und Vaterland – bis zur kletzten Patrone, bis zum letzten Blutstropfen. Der wichtigste Führerbunker befand sich in der "Wolfsschanze", ein Name, den ihr Hitler selber gegeben hat. Der "größte Führer aller Zeiten" unterschrieb seine persönlichen Briefe der 20er Jahre nicht mit "Adolf", sondern mit "Wolf". Wer also in der Sonntagsschule "Weil ich Jesu Schäflein bin" sang, konnte kein guter Pimpf und Hitlerjunge werden. Solange es eine wahre Form des Christentums gibt, gilt auch dieses stärkste und eindrücklichste Bild des Christus: Er ist der gute Hirte – gegen alle Wölfe.

Der Gottesdienst lud nun zum feierlichen Abendmahl um den kleinen Altar. Die erste Tischrunde bildeten die Goldenen Konfirmanden mit ihren Angehörigen, dann folgte die übrige Gemeinde. Auf das "Du meine Seele singe" im Wechsel zwischen Chor und Gemeinde folgte der Aaronitischen Segen. Als Nachspiel sang der Chor "Verleih uns Frieden" von Felix Mendelssohn Bartholdy.

Im Anschluss an den Gottesdienst begann der gesellige Teil für die Jubilare und ihre Angehörigen.Eine lange Tafel sorgte dafür, dass alle an einem Tisch sitzen konnten. Das Essen hatten die "Goldenen" selbst mitgebracht, die Gemeinde sorgte für Getränke und Bedienung. Frau Dreifert und Frau Roschat von der Offenen Kirche hatten an diesem Feiertag alle Hände voll zu tun, garantierten mit ihrem Einsatz das Gelingen des Nachtreffens. Fotoalben und Erinnerungen gingen von Hand zu Hand, Helmut Lehmann ergriff noch einmal das Wort an die Jugendlichen von damals.Sein Leben erscheint ihm gerade jetzt im hohen Alter als ein Geschenk und Wunder. Seine drei Brüder sind im Krieg gefallen, er selbst wurde auch schwer getroffen als Kradfahrer, kam aber mit dem Leben davon. Das erfüllt ihn mit Freude und dankbarkeit. Ein Konfirmand rezitierte ein nachdenkliches Gedicht von Erich Kästner. Die Gespräche waren dicht und lebendig. Erst nach 15 Uhr löste sich die lange Tafel allmählich auf. Alle waren sich einig: Es hat sich gelohnt, die Goldene Konfirmation 2010 in der Petruskirche zu feiern. Auf ein Neues im jahr 2012!