ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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19.5.2019

"Es war unmöglich, dass ER vom Tode festgehalten wurde."

von Pfarrer Walter Jungnickel

An einer versteckten Stelle des Neuen Testaments steht dieses Wort zur Auferstehung Jesu. Als ich dieses Wort zum ersten Mal bewusst gelesen habe, blieb es so intensiv in meinem Gedächtnis haften, dass ich es oft wiederholen musste. Bei den Grundaussagen des Glaubens kann das nur gut sein. Warum eine ganz bestimmte Formulierung eines Glaubenssatzes oder eines Gebetes sich in unserem Denken und Fühlen festmacht, ist wohl nicht ganz erklärbar. Warum gefällt mir gerade dieser Satz aus der Pfingstpredigt des Petrus, Apostelgeschichte 2,24:

"Gott hat Jesus von den Wehen des Todes befreit und auferweckt; denn es war unmöglich, dass er vom Tode festgehalten wurde."

Hier wird vorausgesetzt, dass der Tod alles festhalten will. Seine Macht zieht alle Bereiche des Lebens an den Abgrund. Was ist nicht alles – versteckt oder offen – dem Todestrieb verfallen! Viele Lebensläufe laufen auf Vergessen und Abbruch hinaus. Unser Körper anerkennt durch seine Zeitlichkeit und Schmerzen die Allmacht des Todes. In gesellschaftlichen und politischen Kämpfen muss dem Tod immer wieder ein hoher Blutzoll gezahlt werden. Triumpf des Todes, der uns die Sprache raubt und Hoffnungen lähmt.

Die Bibel der Juden und Christen setzt die Realität des Todes voraus; sie weiß vom verfehlten Leben; sie erzählt in vielen Variationen vom Abbruch der Beziehungen zu Gott und den Menschen. Der Tod kann nicht verdrängt werden. Er wird ernst genommen. Ihm wird ins Angesicht geschaut. Das ist ein Grund, warum mich dieses Glaubenswort anspricht. Der andere Grund ist die Zuversicht, dass der Tod nicht das letzte Wort behält und Christus nicht halten kann. Gott ist mit Christus einen Weg gegangen, der alle Grenzen der Menschen und des Todes hinter sich gelassen hat. Dies zeigt sich in seinem Verhalten, das über alle unsere Grenzen hinaus geht:

Der Umgang Jesu mit den Letzten und Verletzten ist eine überwältigende Zuneigung.

Seine Großzügigkeit den Sündern gegenüber zeigt ein Übermaß an Verstehen und Liebe.

Mit seiner Bergpredigt treibt er den Glauben über alle Bedenken und Kompromisse hinaus. Der Vorwurf, dass seine Worte doch wohl übertrieben sind, ist berechtigt.

In seinem Verzeihen am Kreuz für die Handwerker des Todes – Befehlshaber und Befehlsempfänger – geht er weit über alles normale Empfinden hinaus.

Seine Rede vom Reich Gottes übersteigt alle von uns Menschen gezogenen Horizonte; damit hat er Menschen von der Zukunft Gottes überzeugt und viele für eine Utopie begeistert.

Wenn dann bei uns Gerechtigkeit und Liebe überfließen, wird vieles, was uns wichtig scheint, überflüssig.

Diese Vollmacht Christi konnte nicht dem Todestrieb überlassen bleiben. Dieses Leben konnte nicht festgehalten werden. Der Stachel des Todes zerbrach an dieser Gottesenergie. Das Bekennen der Auferstehung Christi trägt bei aller Freude Spuren des Schmerzes mit sich und die müssen auch festgehalten werden. Ein Philosoph, der immer wieder über das Kreuz Christi nachdachte, drückte das so aus: "Der Tod ist das Furchtbarste und das Tote festhalten ist das, was die größte Kraft erfordert. Nicht das Leben, das sich vor dem Tode scheut und sich vor der Verwüstung rein bewahrt, sondern das den Tod erträgt und in ihm sich erhält, ist das Leben des Geistes. Er ist diese Macht nur, indem er dem Negativen ins Angesicht schaut und bei ihm verweilt."

Das heißt für mich: Christus hält das Negative, die Macht des Todes fest und kann nicht vom Tode festgehalten werden. Seine Gotteskraft kann den Tod ertragen und ihm die Macht nehmen. Dieser Weg Gottes mit Christus, sein Tod und sein Auferstehen hält uns fest in der Freude der Gemeinschaft, die wir an Ostern mit unendlich vielen Menschen teilen und feiern.

Ihnen, liebe Leserinnen und Leser wünsche ich ein gesegnetes Osterfest 2010!

Pfarrer Walter Jungnickel