ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

Holzkirche Gemeindezentrum Celsiusstraße Gemeindehaus Ostpreußendamm
Petruskirche Gemeindehaus Parallelstraße Dorfkirche Giesensdorf

ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf > Gemeindebrief > Archiv > Februar 2010

22.3.2019

Unsere Gemeindefahrt 2009

Ein Rückblick von Dr. Werner Wagner

Am Sonntag, dem 27.09.2009 begann die Fortsetzung unseres letztjährigen Besuches im Thüringer Wald. Erneut war das in Elgersberg gelegene Hotel "Haus am Wald" Ausgangspunkt unserer Aktivitäten. Bei schönstem Wetter besichtigten wir auf der Hinfahrt die Kuranlagen in Bad Lauchstädt. Mit dem Fassen der Quelle im Jahre 1710 begann die Glanzepoche für das Bad im Süden Sachsen-Anhalts. Nach und nach war es in ganz Europa bekannt. Richtig en vogue war es aber erst, als Goethe ein Theater neben dem Kurpark bauen ließ. Das nach ihm benannte Bauwerk besaß für die damalige Zeit eine so ausgefeilte Bühnentechnik, die einen Szenenwechsel innerhalb von 15 Sekunden ermöglichte. Selbst heute kommt man ohne große Änderungen daran aus.

Zeitgenössische Autoren wie Kotzebue, Iffland, Schiller und Goethe waren damals wie heute auf dem Spielplan. Sein Debüt als Kapellmeister gab hier einst Richard Wagner. Kultur und Wellness gaben sich schon damals einträglich die Hände.

Nachdem wir am Montagvormittag unsere Freizeit individuell genutzt haben, besuchten wir nachmittags das Thermometermuseum in Geraberg. Dort erfuhren wir einiges über die Entwicklung der Temperaturmessung. Vom Berührungsthermometer des Galileo Galilei bis zur heutigen technischen Temperaturermittlung über Widerstandsthermometer, Thermoelemente und elektronische Messverfahren reicht die Bandbreite der dortigen Ausstellung.

Danach ging es über Ilmenau nach Oehrenstock zum Schaubergwerk "Volle Rose". Bis 1991 wurde hier Flussspat abgebaut. Dort fuhren wir eng hintereinander gekauert auf holprigen Gleisen durch finstere, kaum mannshohe Stollen. In den kurzen Pausen wurde uns eindrucksvoll die Entwicklung der Bergbautechnik unter Vorführung der entsprechenden Geräte erläutert.

Ein ausgedehntes Besichtigungsprogramm führte uns dienstags hinauf zur Wartburg. Hoch über der Stadt Eisenach gelegen ist sie im späten 11. Jahrhundert entstanden. Im spätromanischen Stil erbaut, war sie lange Zeit Sitz der Landgrafen von Thüringen. Ihre Rolle als Mittelpunkt höfischer Kultur bewies sie im sagenhaften Sängerkrieg, einem Wettbewerb der größten zeitgenössischen Dichter damaliger Zeit. Er bildete daher die Vorlage für Wagners Oper Tannhäuser. Zwischen 1521-15-22 übersetzte dort Luther als Junker Jörg das Neue Testament ins Deutsche. In Erinnerung an die Reformation und Völkerschlacht bei Leipzig feierten hier 1817 die deutschen Burschenschaften das Wartburgfest, das zur deutschen Einheit aufrufen sollte. Etwas entfernt von hier erinnert das Burschenschaftdenkmal an das denkwürdige Datum. Unweit im Tal gründeten die Landgrafen von Thüringen 1150 Eisenach und aus dieser Zeit stammen Nicolaikirche und Nicolaitor. Vorbei am Lutherdenkmal gelangten wir durch eine Fußgängerzone zur Georgenkirche. Hier wurde J. S. Bach 1685 getauft und Luther predigte hier. Wenige Minuten weg steht das Lutherhaus, wo er während seiner Schulzeit wohnte. Auch das Geburtshaus von J. S. Bach, das sogenannte Bachhaus, ist nah. Eine weitere Kuriosität besitzt Eisenach mit dem "Schmalen Hans". Mit einer Breite von 2,05m ist es das schmalste Haus in Thüringen. Nachmittags erwartet uns in Ruhla der Freizeitpark "mini-a-thür". Auf 18000 m² stehen hier im Maßstab 1:25 85 berühmte Baudenkmäler Thüringens detailgenau nachgebildet. Liebevoll gestaltete Alltagsszenen lassen diese Modellwelt fast real erscheinen.

Am Mittwochmorgen zog es uns nach Rudolstadt hinauf zur Heidecksburg. Von 1571-1918 war es die Residenz der Grafen von Schwarzburg-Rudolstadt. Nach Entwürfen von Knöffel und Krone entstand dort nach dem Brand von 1735 ein Rokokoschloss, das seinesgleichen in Thüringen sucht. In seinem Westflügel befindet sich ein über 2 Stockwerke reichender Festsaal, der mit seinen Stuckdekorationen, Wand- und Deckengemälden zu den schönsten Rokokosälen Deutschlands zählt. Im gleichen Schlossteil befindet sich die Porzellangalerie und das "Schwarzburger Zeughaus", eine der ältesten Waffensammlungen Deutschlands. Wer dann noch aufnahmefähig war, durfte danach das Rokoko in den Miniaturbauwerken der Fantasiekönigreiche "Dyomien und Pelarien" in der Ausstellung "Rococo en miniature" wieder aufleben lassen. Anschließend ließen wir Adel Adel sein und gelangten nach kurzer Fahrt zum ältesten Freilichtmuseum Deutschlands in Rudolstadt, den "Thüringer Bauernhäusern". Es stellt ein Ensemble aus mehreren Fachwerkhäusern des 17. und 18. Jahrhunderts dar. In ihren Innenräumen befinden sich originale Möbel und Gebrauchsgegenstände, die in dieser Zeit zum bäuerlichen Leben in der Region notwendig waren. Arbeitsgeräte und Hausrat beeindruckten uns durch ihre hohe Zweckmäßigkeit. Die formschönen und farbenfrohen Gegenstände spiegeln trotz widriger sozialer Stellung der Besitzer ein ausgeprägtes Standesbewusstsein wieder. Besonders sehenswert fanden wir die alte Dorfapotheke. Mit ihren einfachen Laborgeräten, Mörsern und Arzneiflaschen war sie die Werkstatt des "Buckelapothekers" Diese Zunft wanderte früher von Tür zu Tür und verdiente sich den Lebensunterhalt im Medizinal- und Olitätenhandel.

Eine besondere Rarität für alle Eisenbahnfreunde unter uns stand am Abreisetag auf dem Programm. In Wieke im Unstruttal gelegen, wartete auf einer Gesamtfläche von 12000m² die weltgrößte Modellbahn-Ganzjahresschau auf uns. Neben der Eisenbahnlandschaft Thüringens gibt es eine Harz- und Brockenbahnanlage. Eine Halle weiter ist die erste ICE-Strecke von Würzburg nach Hamburg zu sehen. Ein weiterer Höhepunkt sind Eisenbahnverbindungen der USA von West nach Ost umrahmt von Freiheitsstatue, Grand Canyon und den Präsidentenköpfen am Mount Rushmore. Weiterhin ist eine originalgetreue Nachbildung der chinesischen Terrakotta-Armee im Maßstab 1:2,5 zu sehen. Viele von uns waren danach nur mit Mühe zur Heim-fahrt zu überreden, aber leider mussten wir am Abend zurück in Lichterfelde sein. Bereits heute freuen wir uns auf eine weitere Fahrt ins Wellness-Paradies Bad Sulza im nächsten Jahr.