Evangelische Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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23.9.2019

Brot für die Seele
Seit fünf Jahren verteilen bei der Aktion "Laib und Seele" Berliner Kirchengemeinden Lebensmittel an Bedürftige

Von Barbara Schneider (epd)

Berlin (epd). Die frisch gewaschenen grünen Hemden leuchten auf dem Berliner Großmarkt schon von weitem: Eilig entladen die Mitarbeiter der Berliner Tafel ihre Transporter, sortieren Tomaten und Paprika, fegen den Hallenboden. Der 63-jährige Michael Tesch bepackt unterdessen seinen Anhänger mit Brot, Kuchen, Wurst und Petersilientöpfen. Tesch ist Frührentner und Ehrenamtlicher der "Laib-und Seele"-Ausgabestelle in Spandau. Dort sollen die Lebensmittel am Nachmittag verteilt werden.

Seit nunmehr 5 Jahren besteht auch unsere Laib & Seele-Ausgabestelle in der Scheelestraße 145. Viele der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind von der ersten Stunde mit viel Engagement dabei. Mittlerweile sind die Reihen aber etwas ausgedünnt und wir suchen dringend Verstärkung.

Freiwillige Helfer gesucht!

Wer hat montags oder dienstags Zeit und Lust uns bei der Sortierung und Verteilung der Lebensmittel zu helfen?

Bei Interesse melden Sie sich bitte im Gemeindebüro 755 19 285 oder bei Pfarrer Busch 355 04 614

Seit fünf Jahren gibt es die Aktion "Laib und Seele". Entstanden in Zusammenarbeit von der "Berliner Tafel", den Kirchen und dem Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB), feiert sie am Sonntag ihr Jubiläum mit einem Gottesdienst in der Marienkirche in Berlin-Mitte. Dort hat vor fünf Jahren, einen Tag vor Weihnachten, auch die Ausgabe von Lebensmitteln an Bedürftige mit speziellen Ausgabestellen begonnen.

Die Idee von "Laib und Seele": Ehrenamtliche verteilen in Kirchgemeinden Lebensmittel an Bedürftige, die in Supermärkten, Bäckereien oder auf dem Großmarkt übriggeblieben sind. "Wir wollen mit der Aktion das Brot miteinander teilen und auch die Seele versorgen", sagt die Vorsitzende der Berliner Tafel, Sabine Werth. Neben dem Verteilen von Lebensmitteln bieten viele Kirchengemeinden daher auch Angebote wie Arbeitslosen-, Schuldner- oder Sozialhilfeberatung.

Inzwischen gibt es berlinweit 45 Ausgabestellen. Beteiligt sind Kirchengemeinden von Marzahn bis Tempelhof, vom Wedding über Kreuzberg bis nach Charlottenburg und Spandau. Auf dem Berliner Großmarkt, wo die Berliner Tafel auf 1.300 Quadratmetern ihren Sitz hat, laufen die Fäden zusammen.

Dort wird ein Großteil der Lebensmittel der Tafel umgeschlagen. In der Halle kümmern sich täglich zwischen 50 bis 60 Mitarbeiter um Sammeln, Sortieren und Lagern von Obst und Gemüse, mit denen sowohl "Laib-und-Seele"-Ausgabestellen als auch soziale Einrichtungen in der Stadt versorgt werden. Unterdessen wird im Obergeschoss an Telefon und Schreibtisch koordiniert, geplant und neue Spender akquiriert. Damit die Produkte bei den Bedürftigen ankommen, ist eine ausgeklügelte Logistik notwendig.

Zum Kerngeschäft der Lebensmittelverteilung sind zudem längst weitere Aufgaben dazugekommen: Drei Kinderrestaurants betreibt die Berliner Tafel. Inzwischen erhält die Tafel aber auch Secondhandkleider und gebrauchte Bücher als Spenden. Und auch die Aktion "Eins mehr", bei der Berliner in Supermärkten zusätzlich gekaufte Lebensmittel an die Tafel spenden können, wird dort koordiniert.

In den Anfangsjahren hat die Tafel ausschließlich soziale Einrichtungen versorgt, erklärt Sabine Werth, die 1993 die Berliner Tafel als erste ihrer Art in Deutschland mit gegründet hat. Einzelpersonen und Familien hätten auf diese Weise allerdings nicht erreicht werden können. Dies sei erst durch das dezentrale System der "Laib und Seele"-Ausgabestellen möglich, meint die 52-Jährige.

"Wir bieten eine Zusatzversorgung und keine Grundversorgung", wird Werth nicht müde zu betonen. Aus diesem Grund hat jede Ausgabestelle nur einmal in der Woche geöffnet, die Waren werden gegen eine Aufwandsentschädigung von einem Euro verteilt. Um Missbrauch vorzubeugen, müssen zudem alle Kunden ein Einkommen unter 900 Euro nachweisen.

Die Nachfrage nach Lebensmitteln über die "Laib und Seele"-Ausgabestellen ist groß. Rund 45.000 Menschen erhalten dort monatlich Unterstützung. Allein in Spandau rechnet Tesch an diesem Nachmittag mit 200 Bedürftigen. Und dass, obgleich die Wirtschaftskrise in Berlin bei den Menschen noch nicht zu spüren sei, meint Werth.

"Wir müssen aufpassen, dass weder der Berliner Senat noch die Bundesregierung Hartz IV mit der Maßgabe 'Geht doch zur Tafel' weiter kürzen können", fügt Werth hinzu und reagiert damit auf die in den vergangenen Monaten wiederholte Kritik an den Tafeln in Deutschland. Daran, dass sich die Tafeln und damit auch die "Laib und Seele"-Ausgabestellen einmal überflüssig machen, glaubt Werth allerdings nicht. "Ich fürchte die Tafelgeschichte ist eine Never Ending Story."

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