Evangelische Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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12.12.2019

Der Teamspieler
Am 14. November 2009 wurde Dr. Markus Dröge in der Marienkirche als Bischof eingeführt

Ein Porträt von Sibylle Sterzik

Irgendwo in Berlin-Kreuzberg wird bald ein Fenster hell erleuchtet sein. Bis tief in die Nacht. Markus Dröge hat in der Wilhelmstraße eine Wohnung gemietet. Er arbeitet viel und gern, sagt er. Auch spät am Abend. Er kommt erst einmal allein nach Berlin. Im Sommer zieht seine Familie aus Koblenz nach, seine Frau, die Zahnärztin ist, und seine jüngste Tochter (12). Der 18-jährige Sohn macht im Frühjahr Abitur, die älteste Tochter (20) studiert.

Bischof Markus Dröge

Obwohl die Trennung schwer fällt, findet Markus Dröge es gut, erst einmal allein hier anzukommen. "Ich werde viel unterwegs sein." So viele Gemeinden wie möglich will er kennenlernen. Im Kalender stehen schon so einige Termine. Markus Dröge plant alles genau. Eine Stärke, mit der er viel erreicht: Er arbeitet gut organisiert. Ohne Aufhebens macht er das, sagen ihm seine Mitarbeiter nach. Damit kommt er seinem Ideal nahe: "Ich möchte so gut strukturiert sein, dass man von der Struktur nichts merkt."

Geplant hat er auch den Start ins Bischofsamt. Das erste Etappenziel, das er sich setzt, ist das Bischofswort zur Frühjahrssynode. "Ich möchte bis dahin so viel von der Kirche mitbekommen haben, dass ich mein erstes Wort sagen kann." In den ersten Monaten will er vor allem zuhören. Markus Dröge kommt nicht mit einem neuen Programm. Gute Konzepte gibt es bereits genug, hat er festgestellt. Die hat die EKBO in den vergangenen Jahren erarbeitet. "Jetzt bin ich darauf gespannt, wie die Gemeinden die Reformkonzepte sehen."

Den eingeschlagenen Reformprozess setzt Markus Dröge fort. Aber wichtig ist ihm, bei allen Veränderungen in der Praxis nicht die "innere Reform" der Kirche aus dem Blick zu verlieren, die Spiritualität neu zu beleben und sich immer wieder bewusst zu machen, wozu Kirche da ist. "Ich erlebe oft, dass den Leuten die Puste ausgeht, wenn man diese geistliche Kraft nicht mobilisiert."

Mit dem weißen Stehkragen und dem Silberkreuz sieht Markus Dröge schon vor der Amtsübernahme wie ein Bischof aus. Er trägt einen schwarzen Anzug aus weichem Stoff. Der fällt leicht an ihm herunter. So als wollte er die sanften Züge dieses Mannes unterstreichen, der mit warmen, aber hellwachen Augen seine Umgebung mustert. Ihm scheint nichts zu entgehen. Interesse, nichts Wertendes, liegt in seinem Blick.

Dass er Theologie studieren wollte, überraschte seine Eltern, erzählt Dröge. Sie dachten, das zweite ihrer vier Kinder wird Architekt, Ingenieur oder Jurist. Der verstorbene ältere Bruder, ein Religionswissenschaftler, galt als "Professor". Markus war praktisch veranlagt, bastelte, sang, hatte viele Freunde, spielte Gitarre und als Jugendlicher Bass in einer Rockband, später in der Pfarrerband in Koblenz. Die Gitarre hat er heute immer noch überall dabei, wo es keine Orgel gibt.

Bewusst zu einem eigenen Glauben fand Markus Dröge erst als Gymnasiast, als er Dietrich Bonhoeffer las. Mit 17 Jahren vor die Gewissensfrage gestellt, ob er den Wehrdienst mit der Waffe leisten solle oder nicht, fand er die Antwort bei dem Theologen der Bekennenden Kirche und verweigerte. Ein wenig trat er damit in die Fußstapfen seines Vaters. Der war zwar Soldat im Zweiten Weltkrieg, wurde aber dann Diplomat, um im Ausland Botschafter eines neuen friedfertigen Deutschlands zu sein.

Im CVJM Bonn gab Markus Dröge Jugendlichen Bibelstunden. "Das war meine erste Gemeinde." Einschneidend war für ihn die Erfahrung als Pfleger in einem Altenheim zu arbeiten. Aber erst nach einem weiteren Jahr in einer therapeutischen Einrichtung für Drogenabhängige beim CVJV stand sein Entschluss fest: Er machte den Glauben zu seinem Beruf.

Wenn Markus Dröge spricht, sieht er seinem Gesprächspartner in die Augen. Denkt er nach, legen sich tiefe Furchen auf die Stirn.

Es scheint, als durchdringe er gleichzeitig sein Gegenüber und die Frage. Manchmal schweift sein Blick ab, richtet sich auf einen Punkt in der Ferne. Dann scheint er weit weg, spricht aber konzentriert weiter. Hat er Schwächen? "Da fragen Sie am besten meine Frau." Er lacht. Und überlegt es sich anders: "Oder lieber nicht." Es fällt ihm schwer abzuschalten. Seine Familie kommt manchmal zu kurz, gibt er zu. Spiritualität im Alltag? Morgens liest er die Losung, abends führt er Tagebuch. Mit dem Terminkalender in der Hand schreibt er auf, was am Tag passiert ist und was er dabei erlebt hat. Auch als Bischof möchte er einfach in den Gottesdienst gehen, ohne das jemand denkt: Wieso sitzt der Bischof hier. "Das brauche ich, auf Gottes Wort zu hören und zur Ruhe zu kommen."

Das gelingt ihm anscheinend, denn Markus Dröge wirkt gelassen. Doch er kann auch ungehalten werden. "Wenn andere etwas aufgebaut haben und dann einer kommt, der destruktiv alles zerstört, wofür sie gearbeitet haben." Empfindlich reagiert er auch, wenn jemand seine Frömmigkeit für die einzig wahre hält. "Die Kirche bietet Raum genug für alle. Da kann man eine charismatisch geprägte Frömmigkeit haben, evangelikale Grundpositionen oder eine prophetische Spiritualität." Jeder soll seine Spiritualität leben können, meint er.

Dröge gehört keiner Partei an. Wie sein Vater, der als Beamter unabhängig sein wollte. Die Familie stand immer der SPD nahe. Sein Großvater saß bis 1933 für die SPD im Reichstag und stimmte gegen das Ermächtigungsgesetz. Die Mutter war durch ihren Konfirmandenunterricht von der Bekennenden Kirche geprägt.

Von Vorgänger Wolfgang Huber unterscheidet er sich theologisch kaum, sagt er. Aber er hat einen anderen Hintergrund. Er kommt aus der Gemeindepraxis. "Komme ich in die Gemeinde und jemand erzählt mir von seiner Arbeit, von Problemen, dann klingelt es bei mir, weil ich das alles selbst erlebt habe."

Die Diplomatenfamilie hat ihn geprägt. "Wir hielten sehr zusammen." Vielleicht ist er deshalb Teamspieler und kein Einzelkämpfer geworden. Die Koblenzer jedenfalls geben ihn nicht gern her, sagt Katrin Püschel, Pressesprecherin des Kirchenkreises Koblenz. "Er ist fabelhaft in seiner Art zuhören und die Ideen anderer aufzunehmen." Markus Dröge kann Menschen überzeugen und ist für sie da, sagt Iris Pfisterer-Dahlem, Leiterin des Diakonischen Werkes Koblenz. "Trotz seiner bescheidenen Art hat er es geschafft, alle von seiner Kompetenz zu überzeugen – nicht nur durch Reden und Handeln, sondern vor allem durch seine Menschlichkeit."

Dieser Artikel stammt aus der EKBO Internetseite unter der Rubrik: Aktuelles

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