Evangelische Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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22.9.2019

Gottes Licht in der Dunkelheit

von E-Mail

In diesen dunklen Tagen am Ende des Jahres überfällt uns oft eine große Sehnsucht nach Licht und Wärme, nach Sonnenschein und Lebensleichtigkeit, bei aller Wertschätzung von Glühwein, wärmendem Tee und knisternder Kamingemütlichkeit.

So wie der Maus Frederick in dem gleichnamigen wunderbaren Kinderbuchklassiker von Leo Leonni mag es uns so manches mal gehen, beseelt von dem Wunsch Sonnenstrahlen für die kalten, dunklen Wintertage zu sammeln. Denn während alle anderen Mäuse fleißig Vorräte für den Winter sammeln, sitzt Frederick scheinbar tatenlos und faul in der Sonne. Im Winter, als die Nahrung der Mäuse aufgebraucht ist, und die Mäuse ihn vorwurfsvoll nach seinen gesammelten Vorräten fragen, packt Frederick seine "Vorräte" aus: Mit Sonnenstrahlen, bunten Farben und Worten, die er im Sommer eingefangen hat, kann er jetzt im kalten, dunklen Winter den Mitbewohnern Wärme und Freude vermitteln.

Wer lange Zeit im Dunkel lebt, verfällt leicht in Schwermut; und das seelische Gleichgewicht gerät in Schieflage. Der Mensch ist kein Maulwurf. Er braucht das Licht wie die Luft zum Atmen. Mit den "Sommersonnenvorräten" hält Frederick seinen Freunde so während der dunklen Wintermonate eine lebenswichtige Erinnerung wach: die Ahnung vom Licht.

Wir sprechen vom Winter zwar auch von der dunklen Jahreszeit mit den langen Abenden und dem kurzen Sonnenschein, aber in einer Großstadt wie Berlin wird es kaum noch irgendwo richtig dunkel. Besonders in der Adventszeit sind Straßen und Plätze, Geschäfte und Einkaufspassagen hell erleuchtet und festlich geschmückt. Wer die alljährlichen Lichterfahrten durch das weihnachtliche Zentrum erlebt, wird daran seine Freude haben.

Von solcher Art Helligkeit wusste der Prophet Jesaja allerdings noch nichts, der vor 2700 Jahren das Bild vom großen Licht in tiefer Dunkelheit beschrieb. Er kannte vielmehr die nächtliche Finsternis über den Wüsten des Nahen Ostens und das strahlende Morgenlicht auf den Berghöhen Israels. Jeden Tag neu hat er diesen Wechsel zwischen Dunkelheit und Licht erlebt; er selbst und auch die Menschen, zu denen er sprach. Und gemeinsam entdeckten sie in dem Bild vom Licht in der Finsternis die Hoffnung auf Rettung und Befreiung ihres Lebens aus großem Leid.

Krippe im Alltag 2009

Aufmerksam sein und innehalten,
bei Kerzenschein mal Hände falten,
Adventserwartung überdenken,
damit mir selber Freude schenken.

Fremdes achten, nicht verhöhnen,
sich mit Schwierigem versöhnen,
bedeutet Frieden weitergeben
und selber Zuwendung erleben.

Tür aufhalten – Danke – Bitte
sind auch kleine Weihnachtsschritte;
denn zugewandt sein und auch handeln
kann dominoartig Umgebung verwandeln.

So entsteht ein Weg zur Krippe,
ob bei Fremden, Freunden, Sippe,
lässt die Weihnachtsbotschaft spüren,
vom Kind im Stall zum Nächsten führen.

Anne Goerke

Wenn in unseren Gottesdiensten am Heiligabend das Wort des Propheten das Weihnachtsfest eröffnet, dann werden wir sein Bild von Finsternis und Licht in unser Leben übersetzen und es hinein holen in unsere Wirklichkeit. Und manch einer spürt dann, dass bei aller äußeren festlichen Helligkeit innere Dunkelheit uns bedrängt: die Sorge um das Leben eines nahen Menschen, die Angst vor der Einsamkeit gerade in den Weihnachtstagen, die Hilflosigkeit angesichts des Elends, das uns täglich in den Nachrichten aus aller Welt, begegnet. Und wenn wir nicht ganz blind geworden sind, dann sehen wir, wie viel Finsternis es gibt, im eigenen Leben und in der Welt draußen.

Aber mit diesem Wissen um die Finsternis stehen wir nicht allein. Gerade weil der Prophet selbst die Finsternis erfahren hatte und die Dunkelheit in seinem Volk kannte, wusste er auch, wie heilsam und rettend das hervorbrechende Licht ist.

Und so sind diese Worte Jesajas aufbewahrt worden, um Licht in dunkle Tage zu bringen. Sind aufbewahrt worden zuerst von Juden und später von Juden und Christen gemeinsam. Und haben durch ihre bloße Existenz und die Hoffnung, die dran hing, die Juden aus dem Exil in Babylon getragen. Haben den ersten Christen gesagt, wen sie da eigentlich anbeten und warum dieser Jesus von Nazareth keine Episode und auch kein Zufall war, sondern Gottes von langer Hand angelegter Wunsch und Wille. Und so leuchten sie auch uns, im Jahre 2009, in unseren Trübsalen, Sorgen, Ängsten und Unsicherheiten. Stiften mit ihrem Licht Gemeinschaft und Hoffnung, geben Kraft und Zuversicht.

Das Neue Testament erinnert an das prophetische Bild von Licht und Finsternis, wenn es die Geburt Jesu Christi mit dem Kommen des Lichtes in die Welt vergleicht. In seinem Leben sahen die Menschen ein Licht leuchten, das keine Halluzination war, sondern andere wärmte und erleuchtete und sie spüren ließ, wie neues Leben erwachte.

Die Maus Frederick erinnern die leuchtenden Farben des Sommers in Zeiten der Dunkelheit an das wiederkommende Sonnenlicht; die weihnachtliche Botschaft vom Licht Gottes in der Welt erinnert uns daran, dass ER unsere Dunkelheiten mit seinem Licht erfüllen wird.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit

Pfarrer Michael Busch

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