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20.1.2019

Zum Monatsspruch November

von Pfarrer E-Mail

Liebe Gemeinde,

22. November 2009: Ewigkeitssonntag

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im November geht das Kirchenjahr zu Ende. Zeit, nach den letzten Dingen zu fragen. Zeit, das Ende zu bedenken, auch unser eigenes Ende. Wir sind sterblich. Was wird aus uns, nach unserer Lebenszeit? Wo gehen wir hin, wenn wir keinen Platz mehr haben unter den Lebenden?

Beim Lesen der Evangelien fällt uns auf, dass die Begleiter Jesu ganz ähnliche Fragen hatten.

"Was wird aus uns? Wann lohnt es sich für uns, dass wir deinetwegen alles zurück gelassen haben und auf unserer Wanderschaft mit dir alles entbehren müssen?" haben seine Nachfolger Jesus von Nazareth gefragt. "Achtet auf mich, folgt mir. Und habt keine Angst Dann seht ihr schon, was geschieht. Ich lebe in der unmittelbaren Gegenwart Gottes. Er ist mein Vater und will auch euer Vater sein. Er sorgt für euch. Und es lohnt sich für euch. Alles, was ihr für mich aufgegeben habt werdet ihr von Gott hunderfach wieder bekommen. Unser Reichtum wächst durch Loslassen. Wenn ihr aber euer Leben krampfhaft festhaltet, dann werdet ihr alles verlieren. Gebt euer Leben hin für mich, dann kommt ihr ans Ziel."

Der wandernde Gottessohn aus Galiläa fand sein Ziel am Kreuz von Golgatha. Er wurde hingerichtet wie ein Verbrecher, er starb tatsächlich wie ein gewöhnlicher Mensch. "Er starb unsern Tod", sagten seine Begleiter. Denn die himmlischen Heerscharen kamen dem gekreuzigten Gottessohn nicht zur Hilfe. Hatte Gott ihn verlassen? War dieser Messias am Ende doch nur ein Schwindler? Jesus starb unsern menschlichen Tod. Und hier beginnt der Glaube: Die Todesmacht behielt nicht den Sieg über unsern Erlöser. Gott ließ Jesus sterben und in das Todesreich hinab steigen. Aber er ließ ihn nicht dort, sondern holte ihn zurück in ein neues Leben. Gott erweckte seinen Sohn auf von den Toten und nahm ihn an seine Seite in sein himmlisches Reich. Seine Jünger sahen ihn vorher noch als Auferstandenen, sie hörten ihn sprechen, sie wurden Zeugen seines zweiten Abschieds.

Aus dieser Erfahrung mit Jesus entstand die Frohe Botschaft: Er ist gestorben und auferstanden. Er hat den Tod überwunden. Er ist Christus, der Erste im neuen Sein.

Auch der Pharisäer Paulus verbreitete diese Botschaft – außerhalb Palästinas, außerhalb der jüdischen Synagogen. Er hatte Jesus persönlich nicht kennengelernt, fühlte sich aber auch von Christus selbst zum Apostel berufen – zu den Völkern. Auf seinen langjährigen Missionsreisen gründete er christliche Gemeinden im Römischen Reich, auch in der griechischen Stadt Thessaloniki. Paulus schrieb Briefe an seine Freunde, um den Kontakt zu halten und wichtige Fragen zu beantworten. Seine Briefe an die Gemeinden wurden aufgehoben und sind kostbare Werke im Neuen Testament. Die Christen in Nordgriechenland machten sich Sorgen. Etliche aus der Gemeinde starben und wurden beerdigt. Paulus wollte sie beruhigen. Er lebte in der sicheren Erwartung, dass Jesus noch in seiner Lebenszeit in unsere Welt zurückkehren und die Geschichte vollenden würde. Dann sollten alle in die Herrlichkeit Gottes eingehen, die im Glauben Verstorbenen zuerst, dann auch die Lebenden als Verwandelte.

War Paulus in seiner Glaubensüberzeugung naiv? Es wurde nichts mit der schnellen Wiederkehr Christi und mit einer Verwandlung zu Lebzeiten. Die Jünger Jesu starben einer nach dem andern. Auch Paulus starb in Rom und wurde dort beerdigt. Aus dem Glauben an Jesus Christus und den kleinen Gemeinden der frühen Christen entstand die weltweite Christenheit mit ihren zahllosen Kirchen und Konfessionen. Die Kirche musste damals lernen, mit und in der Zeit zu leben, auch wenn sie darauf eigentlich nicht vorbereitet war. Wir Heutigen leben am Beginn des dritten nachchristlichen Jahrtausends und schauen als Leser des Neuen Testaments zurück auf die Anfänge der christlichen Heilsgeschichte. Paulus formulierte seine eigene Erkenntnis des Heils. Als aufgeklärter jüdischer Denker wusste er um die Grenzen menschlicher Erkenntnis: "Unser Wissen ist Stückwerk und unser Weissagen ist Stückwerk. Wenn aber kommen wird das Vollkommene, dann wird das Stückwerk aufhören. Wir sehen jetzt wie durch einen trüben Spiegel auf ein Rätsel, dann aber von Angesicht zu Angesicht." Paulus wartete auf die vollkommene Erkenntnis, die er einstweilen vorwegnahm mit seiner begrenzten menschlichen Vorstellungskraft. "Ich bin sicher: Nichts kann uns trennen von der Liebe Gottes."

Lutz Poetter