ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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22.5.2019

Zum Abschied unserer Gemeindeschwester Gisela Meyer

von Lutz Poetter

Gisela Meyer beim Tagesausflug mit der Gemeinde 2002 im Kreismuseum Finsterwalde

Es begann alles ganz zufällig an jenem Donnerstag Anfang Oktober 1981. Vor dem Nebenhaus stand die Feuerwehr, eine Frau im weißen Kittel hatte offensichtlich alle Hände voll zu tun. Gisela ging zu ihr: "Kann ich etwas helfen?"

Im Gespräch stellte sich heraus, dass die stellvertretende Gemeindeschwester sich um einen Patienten kümmerte. Ihr Dienst endete am nächsten Tag. In der Küsterei Giensensdorf suchte man schon händeringend nach einer neuen Vertretung, feste Arbeitszeiten, vier Stunden täglich. "Sind Sie Krankenschwester? Dann können Sie am Montag anfangen!" Am folgenden Wochenende überlegte sich Gisela Meyer gemeinsam mit ihrem Mann diesen Vorschlag. Die Ausbildung zur Krankenschwester hatte Gisela im Behring-Krankenhaus absolviert. Zuletzt leitete sie dort die Intensivstation. Dann wollte sie sich um ihre Töchter kümmern und legte eine Pause ein.

1981 waren sie soweit heran gewachsen, dass Gisela wieder arbeiten konnte. Sie dachte an eine Rückkehr ins Behring-Krankenhaus, Schichtdienst, Nachtdienste... Die Aufgaben und der geregelte Vormittagsdienst einer Gemeindeschwester schienen besser mit der Familie zu harmonieren. Am Montag fing Gisela an als Stellvertretung. Es wurden bald immer mehr als vier Arbeitsstunden täglich, Schwester Gisela zog die Patienten offensichtlich an. Ilka Albrecht kündigte ihre Stelle als Gemeindeschwester zum Jahresende 1981, Gisela Meyer bewarb sich auf die freie Stelle als ihre Nachfolgerin. Beim Bewerbungsgespräch mit dem Gemeindekirchenrat sagte Pfarrer Peter Neumann: "Wir erwarten von Ihnen auch ehrenamtliches Engagement." Die Seniorenarbeit wurde damals von Helga vom Baur, Eva Döbler und Ilka Albrecht geleitet. Über die Seniorenreisen wuchs Gisela Meyer als neue Gemeindeschwester langsam ins Leitungsteam hinein. Kamen die Reiseteilnehmer bis dato aus dem Altenkreis, so änderte sich dies nun: Immer mehr von ihren pflegebedürftigen Patienten nahm Gisela mit. Ende der 80er Jahre verlagerte sich so der Schwerpunkt der Seniorenreisen: Gehbehinderte und Rollstuhlfahrer reisten mit. Gisela war immer bereit zum Ausprobieren. Ihr Motto: Wenn meine Patienten mutig sind, dann bin ich es auch.

Im Gemeindealltag vollzog sich ebenfalls ein Wandel: Runhilt Dallmann übernahm den Altenkreis, gemeinsam mit Gisela und dem Seniorenarbeitsteam wurde die Gemeindearbeit für alte Menschen in Giesensdorf auf mehrere Schultern verteilt: Reisen, Ausflüge, Geburtstagesfeiern, Feste, Besuche...

Auch in ihrem hauptamtlichen Arbeitsauftrag als Gemeindeschwester erlebte Gisela Meyer eine große Veränderung. Mit dem Aufstieg der Diakonie- und Sozialstationen in unserer Stadt in den 80er Jahren nahm die Zahl der selbständigen Gemeindeschwestern immer mehr ab. Von Anfang an war Schwester Gisela die letzte und einzige ihres Berufsstandes in unserer Region. Die Abrechnung mit den Krankenkassen wurde umgestellt, Gisela arbeitete bald in enger Kooperation mit der kirchlichen Diakonie Lichterfelde. Hier war ihre Fach- und Dienstaufsicht, sie blieb aber immer selbständige Gemeindeschwester der Kirchengemeinde Giesensdorf. Gleichzeitig genoss sie die gute Zusammenarbeit mit den Schwestern der Diakoniestation.

Anfang 1997 ergriff Gisela Meyer die Initiative zum Ortsjubiläum 700 Jahre Giesensdorf: "Wer hat Interesse an einem Dorffest in zwei Jahren?" Etliche ließen sich anstoßen von Giselas Ideen, Kirchengemeinde, Heimatverein, Grundschule, Kleingartenkolonie und viele andere waren dabei. Pläne wurden geschmiedet, eine Broschüre ging in Druck. Die Festwoche vom 9. - 19. 9. 1999 unter Schirmherrschaft des damaligen Bezirksbürgermeisters wurde mit dem Besuch unseres Landesbischofs Huber geadelt. Im Januar 2000 erfolgte die Fusion der Gemeinden Giesensdorf und Petrus, Schwester Gisela hatte nun ein mehr als doppelt so großes Gebiet zu versorgen. Es gab mehr Patienten und mehr Geburtstagsbesuche. Aus der Petrustradition kamen die Ganztagsausflüge dazu als Ergänzung zu den Halbtagesausflügen.

Eine Sache sollte nicht unerwähnt bleiben: Eine Patientin schenkte Gisela Anfang der 90er Jahre ein altes Rolltuch und legte damit den Grundstein für eine umfangreiche Sammlung. Da die "Rolltuchleidenschaft" im Laufe der Jahre nicht nachgelassen hat, zeigt sie ihre schönsten Stücke häufig in Museen und organisiert auch Gemeindeausflüge zu ihren Sonderausstellungen (siehe Foto).

Zum 1. Oktober 2009 geht Gisela Meyer in den Ruhestand. Es gibt dann keine Gemeindeschwester mehr bei uns. Wohl aber bleibt uns Gisela ehrenamtlich in der Seniorenarbeit erhalten. Rente bedeutet für Gisela Abschied vom Müssen: "Ich darf tun, was mir Spaß macht."

Pfarrer Lutz Poetter

Abschiedsgottesdienst für Gisela Meyer

Sonntag, 11. Oktober 2009 um 9.30 Uhr in der Dorfkirche
Anschließend Feier im Gemeindehaus Ostpreußendamm