Evangelische Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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15.9.2019

Der Chorinnenraum der Petruskirche einst und jetzt

von Torsten Lüdtke

Als vor drei Jahren, im Herbst 2006, die verhüllenden Planen und das Baugerüst verschwanden, zeigte sich der Altarraum – korrekterweise müßte es "Chor" heißen – in einem völlig neuen Licht: die ehemals vermauerte Rosette war wieder offen.

Schon vor dem Beginn der Bauarbeiten war es klar, daß sich der Raumeindruck der Petruskirche mit den Durchbruch der Rosette verändern würde. Im Einvernehmen mit den für die Genehmigung zuständigen kirchlichen Stellen wurde eine moderne Neugestaltung der im Krieg verlorenen Verglasung und des Chorinnenraumes beschlossen.

Bevor in einer der nächsten Ausgaben des "Schlüssels" und in einer Ausstellung die Entwürfe für die neue Gestaltung der Rosette und des Chorinnenraumes vorgestellt werden, soll hier über das Aussehen und die Geschichte dieses Teiles unserer Petruskirche berichtet werden.

Vor 111 Jahren, im Jahr 1898, wurde die Petruskirche fertiggestellt und festlich eingeweiht. Der neue Kirchenbau erschien den Augen der Lichterfelder Bevölkerung im Innern und Äußeren etwas "zu schlicht" geraten und so verwundert es nicht, daß aus der Zeit um 1900 nur drei Abbildungen mit Aufnahmen aus dem Innenraum der Petruskirche bekannt sind.

Eine alte Photographie – ein auf Pappe aufgezogener Albuminpapier-Abzug einer verlorenen Glasplatte – zeigt den alten, holzgeschnitzten Altar der Petruskirche und einen Teil der Wandmalereien. Auf einer ebenso alten Postkarte wird etwas mehr vom Innenraum gezeigt, so daß sich der Gesamteindruck des Chorinnenraumes unter Zurhilfenahme der Baubeschreibung aus dem Jahr 1898 relativ genau beschreiben lässt.

Architektonisch war der schmale, rechteckig schließende Chor aufwendiger gestaltet als das Kirchenschiff, was sich teilweise auch noch heute feststellen lässt: So ist der Chor mit einem Kreuzrippengewölbe überwölbt, das auf halbrunde, mit Kapitellen geschmückte Pilaster gelagert ist. Im oberen Drittel der Chorwand befindet sich die Rosette. Die Wände – und wohl auch das Gewölbe - waren mit reicher neogotischer "Malerei in Caseinfarben" versehen. Die reichere Wandmalerei der Wände spiegelte sich auch in der reicheren Ornamentik der Mettlacher Fußbodenplatten. Die neugotische Ausmalung lässt sich – nach dem Befund der Photographien – in drei unterschiedliche Bereiche teilen. Von unten aus gesehen, befand sich in der Sockelzone, die bis zum Bogenansatz der Sakristeitür reicht, eine illusionistisch wirkende Malerei eines gemusterten Wandteppichs mit Faltenwurf. Darüber, bis in Höhe der Kapitelle reichend, befand sich eine reiche und qualitätvolle Architekturmalerei mit spitzbogigem Arkaden- und Gitterwerk. In den Arkadenbögen waren jeweils abwechselnd ornamental rankende Rosen- und Lilienpflanzen zu finden. Wiederum darüber, in der Höhe der Kapitelle – zog sich, als Abschluß der Architekturmalerei gedacht, ein gotisierendes Ornamentband entlang. Oberhalb dieses Bandes waren Quader auf die Wand gemalt. In diesem Bereich, auf der linken und rechten Schmalseite des Chores, wie auch links und rechts von der Rosette, befanden sich insgesamt vier Medaillons mit Darstellungen der Evangelisten und/ oder ihren Symbolen. Die Evangelistensymbole waren auch in der Bleiverglasung der Rosette, einem Geschenk des Kaiserpaares, dargestellt. Das runde Mittelfeld der Rosette stellte den thronenden Christus, umgeben von Engeln, dar. Im untersten Feld befanden sich die mit dem Wappen des Kaiserpaares die Wappen der Stifter.

Im Chor befand sich der aus Eichenholz gefertigte neugotische Altar und die auf einem Sandsteinfuß ruhende Kanzel. Der nur leicht farbig und goldgefasste Altar zeigte eine fialengeschmückte, dreiteilige gotische Schauarchitektur, die ein, in der Mitte befindliches kreuz betonte. Oberhalb des Kreuzes befand sich ein geschnitztes Medallion mit denn Sinnbildern Ähren und Weinstock.

Bis zum Jahr 1925 blieb die Ausstattung wohl unverändert erhalten; in jenem Jahr fand schließlich die seit der Einweihung gewünschte "würdigere Ausgestaltung" der Petruskirche, eine Neuausmalung durch Prof. Oetken statt und konnte mit der Weihe am 14. März 1926 abgeschlossen werden. Die bei der Öffnung der Rosette in den Putzflächen gefundenen Ausmalungsreste gehören wohl in den Zusammenhang dieser Neugestaltung. Photographien oder Abbildungen, die diesen Zustand (die Ausmalung nach 1926) dokumentieren, sind bisher nicht bekannt.

Nach dem zweiten Weltkrieg wurden die in der Kirche verbliebenen Ausstattungsreste als nicht mehr zeitgemäß empfunden und teilweise beim Wiederaufbau entfernt. So musste das Rosettenfenster bei der Neugestaltung des Innenraumes weichen. Die Chorwand sollte sich – wie der Rest der Kirche – im Stile der Sachlichkeit der fünfziger Jahren zeigen. An die Stelle der Rosette mit ihrer farbigen Bleiverglasung trat 1955 dann schließlich das schlichte Holzkreuz, das bis Juli 2006 über der Stelle hing, wo sich nun wieder die Rosette befindet.

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