ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

Holzkirche Gemeindezentrum Celsiusstraße Gemeindehaus Ostpreußendamm
Petruskirche Gemeindehaus Parallelstraße Dorfkirche Giesensdorf

ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf > Gemeindebrief > Archiv > Juli/August 2009

24.3.2019

Koffer packen

von Susanne Peters-Streu

Die Ferienzeit steht vor der Tür und damit auch so mache Reise, mancher Aufbruch. Da heißt es, Koffer packen. Für manche ist das ganz leicht, für andere ist es das Lästigste am Reisen. Bei jedem Teil die Entscheidung: Muss es mit oder kann es selbstverständlich zu Hause bleiben, worauf will ich – wenn auch schweren Herzens – bewusst verzichten, was wird vorsorglich eingepackt, obwohl es vermutlich nicht gebraucht wird.

Mitnehmen, zurücklassen, das betrifft mehr als nur die Kleidung. Das vertraute Zuhause mit seinen alltäglichen Gewohnheiten, seinem Rhythmus lasse ich für eine Zeit zurück. Manches würde ich gern zurücklassen, aber es ist so, als schliche es wie von selbst in mein Gepäck. Ob es gelingt vorher zu sortieren?

Wer sich auf den Weg macht, ist auf Gastfreundschaft angewiesen. Wer sein Zuhause verlässt, weiß, dass er eine andere Herberge braucht, ein Dach über dem Kopf, ein Bett. Ruhe finden, schlafen, sich fallen lassen in einem fremden Bett – manche haben in den ersten Tagen Schwierigkeiten damit bis sie sich eingewöhnt haben. Kein Wunder, wenn man bedenkt, wie viel Vertrauen dazu nötig ist. So widersprüchlich es klingt, es gehört sicher beides zusammen: Die Freude auf das neue Ungewohnte während des Urlaubs und dann wieder die Freude auf die Rückkehr ins Vertraute.

Koffer packen – das gibt es auch in anderen Situationen, die nicht immer so erfreulich sind wie der Urlaub, wo nach einiger Zeit die Rückkehr ins Gewohnte erfolgt. Koffer packen steht stellvertretend für andere Aufbruchssituationen, wo es manchmal kein Zurück gibt.

Menschen, die nach dem Krieg auf der Flucht waren, erzählen: Mit nur einem Koffer in der Hand bin ich damals angekommen. Darin hatte ich all meine Habseligkeiten. Vieles hatte ich eingepackt, aber bis auf das wenige habe ich alle verloren.

Junge Leute packen irgendwann ihre Koffer und ziehen aus dem Elternhaus aus. Außer den sichtbaren Spielsachen auf dem Boden oder im Keller bleibt ihre Kinderzeit zurück, mit all den gemischten Gefühlen, die für Eltern und Jugendliche damit verbunden sind.

Irgendwann habe ich es nicht mehr ausgehalten, da habe ich meine Koffer gepackt und bin ausgezogen. Eine Erfahrung manchmal sogar von Kindern, Astrid Lindgren erzählt davon in der Geschichte, "Lotte zieht um".

Umgekehrt kann es sein, dass jemand die Koffer vor die Tür gestellt bekommt. Sein Zuhause ist für ihn verschlossen, der Zutritt verwehrt.

In dem alten Schlager "Ich hab noch einen Koffer in Berlin" ist die Sehnsucht enthalten, an diesen Ort zurückkehren zu können, immer mal wieder, die Verbindung nicht ganz abreißen zu lassen.

Nicht speziell vom Urlaub, wohl aber von Reisen, vom Aufbruch aus vertrauter Umgebung in neues Land und vom Gast sein ist an unterschiedlichen Stellen der Bibel die Rede.

Gott sprach zu Abraham: "Geh aus deinem Vaterland und von deiner Verwandtschaft in ein Land, das ich dir zeigen will." Später heißt es: "Abraham zog aus, wie Gott zu ihm gesagt hatte."

Eine andere große Aufbruchssituation war, als die Israeliten aus Ägypten geführt werden. Endlich die Knechtschaft hinter sich lassen, endlich frei sein. Doch zwischen der Sklaverei und dem gelobten Land lagen 40 Jahre Wüstenwanderung. Durststrecke, Wüste, soll man doch besser umkehren? Es kann lange dauern bis Erhofftes Wirklichkeit wird.

Und unsere Urlaubszeit, endlich frei, endlich ohne Druck, ohne Termin und Verpflichtung, alles zurücklassen, das gelobte Urlaubsziel vor Augen. Wenn alles reibungslos geht, ist es gut . Wenn nicht kann schon ein kleiner Stau auf der Autobahn alle Emotionen durcheinander bringen. Wären wir nur zu Hause geblieben! Manchmal müssen in der ersten Tagen seelische Wüstenstationen durchwandert werden, ehe die Muße, die Erholung spürbar wird.

Vom Beter des 119. Psalms wird das Wort überliefert: "Ich bin ein Gast auf Erden".

Die Kostbarkeit geschenkter Zeit, der Wert des Augenblicks. Gast sein wird geteilt mit anderen. Gast sein ist mit Freude verbunden, mit einem bestimmten Verhalten von Dank, Aufmerksamkeit, gutem Benehmen. Behutsam geht ein Gast mit dem um, was ihm zur Verfügung gestellt wird. Als Gast brauche ich Vertrauen zu dem Gastgeber, der mich freundlich aufnimmt.

"Ich bin ein Gast auf Erden," ist eine andere Lebenseinstellung als "Wir sind die Herren der Welt." Der Psalmbeter sieht Gott als Gastgeber.

Wenn wir nun die Koffer packen, verreisen, Zeit haben, dem Leben nachdenken, vielleicht ergibt sich auch Raum für den Gedanken; "Ich bin ein Gast auf Erden". Ist das ein neuer guter Blick für die Tage die kommen?

Gottes Segen begleite Sie in dieser Sommerzeit und Gott halte Sie in seiner Hand.

Pfarrerin Susanne Peters-Streu