Evangelische Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

Gemeindezentrum CelsiusstraßeGemeindehaus Ostpreußendamm
Gemeindehaus ParallelstraßeDorfkirche Giesensdorf

ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf > Gemeindebrief > Archiv > Juni 2009

7.12.2019

Zum Monatsspruch im Juni

von E-Mail

Er ist der Namenspatron unzähliger Gemeinden und Kirchen, auch die größte Kirche der Christenheit in Rom und auch unsere Kirche auf dem Oberhofer Platz tragen seinen Namen. Die Rede ist von Simon, dem Fischer, genannt Petrus. Eine schillernde Persönlichkeit ist dieser Petrus. Mal kann er vor Glaubenskraft kaum laufen, dann versinkt er aber auch wieder knietief in Zweifel und Anfechtung. Ein Mensch mit Ecken und Kanten, ein Mensch wie Sie und ich. Ein Mensch mit Brüchen in seiner Biografie.

Petrus ist Jude. Er ist Jesus nachgefolgt. Und er hat ihn dreimal verleugnet. Dann wurde er zur führenden Figur in der ersten Christengemeinde in Jerusalem. Aber er versteht sich noch nicht als Anhänger oder Gründer einer neuen Weltreligion, sondern als Jude, der an den richtigen Boten Gottes Jesus glaubt. Nach Jesu Tod reist er im Land umher und dann, so erzählt es Lukas in der Apostelgeschichte, hat er beim Beten eine Vision. Ein Tuch mit unreinen Tieren senkt sich vom Himmel und eine Stimme sagt: Schlachte und iss. Er weigert sich, weil er als frommer Jude keine unreinen Tiere essen darf, aber die Vision wiederholt sich noch zweimal.

Und dann bereitet sich ein Brückenschlag von weitreichendem Ausmaß vor. Ein Brückenschlag, der die gesamte abendländische Geschichte entscheidet geprägt hat.

Auf der anderen Seite finden wir Kornelius, ein Centurio der "Italischen Kohorte" in Cäsarea, im Norden Israels am Mittelmeer. Der römische Statthalter hatte seinen Sitz hier und war nur selten in Jerusalem. Hier wurde der erste außerbiblische Hinweis auf Pontius Pilatus gefunden und eine ganze Promenade mit Pferderennbahn und Theater am Meer ausgegraben. Wenn ein Christ sich dorthin begab, dann ging er in die Höhle des Löwen. Dort ist die römische Besatzungsmacht versammelt. All das, was das jüdische Volk angreift. All das, was so viel Macht hat und unüberwindlich scheint. Kornelius ist Befehlshaber von ungefähr 80 Legionären. Es wird von ihm erzählt: Er war fromm und gottesfürchtig mit seinem ganzen Haus, erwies dem jüdischen Volk viele Wohltaten. Er war an der Kultur und Religion des jüdischen Volkes interessiert. Und er betete immer nur zu dem einen Gott, dem Gott Abrahams, Isaaks und Jakob. Er gehörte zu den Gottesfürchtigen und denen die in die Synagogengottesdienste gingen, den jüdischen Glauben für vernünftig und hilfreich hielten, aber sich nicht beschneiden lassen wollten und sich auch nicht an die Speisegebote halten wollten, die sie von der Umwelt isoliert hätten.

Dieser Kornelius hat ebenfalls eine Vision. Er sieht einen Engel, der ihn beauftragt, Petrus holen zu lassen. Petrus kommt also nach Cäsarea in das Haus des römischen Offiziers. Er traut sich in das Haus eines Nichtjuden und er sagt: Das tue ich nur, weil Gott mir gezeigt hat, dass man niemanden vor Gott als abscheulich oder unrein ansehen darf. Und dann redet er zu der Menge im Haus des römischen Offiziers. Er redet in der Höhle des Löwen von Jesus Christus, der vor kurzem von Römern gekreuzigt wurde. Und er redet im Haus eines Nichtjuden, vom Heiligen Geist dazu gebracht, seine Vorurteile zu überwinden.

Und dann sagt Petrus in dieser knappen und alles zusammenfassenden Predigt jenen bedeutsamen Satz, der uns als Monatsspruch durch den Juni begleitet: Petrus sprach: "Jetzt erkenne ich wirklich, dass bei Gott kein Ansehen der Person ist, sondern dass ihm aus jedem Volk willkommen ist, wer ihn fürchtet und Gerechtigkeit übt."

Gott ist nicht parteilich. Das ist der Spitzensatz in der Predigt des Petrus. Zu diesem Satz musste er wohl durch viele innere Widerstände hindurch gelangt sein. Vielleicht hat er es selbst noch nicht ganz verstanden, was da an Neuem geschieht.

Wir erleben hier die Geburtsstunde der Weltreligion Christentum. Der römische Centurio Kornelius ist der erste nichtjüdische Christ. Und hier beginnt, was Paulus später mit seiner Missionstätigkeit erfolgreich fortsetzt. Die vielen Gottesfürchtigen im Umfeld der Synagoge können nun richtig dazugehören, ohne sich beschneiden lassen zu müssen, ohne die jüdischen Speisegesetze zu halten, die sie von der Umwelt isolieren.

Es muss ein ausgesprochen schwieriger Prozess gewesen sein für die frühen Christinnen und Christen. Sie entdecken, dass Jesu Botschaft für die ganze Welt gilt. Für Juden und Nichtjuden gilt die Verheißung: Taube hören, Lahme gehen, Blinde sehen und Unterdrückte hören die Botschaft von der frohmachenden Befreiung.

Was da mit Jesus Neues begonnen hat, geht alle an, ist für alle, kann alle befreien und erneuern und verändern und heilen. Wir merken der Bibel an, wie tastend die Worte hier gesucht wurden für das Neue, das entstanden war, für die neuen Begegnungen und die neue Gemeinschaft.

Der Gott, der nicht parteilich ist, will Menschen erfassen und verändern, so dass wir andere Menschen, die uns bisher fremd waren, nicht nur tolerieren, sondern neugierig auf sie sind und zu fruchtbaren Begegnungen bereit sind. Viele solcher Begegnungen wünsche ich Ihnen in den kommenden Wochen.

Ihr Pfarrer Michael Busch

zum Seitenanfang   Übersicht der Themen   blättern