ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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22.5.2019

Förderkreis Alte Kirchen

Eva Gonda

Das Herz eines Dorfes ist immer noch seine Kirche. Kirchen sind Gebetshäuser, weithin sichtbare Orientierungspunkte, architektonische Solitäre, Identifikationspunkte, Räume des sozialen Miteinanders und Zeugen des kulturellen Selbstverständnisses einer Gemeinschaft.

Brandenburg hat ca. 1400 Kirchengebäude. Die meisten davon stehen in – oftmals recht kleinen – Dörfern. Der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e.V. (FAK) hat sich zur Aufgabe gesetzt, Erhaltung, Instandsetzung und Nutzung der Kirchenbauten zu fördern. Er wurde 1990 als gemeinnütziger und ehrenamtlich tätiger Verein gegründet. Er ist kirchlich unabhängig und denkmalpflegerisch orientiert. Der Förderkreis arbeitet ohne öffentliche Zuschüsse und finanziert seine Arbeit ausschließlich aus Spenden, Mitgliedsbeiträgen, dem Verkauf eigener Publikationen und den Erlösen eigener Veranstaltungen.

Der FAK hat (Stand September 2008) 439 Mitglieder (336 persönliche Mitglieder, 86 Vereine, 10 Kirchengemeinden bzw. -kreise und 7 Firmen). Wolfgang Thierse, Vizepräsident des Bundestages, ist Schirmherr des Förderkreises Alte Kirchen.

Die Dorfkirche von Birkholz

Wer Geschichte vieler Jahrhunderte nachvollziehen will, wer Beispiele für Gottvertrauen in schwerer Zeit und Zuversicht in einen Neuanfang sucht, der mache sich auf den Weg zur kleinen Dorfkirche von Birkholz im Barnimer Land, gar nicht weit entfernt von Berlins nördlicher Stadtgrenze.

Der Besucher wird zunächst verblüfft sein, denn das Kirchlein gibt es nur zur Hälfte: vom einstigen Turm nur die Glocken, zwei von ihnen auf einem Gerüst neben dem Gotteshaus; vom Kirchenschiff eine – jetzt mit flachem Glasdach gesicherte – Ruine; als heutiger Gottesdienstraum einzig der gerettete Chor mit seinen Narben. Zentrum dort ist ein golden strahlendes Kreuz. Einst hatte es von der Turmspitze weit ins Land hinaus von christlicher Gemeinde in Birkholz gekündet.

Die Kirche war in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts aus Feldsteinen auf dem Dorfanger errichtet worden, hatte im Laufe der Zeit manche Unbilden standhaft überdauert. Als 1827 der Turm abbrannte, bauten ihn die Birkholzer bald wieder auf. Auch die vielen Kriegswirren hatte das Gotteshaus fast unbeschadet überstanden. Das große Unheil kam erst, als der letzte Krieg schon Jahre vorbei war. Die Kirche, für deren Erhalt in DDR-Zeiten keine Mittel zur Verfügung gestellt wurden, verfiel allmählich. Als sich der Turmhelm neigte, war das den Behörden ein willkommener Anlass: Im Oktober 1972 wurde der Turm gegen alle Proteste der Birkholzer gesprengt, und zwar so, dass die ins Schiff stürzenden Trümmer fast alles vernichteten. Der Schutt des fünfhundert Jahre alten Kreuzrippengewölbes begrub das Inventar unter sich, nur der Chor blieb halbwegs verschont. Vor der Sprengung war der Gemeinde noch versichert worden, dass am Kirchengebäude kein Schaden entstehen würde.

Dann wurde geplündert: Kronleuchter, Altarbild, selbst Fußbodenfliesen und sogar die Kanzel von 1681 mit ihren prächtigen Holzschnitzereien landeten in dunklen Kanälen. Als das Turmkreuz aus den Trümmern gescharrt worden war, sollte es verschrottet werden. Es war bereits für die Buntmetallsammlung zersägt worden, bevor es von einer Birkholzer Familie klammheimlich in Sicherheit gebracht und zu Hause versteckt werden konnte.

Nun steht das Kreuz also golden leuchtend auf dem Altar, kündet von der jüngsten Geschichte der Birkholzer Kirche und will auch Symbol der Zukunft sein. Gleich nach der Wende machten sich unverzagte Optimisten an die Sicherung und Restaurierung ihres Gotteshauses. Am Heiligen Abend 1992 konnte der erste Gottesdienst im noch unfertigen Altarraum stattfinden. Im gleichen Jahr hatte sich ein Förderverein gegründet, dem es um die Wiederherstellung und die Instandhaltung des denkmalgeschützten Gotteshauses geht und der mit diesem Anliegen viele Mitstreiter am Ort und darüber hinaus gewann. Dafür müssen Ideen her, und die wurden gemeinsam gefunden. Längst gibt es attraktive Angebote für anspruchsvolle Veranstaltungen, deren Erlöse dem guten Ziel dienen.

Für sein fundiertes Nutzungskonzept hatte der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg dem Birkholzer Verein gleich nach seiner Gründung ein Startkapital als Anschubfinanzierung zugesprochen. Er förderte auch die Restaurierung der 300 Jahre alten Kanzeltafeln, die ganz zufällig in einem Abstellraum wiedergefunden wurden. Heute schmücken sie nach ihrer aufwändigen Restaurierung wieder den Chorraum dort, wo einst die Kanzel stand.

Das Kreuz auf dem Altar wartet nun darauf, später wieder auf der Turmspitze davon zu berichten, dass Gottvertrauen, Zuversicht und Engagement Trümmerberge versetzen und Türme errichten können.

Eva Gonda
Fotos: Wolf-Rainer Marx

Website des Förderkreises Alte Kirchen: www.altekirchen.de