ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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22.7.2019

Selbstgespräch beim Ego-Shot

von Simon Bergmoser

Klick. Das Spiel beginnt. Ich renne los. Das Einzige, was ich von meinem Charakter sehe, ist seine Waffe. Ich wähle die Karte: Death Match – Todes Spiel. Es geht um alles oder nichts.

Oder? Ich fange an, Treppen in einem Wahnsinnstempo hochzustürmen, komme kaum hoch, und schon erwischt mich eine Rakete. Tja. Klicken Sie, um weiterzuspielen. Ich klicke, und schon lebe ich wieder. Anfangs habe ich nur eine einfache Schnellfeuerpistole, eine normale Pistole wäre ja viel zu langsam. Es wäre ja auch ungerecht, mit so ’ner lahmen Knarre den Raketenwerfern und radioaktiven Strahlenwerfern begegnen zu müssen. Damit ich aber überhaupt Schaden mache, muss ich erstmal ein bisschen Adrenalinpillen schlucken oder bessere Waffen aufnehmen, indem ich durch sie durch renne. Es muss alles super-schnell gehen. Keine Zeit für Taktik. Drauflosschiessen ist hier gefragt. Was mache ich, wenn die Munition alle ist? Pech, dann geh ich halt drauf, klicke, werde wiedergeboren und muss wieder von vorne anfangen. Wirklich passieren kann mir ja nix. Die Bots im Rechner beschweren sich weder, noch können diese Schüsse aus meinem Monitor entweichen.

Oder? Plötzlich wird das Spiel angehalten, und da steht: Virus hat gewonnen. Das bin ich nicht. Er hatte einen Killcount, er war der Erste, der 20 umgebracht hatte. Ich sehe keinen Diecount. Wie oft ich sterbe, ist egal. Wie oft ich andere umbringe, scheint hier das Entscheidende zu sein. Ich kriege noch eine Chance im nächsten Match.

Dann fängt der Schwachsinn wieder von vorne an: Laufen, Waffe krallen, rumballern. Das Tempo des Spiels lässt mich mitfiebern, und die Musik im Hintergrund stachelt mich an. Alt+F4 ist da meine Lösung, als mir klar wird, dass die Schüsse der verrückten Waffen meinen Monitor zwar nicht verlassen können, aber dass dieses wahnsinnige Gemetzel doch irgendwie seinen Weg in meinen Verstand findet. Ich werde besser beim Töten. Klar, dass ich da noch ein bisschen weiterzocke. Irgendwann kommt dann endlich die Belohnung: Sie haben das Spiel gewonnen.

Was habe ich dabei aber wirklich gewonnen? Was habe ich jetzt und hier direkt davon, allein an meinem PC zu sitzen und "gewonnen" zu haben? Ich freue mich nicht mal wirklich. Kein Lachen. Kein Jubeln, einfach nur ein Drang weiterzuspielen. Das Spiel lädt pflichtbewusst nämlich gleich die nächste Karte. Ich habe in der letzten Dreiviertelstunde erfolgreich getötet. Ich habe den höchsten Killcount gehabt, toll. Was bringt mir das? Wer wird sich an mich erinnern und sagen: Cool, er hat das Spiel besiegt? Denn ich habe verloren. Das Einzige, was ich gewonnen habe, ist die Erfahrung, dass so ein Mist reine Zeitverschwendung ist.

Simon Bergmoser (18)