Evangelische Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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10.12.2019

Zum 250. Todestag Georg Friedrich Händels

von Torsten Lüdtke

An oil painting of George Frideric Handel by Thomas Hudson

Vor 250 Jahren, am 14. April 1759 starb in London Georg Friedrich Händel; am 20. April wurde der Komponist unter der Anteilnahme unzähliger Einwohner Londons, die dem Trauerzug folgten, in der Londoner Westminster-Abtei beigesetzt. Der 250. Todestag ist Anlaß, an den Komponisten zu erinnern.

Am 23. Februar 1685 wurde in Halle an der Saale, im Haus Große Nikolaistraße 5, dem wohlhabenden Amtschirurg von Giebichenstein und fürstlich sächsischer und kurfürstlich brandenburgischer Leibchirurg Georg Händel (1622-1697) und seiner zweiten Frau Dorothea (1651-1730) ein Sohn geboren, der am Tag darauf in der Marktkirche zu Halle auf den Namen Georg Friedrich getauft wurde.

Das Geburtshaus in Halle

Über die Jugend Georg Friedrich Händels ist wenig bekannt, und das wenige, was bekannt ist ungesichert und anekdotenhaft.

So soll Händel im Jahr 1693 oder 1694 mit seinem Vater an den Hof Herzog Johann Adolfs von Sachsen-Weißenfels gefahren sein, der sich bei dieser Gelegenheit für eine musikalische Ausbildung des Sohnes verwendet haben soll. Bald darauf soll Händel vom Organisten der Hallenser Marktkirche, von Friedrich Wilhelm Zachow Unterricht erhalten haben.

Aus der Zeit um 1700 datiert die früheste überlieferte und einigermaßen datierbare Komposition Händels, die Sonate für zwei Violinen und basso continuo in g-Moll (HWV 387, das Autograph ist verschollen). In der Central Public Library zu Manchester befindet sich eine Abschrift, auf dieser die Bemerkung von Ch. Jennens: "composed at the age of 14".

1701 traf Händel zu ersten Male mit Georg Philipp Telemann in Halle zusammen. Telemann befand sich auf dem Weg nach Leipzig, wo er das Studium der Rechte aufzunehmen gedachte. Mit diesem Besuch in Halle begann eine lebenslange freundschaftliche Verbindung zwischen beiden Komponisten.

Am 10. Februar 1702 wurde Händel in die Matrikel der 1694 gegründeten Universität seiner Vaterstadt eingetragen. Gemäß dem Wunsch seines verstorbenen Vaters nahm Händel das Studium der Rechtwissenschaften auf, ohne jedoch von seinem Wunsch, Musiker zu werden, abzulassen. Am 13. März kam er diesem Ziel einen Schritt näher, Händel wurde als Organist bei der reformierten Domgemeinde in Halle angestellt.

Der musizierende Student reiste 1702 oder 1703 nach Berlin, wo er am Hof von König Friedrich I. in Preußen (bis 1701 Kurfürst Friedrich III. Von Brandenburg) mit den berühmten italienischen Musikern Attilio Ariosti und Giovanni Bononcini zusammentraf. Die Umstände der Reise selbst sowie der Zeitpunkt, zu dem sie stattgefunden haben könnte, sind umstritten.

Im Frühjahr des Jahres 1703 siedelte Händel nach Hamburg um, wo er die nächsten drei Jahre bleiben sollte. An der Oper am Gänsemarkt war Händel zunächst als Geiger, später dann auch als Cembalist angestellt, daneben erteilte er Musikunterricht und komponierte Kammermusik.

Der junge Händel

Am 9. Juli 1703 kam es auf der Orgelempore der Hamburger Magdalenenkirche zum ersten Zusammentreffen zwischen Händel und Johann Mattheson, der ebenso wie Händel Musiker war und auch Orgel spielte. Im August reisten Händel und Mattheson schließlich gemeinsam zu Dietrich Buxtehude nach Lübeck, um den bewunderten Künstler und sein virtuoses Spiel kennen zu lernen. Die Freundschaft der beiden Künstler blieb jedoch nicht lange ungetrübt: am 5. Dezember kam es zwischen Händel und Mattheson zu einem Duell vor dem Theater auf dem Gänsemarkt. Eifersüchteleien und die Weigerung Händels, Mattheson während einer Aufführung seiner Oper "Die unglückliche Cleopatra" und nach seinem Auftritt auf der Bühne als Antonius den Platz am Cembalo einzuräumen, waren dem Duell vorausgegangen. Vor den Augen der erstaunten Opernbesucher kreuzten schließlich Komponist und Kapellmeister die Klingen.

Rund drei Wochen später waren die zerstrittenen Freunde wieder versöhnt; gemeinsam besuchten sie am 30. Dezember eine Probe von Händels erster Oper "Almira" (HWV 1), die am 8. Januar 1705 im Theater am Gänsemarkt uraufgeführt wurde. Knapp zwei Monate später wurde "Nero" (HWV 2), Händels zweite Oper, in Hamburg aufgeführt.

Wohl auf Einladung eines Mitglieds der Familie Medici (Gian Gastone de Medici?) reiste Händel im Herbst 1706 nach Florenz. Bis zum Frühjahr 1710 blieb Händel in Italien; von Florenz aus führte ihn sein Weg nach Rom, Neapel und Venedig. Im Januar 1707 kam Händel nach Rom, wo er vor den Kardinälen Carlo Colonna, Benedetto Panfili und Pietro Ottoboni sowie dem Fürsten Francesco Ruspoli während der unter den Namen "academia" oder "conversatione" wöchentlich stattfindenden gesellig-künstlerischen Veranstaltungen auftrat. In Rom konnte er auch die Bekanntschaft u. a. mit den führendene italiensichen Musikern wie Arcangelo Corelli, Alessandro und Domenico Scarlatti, auch Agostino Steffani machen. In Italien entstanden zumeist geistliche und weltliche Kantaten, die dem zeitgenössischen italienischen Geschmack huldigten. Im Frühjahr: 1710, wohl Ende Februar/Anfang März, reiste Händel von Venedig aus über Innsbruck nach Hannover.

Am 4. Juni 1710 erreichte Händel Hannover. Knapp vierzehn Tage später ernannte der Kurfürst von Hannover Händel zum Kapellmeister.

Ende November oder Anfang Dezember kam Händel nach London, wo er erste Bekanntschaften , u. a. mit John Heidegger, einem der Direktoren der Oper am damaligen Haymarket Theatre, oder Aaron Hill, dem Übersetzung des Rinaldo-Librettos, machte.

Vom Frühjahr 1713 an hielt sich Händel für mehrere Jahre im Umkreis von Richard Boyle, dem dritten Earl of Burlington, in Piccadilly auf. Hier machte er auch die Bekanntschaft von Schriftstellern und Philosophen wie John Gay, Alexander Pope oder John Arbuthnot.

Georg Friedrich Händel (1733)

Die Mutter des jungen Grafen, eine Kammerfrau der Königin, mag Händels Einführung am Hofe unterstützt haben. Die Einladung zu diesem Aufenthalt erging wahrscheinlich zu einem ziemlich frühen Zeitpunkt in diesem Jahr an Händel. (Die Angaben über den Beginn des Aufenthaltes schwanken zwischen 1712 und 1716.) Spätestens aber im Sommer 1717 verließ Händel Burlington-House.

Bis zum Februar 1727 hatte Händel als preußischer Staatsbürger in England gelebt; nun änderte sich seine Situation in England grundlegend: Nach einem Antrag an das House of Lords auf Naturalisierung als englischer Staatsbürger wird Händel durch König Georg I. als britischer Staatsbürger neutralisiert. Schließlich wird Händel aufgrund der Komposition des Krönungsanthems als "Composer of Music for the Chapel Royal" verzeichnet.

In den dreißiger Jahren entstehen viele seiner bekanntesten Opern und Oratorien, so die Opern "Serse" und "Imeneo" sowie die Oratorien "Saul" und "Israel in Egypt" . Zwischen dem 22. August und dem 14. September 1741 entsteht das Oratorium "The Messiah" (HWV 56), das am 13. April 1742 in der Music Hall der Fishamble Street in Dublin uraufgeführt wurde. Im März 1743 fand die erste Londoner Aufführung des "Messias" im Covent Garden Theatre statt.

Handels "Fireworks"

Ende der vierziger Jahre des 18. Jahrhunderts steht Händel auf dem Zenith seines Ruhmes; sein Oratorium "Judas Maccabaeus" (HWV 63) und die anläßlich des Friedens von Aachen komponierte "Music for the Royal Fireworks" (HWV 351) festigten seinen Ruhm.

Nach zeitweiliger Besserung verschlechterte sich Händels Sehkraft ab 1753 erheblich; doch gibt es eindeutige Anzeichen dafür, daß Händel nicht völlig erblindete. In den letzten Lebensjahren ließ die Schaffenskraft Händels nach; zudem unterzog sich Händel verschiedenen verzweifelten Versuchen, sein Augenlicht wiederzugewinnen.

Am Karsamstag, dem 14. April 1759 starb Händel in London.

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