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19.1.2019

Volksentscheid am 26. April: Was kann Religionsunterricht?
Berliner entscheiden am 26. April über die Einführung eines Wahlpflichtfaches Ethik/Religion

Von Martin Spieckermann

Volksentscheid

In einem Volksentscheid haben alle wahlberechtigten Berlinerinnen und Berliner die Chance, über die Einführung eines Wahlpflichtfaches Ethik/Religion am 26. April 2009 abzustimmen.

Wenn mindestens ein Viertel der Abstimmungsberechtigten, 610000, mit Ja stimmt, ist der Volksentscheid erfolgreich und das Landesschulgesetz muss geändert werden.

Erstmals ist es bei einem Volksentscheid in Berlin möglich, unbürokratisch und ohne Angabe von Gründen Briefwahl zu beantragen.

Dies geht nicht nur durch die Rücksendung der Wahlbenachrichtigung, die ab 24. März vom Landeswahlleiter an alle stimmberechtigten Bürger verschickt wird. Es ist auch möglich, selbst schriftlich, per E-Mail oder über die Internetseite des Landeswahlleiters ( www.wahlen-berlin.de) die Briefwahlunterlagen zu beantragen.

Die Briefwahl ist besonders für ältere Mitbürger eine gute Möglichkeit, sich an der Abstimmung zu beteiligen. Dies gilt umso mehr, weil der Senat auch bei diesem Volksentscheid die Anzahl der Wahllokale drastisch reduzierthat, was oftmals zu längeren Wegstrecken führt.

Mitte Februar hat Berliner Bildungssenator Jürgen Zöllner unterstellt, nur der Ethikunterricht könne Kindern und Jugendlichen unterschiedliche Standpunkte vermitteln. Dadurch würde ihre Integrationsfähigkeit gefördert. Der Religionsunterricht spalte dagegen die Schulklassen.

Es wird deutlich: Wir befinden uns in einem bildungspolitischen Wahlkampf im Blick auf die Wertevermittlung. Die eigentliche Aufgabe, jungen Menschen eine Grundlage für eigenverantwortliches Handeln zu verschaffen, gerät in dieser öffentlichen Auseinandersetzung in den Hintergrund.

In ihren Bildungsthesen hat die Kirchenleitung der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg 1994 ihre Mitverantwortung für die öffentliche Bildung formuliert.

Sie ist der Überzeugung, dass der schulische Bildungsauftrag nur durch eine Balance von Wissensvermittlung und Lebensorientierung gelingen kann. Indem Kinder und Jugendliche Lehrerinnen und Lehrer mit gelebten Überzeugungen begegnen, entsteht für sie die Möglichkeit, eigene Überzeugungen zu entwickeln. Dies ist die Aufgabe des Religionsunterrichtes. Der Rahmenlehrplan Religion übernimmt das Konzept staatlicher Rahmenpläne für schulische Fächer, die auf Sachfragen ebenso ausgerichtet sind wie auf das methodische Lernen und die persönliche Bildung. Kinder und Jugendliche setzen sich nach dem Rahmenlehrplan mit Grundfragen menschlicher Existenz sowie der Frage nach Gott und der Welt auseinander: Wer bin ich? Wozu bin ich da? Was war am Anfang? Was kommt nach meinem Ende? Was ist Leben? Warum gibt es Leid? Was ist Wahrheit? Worauf ist Verlass? Wie komme ich mit anderen zurecht? Worauf darf ich hoffen? Was sollen wir tun?

Die Schülerinnen und Schüler lernen, biblische Texte und Glaubenszeugnisse früherer Zeit mit modernen Bekenntnissen in Beziehung zu setzen. Dabei treten auch Bilder und Musik, andere Religionen ebenso in den Blick wie nicht religiös geprägte Lebenshaltungen. An Kinofilmen, der Werbung, in der Literatur und der Philosophie werden diese Fragen diskutiert und mit den aktuellen Lebensbezügen interpretiert. Natürlich beinhaltet der Unterricht auch die Kirchenarchitektur und die Liturgie evangelischer Gottesdienste.

Insgesamt legt der Rahmenlehrplan seinen Schwerpunkt auf die Begegnung und Kenntnisvermittlung von biblischer Tradition und Entwicklung des Christentums, wobei andere Weltreligionen und Weltdeutungen einbezogen werden. Das soll Kinder und Jugendliche dabei fördern, sich in einer religiös pluralen Welt auszukennen und einen eigenen religiösen Standort zu gewinnen. So wird Dialogbereitschaft eröffnet und ethisch verantwortliches Handeln ermöglicht.

(aus: EKBO EXTRA Ausgabe Frühjahr/Ostern 2009)

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