ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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22.3.2019

"Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür?"
Gedanken zum Osterfest

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Am Anfang war kein Jubel, war keine Osterfreude. Am Anfang war Angst und Schrecken.

Was sich da ereignet hat, das war für die drei Frauen, die am Ostermorgen zum Grab kamen, nicht zu begreifen.

Im Grab saß ein junger Mann im weißen Kleid und erklärt: "Entsetzt euch nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier. Sagt es allen weiter. Er erwartet euch in Galiläa!" Aber, nichts dergleichen taten sie, sondern sie liefen in panischer Angst davon. Nichts in dieser Geschichte führt zum jubelnden Bekenntnis: Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden! Alles verliert sich in erschreckter Sprachlosigkeit: "Und sie sagten niemand etwas, denn sie fürchteten sich!"

So, wie der Evangelist Markus (16, 1-8) es berichtet, ist dieses Ereignis gut vorstellbar. Furcht, Erschrecken und Flucht sind eine vollkommen verständliche Reaktion auf die Erfahrung, die die drei Frauen machten, weil das, was sie erlebten, alle Vorstellungen sprengte und weit über jeden menschlichen Horizont hinausging.

Denn für unseren Verstand gilt: Wer tot ist, ist tot! Am Tod gibt es nichts zu rütteln, ein Getöteter kann nicht mehr leben. Und es ist für uns eben unverständlich, wie aus einem Tod neues Leben werden kann.

Nun aber erzählt der Glaube eine Gegengeschichte: Wenn Gott auf den Plan tritt, dann ist unser Verstand heilsam überfordert. Nichts, was wir denken können, passt dann mehr zusammen. Die Osterberichte sind letztlich nicht mehr als stammelnde Versuche, das Handeln Gottes zu begreifen. Und sie vermeiden dabei wohl sehr bewusst, das Ereignis der Auferstehung selbst zu beschreiben.

Und damit ist ausgedrückt, dass Auferstehung etwas anderes meint, als manche Erklärungsversuche und Phantasien es formulieren. Auferstehung ist nicht identisch mit dem Gedanken der Unsterblichkeit der Seele; Auferstehung ist nicht die Rückkehr eines Toten in sein irdisches Leben; Auferstehung ist nicht ein Leben nach dem Tod, das nur gedacht wird als unendliche Verlängerung des irdischen Lebens in Raum und Zeit.

All das ist weit entfernt von dem was uns die Evangelien als Auferstehung nahe bringen. Denn alle diese Vorstellungen nehmen die Realität des Todes nicht ernst, bleiben stehen im Raum- und Zeitbegriff unserer Welt, bleiben also in den engen Grenzen unserer Denkmöglichkeiten. Auferstehung aber ist gerade die Durchbrechung und Überwindung von Raum und Zeit, denn Gott handelt jenseits der Dimensionen, die für uns Menschen gelten.

Der Tod Jesu beschreibt die Wirklichkeit unseres Menschseins, denn gestorben ist er, wie auch wir alle sterben werden. Auferstehung meint eine neue Wirklichkeit, welche die Dimensionen des Menschseins völlig übersteigt und sprengt.

Die Frauen auf dem Weg zum Grab fragen sich: "Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür?" "Wer hilft uns zu unserem Herrn zu kommen, zu dem, der Gott auf dieser Erde repräsentierte?" "Wer hilft uns nun, mit Gott in Kontakt zu kommen?" Kein Mensch, kein Glaube, keine Frömmigkeit, keine Religion kann diesen Stein, der den Tod besiegelt, beiseite räumen! Und doch war der Stein plötzlich weg! Gottes Handeln durchbricht die Bedingungen, denen wir unterliegen. Der Tod ist für Gott keine Grenze. Aber für unseren kleinen Menschenverstand einsehbar konnte das nur gemacht werden, in dem Gott an einem Menschen dies exemplarisch zeigte: an der Auferstehung des Jesus von Nazareth.

Am Ende bringt erst die Begegnung mit dem Auferstandenen, mit dem, der lebt, obwohl er tot war, Bewegung in die Geschichte und weckt den Glauben der Jünger. Das leere Grab verursachte nur Angst und Schrecken.

Und so sind es bis heute auch die Begegnungen mit dem Lebendigen – mit lebendigen Menschen vor allem –, Erfahrungen der Auferstehung, die zum Christsein einladen. Erfahrungen also, dass Hoffnung über Furcht und Erschrecken hinweg trägt.

Und wenn wir wissen wollen, wo sich solche Erfahrungen machen lassen, lohnt ein Blick auf das Ende der Ostergeschichte, wie sie der Evangelist Markus erzählt. Die Jünger und Petrus erhalten die Weisung nach Galiläa zu gehen, dort werden sie ihn sehen. Galiläa, das ist ihr Zuhause, ihre Heimat, das ist die Banalität des Alltags, der Trott und die Routine, das ist Familie und Beruf.

Also, nicht in extravaganten Events, nicht in ekstatischen Erlebnissen, nicht in der Ausnahmesituation, sondern im Klein-Klein des täglichen Geschäfts, da ereignet sich die Begegnung mit dem Auferstandenen, da wird Auferstehungskraft wirksam, da begegnet das Leben, das von Gott kommt.

Mögen wir viele dieser befreienden Ostererfahrungen machen! In diesem Sinne wünsche ich Ihnen frohe und gesegnete Ostertage

Ihr Pfarrer Michael Busch