ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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26.3.2019

Monatsspruch März 2009

von Pfarrerin Susanne Peters-Streu

Ich erinnere mich an eine Comiczeichnung auf der Rückseite eines Jugendbuches, wo es genau um dieses Gebot ging. Ein kleiner Fuchs im Gespräch über den Satz: 'Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.' Die letzte Zeichnung zeigt den kleinen Fuchs, wie es in großer Verzweiflung aus ihm heraus schreit: "Ich hasse mich!!!!".

Ja was nun? Wie ist das mit der Nächstenliebe, der Selbstliebe und der Gottesliebe?

Liebe deinen Nächsten wie dich selbst, dieses Wort ist so vertraut und bekannt. Ja, so soll es sein unter den Menschen, – oder muss ich eher sagen, so sollte es sein unter uns Menschen?

Zum Glück ist es hier und da ja so, dass Menschen aufeinander Acht haben, dass sie nicht nur an sich selber denken, dass sie nach dem Nächsten schauen und wissen, wer der Nächste ist und nicht verblüfft fragen: 'Ja wer ist denn mein Nächster?'

Es gab einen, der wollte mit Jesus darüber diskutieren, erst fragt er: 'Was muss ich tun, damit ich das ewige Leben ererbe?' Er fragt nach Gott, und seiner Gerechtigkeit, Liebe und nach der Ewigkeit. Also: Was muss ich tun, damit mein Leben gelingt, damit es Sinn macht, dass ich lebe?

Und Jesus antwortet und fragt: 'Was sagt die Bibel? Du weißt doch die Antwort!' Der Schriftgelehrte darauf: "Du sollst Gott lieben von ganzem Herzen, von ganzem Gemüt und von all deiner Kraft – und deinen Nächsten wie dich selbst."

"Tue das, so wirst du leben! So wird dein Leben gelingen," klar, knapp und deutlich ist Jesus in seiner Antwort.

"Wer ist denn mein Nächster?"

Da hat Jesus einen vor sich, der gern redet, sich vielleicht auch gern raus redet. Jedenfalls will er nicht so gern auf sein eigenes Leben schauen, ob es da etwas zu tun gäbe. Und so fängt Jesus an zu erzählen von dem, der unter die Räuber gefallen ist und nun im Straßengraben liegt. Er erzählt von denen, die an ihm vorüber gehen und von dem einen, von dem der aus Samarien stammt, dem Fremden, der stehen bleibt und hilft und versorgt und sich kümmert. Dieser zeigt wahre Nächstenliebe. Er grübelt nicht nach, wer sein Nächster sei. Er geht auch nicht mit einem großen Geschenkesack durch die Welt, aber dort, wo einer Not leidend ihm im Weg liegt, wird er ihm zum Gefährten, Helfer, solidarischer Mitmensch, eben "Nächster"!

Das ist schon alles und doch, wenn es leicht wäre und selbstverständlich, dann müsste die Welt doch besser aussehen.

Eine Geschichte möchte ich Ihnen mit auf den Weg geben aus "Wege entdecken", Joachim Feige Hg.

"Als ich mit einem Freund im Gebirge im Schneesturm wanderte, sah ich einen Mann, der im Schnee den Abhang hinuntergestürzt war. Ich sagte: "Wir müssen hingehen und ihm helfen." Er erwiderte: "Niemand kann von uns verlangen, dass wir uns um ihn bemühen, während wir selber in Gefahr sind, umzukommen." "Immerhin," antwortet ich, "wenn wir schon sterben müssen, ist es gut wir sterben, während wir anderen helfen." Er wandte sich ab und ging seines Weges. Ich stieg zu dem verunglückten Mann hinunter, hob ihn mühsam auf meine Schultern und trug ihn bergan. Durch diese Anstrengung wurde mir warm, und meine Wärme übertrug sich auf den vor Kälte steifen Verunglückten. Unterwegs fand ich meinen früheren Begleiter im Schnee liegen. Müde wie er war, hatte er sich niedergelegt und war erfroren. Ich hatte einen Menschen retten wollen, aber ich rettete mich selbst."

"Mtu ni Watu" – "Der Mensch, das sind die Menschen," sagt man in Tanzania. Mein Menschsein vollzieht sich in der Beziehung zum Anderen/zur Anderen. Dass ich in meinem Herzen weiß, er/sie ist wie ich, ängstlich und stolz, begabt und voller Fehler. Er/Sie ist voll Sehnsucht nach Geborgenheit und Anerkennung, ein Mensch mit Würde. Er/Sie ist wertvoll, wir sind Geschöpfe Gottes, wir sind zu seinem Ebenbild geschaffen.

Ihnen verbunden

Pfarrerin Susanne Peters-Streu