ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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17.1.2019

Sind Sie ganz Ohr?

von Pfarrerin Ulrike Felmy, Schwerhörigenseelsorgerin der EKBO

Stellen Sie sich einmal vor, Sie machen Urlaub in einem Land, dessen Sprache Sie nicht verstehen und es gibt keinen Übersetzer in Ihrer Nähe. Sie fühlen sich bald unsicher und dann auch von den Gesprächen der anderen ausgeschlossen. Mit diesem Gefühl leben Menschen mit Hörminderung, denn für sie ist jede Form des Hörens, jede Theatervorstellung oder Musikdarbietung, jeder Gottesdienstbesuch oder der Besuch einer Gruppe von Verständnisschwierigkeiten getrübt. Das Verstehen der Mitmenschen ist besonders beeinträchtigt, jede Unterhaltung enthält unzählige Tücken, die Guthörende kaum nachvollziehen können.

Nur wer sich vergegenwärtigt, was unser Gehör alles leistet, kann ermessen, welche Probleme Schwerhörige tagtäglich meistern müssen.

Unsere Ohren arbeiten rund um die Uhr, ohne Pause und können 400 000 verschiedene Töne unterscheiden. Im Laufe unseres Lebens lässt unser Hörvermögen jedoch meist nach, so sind in Deutschland ca 30% der 60-Jährigen, aber schon 50% der 75-Jährigen von einer Schwerhörigkeit betroffen. Und die Anzahl der Hörschädigungen bei jungen Leuten steigt rasant an. Erstaunlich ist, dass die Versorgung mit Hörgeräten gerade in Deutschland mangelhaft ist, so tragen von 14 Millionen Schwerhörigen nur 3 Mill. ein funktionierendes Hörgerät.

Das hat verschiedene Gründe: Der Abschied von den Tönen und Geräuschen vollzieht sich meist langsam, oft schleichend und wird häufig zunächst von anderen festgestellt.

Besonders ältere Menschen wollen ihre Einschränkung lange nicht wahrhaben und machen andere Faktoren für ihr schlechtes Verstehen verantwortlich: "Die anderen nuscheln, alle reden durcheinander, es ist so laut etc." Häufig ist es ein jahrelanger Prozess, bis sich der Betroffene seine Hörbehinderung eingesteht und ein Hörgerät akzeptiert.

Immer wieder klagen schwerhörige Menschen auch darüber, dass sie im Gottesdienst ihrer Gemeinde nicht mehr zurecht kommen, sie fühlen sich durch ihre Hörminderung unwohl und ausgegrenzt. Was sollen sie in einem Gottesdienst, der ihnen statt Zuversicht und Trost zu spenden, ihr Ausgeschlossensein und nicht Dazugehören nur noch deutlicher vor Augen führt? Wenn das gesprochene oder gesungene Wort nur fragmentarisch verstanden werden kann, dann bleiben Schwerhörige lieber isoliert und resigniert zu Hause, als sich mit dieser Erfahrung immer wieder die Defizite ihres Hörens vorzuführen.

Auch in den gemeindlichen Kreisen, in denen sie oft jahrzehntelang beheimatet sind, haben sie Probleme, an der Kommunikation teilzunehmen und ziehen sich leider oft frustriert und traurig aus dem Gemeindeleben zurück. Das muss aber nicht so sein.

In der Gemeinde Petrus-Giesensdorf gibt es einiges an unterstützender Technik, die Schwerhörigen hilft, besser zu hören und zu verstehen.

Die Petruskirche verfügt über eine Induktionsanlage, das ist die am weitesten verbreitete Höranlage für Schwerhörige. Sie können ihr Hörgerät auf T umstellen und empfangen dann das gesprochene Wort direkt in die Telefonspule ihres Hörgerätes. (Eine Lautsprecheranlage verstärkt auch alle störenden Nebengeräusche und ist für Schwerhörige kaum eine Verstehenshilfe.)

Es sind gar nicht so viele Dinge, auf die man achten muss, um Schwerhörigen und Guthörenden das Miteinander in Kirche und Gemeinde zu erleichtern.

Und deshalb möchten wir Sie zu einem speziellen Gottesdienst einladen, bei dem wir uns bemühen, alles zu beachten, was Ihnen das Hören erleichtert.

Herzliche Einladung zum Gottesdienst für Schwerhörige und Guthörende am 15. März um 11 Uhr in der Petruskirche

Der Seniorengeburtstag am 18. Februar im Gemeindehaus Ostpreußendamm wird sich ebenfalls mit dem Thema Hören beschäftigen und Ihnen Informationen zu Schwerhörigkeit und anderen Fragen geben.

Ich freue mich auf den Besuch in der Gemeinde Petrus-Giesensdorf

Pfarrerin Ulrike Felmy,
Schwerhörigenseelsorgerin der EKBO