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16.1.2019

Monatsspruch Februar 2009

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Das Leben kann mit einer Fahrt in einem Boot oder Schiff verglichen werden. Da kann es fröhlich und unbeschwert zugehen. Glatte See, Sonne, genügend Proviant, eine freundliche Mannschaft. Ob es auf einer Fähre in der Nordsee ist, auf einem Ausflugsdampfer vor Usedom oder in einem Kajak in Schweden... – Bei schönem Wetter ist es eine Freude, auf dem Schiff oder im Boot zu sein und das Leben in vollen Zügen zu genießen.

Dass die See nicht immer glatt ist, wissen wir. Manchmal schlägt uns die Gischt ins Gesicht und die Wellen schwappen ins Boot. Selbst auf einem großen Schiff spürt man die raue See, und wer den Seegang nicht gewohnt ist und einen empfindlichen Magen hat, der spürt schnell die Grenzen der eigenen Seetauglichkeit. Manchmal fördern solche Seereisen auch Skurriles zutage: Auf der Titanic spielte die Kapelle selbst dann noch, als das Schiff schon sank.

Es ist nicht immer leicht Kurs zu halten. Und wenn es ganz heftig kommt, laufen Schiffe manchmal auch auf Grund oder sinken im Sturm.

Auf dem so harmlos scheinenden See Genezareth konnte es auch ganz schön stürmisch zugehen. Die Jünger Jesu, größtenteils gelernte Fischer, wussten das. Vielleicht fühlten sie sich sicher, als sie eines Tages auf den See fuhren, denn Jesus, ihr Herr und Meister war mit im Boot. Und dann geschah es doch, was niemand für möglich hielt: Ein Sturm kam auf, Lebensgefahr!

Und – was für ein Bild – da liegt Jesus mitten in den tobenden Elementen im Boot und schläft! Aus der Distanz betrachtet, sagen wir vielleicht: Was für ein Bild des Vertrauens in Gott! Für die, die in Gefahr sind, die im Boot sitzen, ist es aber ein Bild des Entsetzens: Der wird nichts tun. Der hält sich heraus! Wir sind ganz auf uns gestellt. Verloren. Der lässt uns umkommen!

Die Bibel lässt nichts aus an menschlichen Erfahrungen. Sie zeichnet die Jünger nicht als Glaubenshelden. Sondern so, dass wir uns in den erschreckten Gesichtern wieder erkennen können.

Wo bist du, Gott? So werden sie auf der Titanic gebetet haben. So beten Menschen, wenn sie von einer schlimmen Krankheit erfahren, wenn die Stürme des Lebens über uns hinwegziehen.

In der Situation der Gottesferne wissen die Jünger sich keinen anderen Rat, als ihren schlafenden Herrn zu wecken, der sie unberührt von diesen Ereignissen fragt: "Wo ist euer Glaube?" Ist euer Vertrauen, dass Gott euch hält und begleitet, so gering?

Diese kurze Wundergeschichte blickt uns recht tief in die Seele. Ja, es ist richtig: Wir rufen nach Gott in der Not. Aber da ist auch die Kehrseite des Glaubens mit dem Wunsch, von Gott unbehelligt zu sein.

Ist die Geschichte denn nun wahr? Hilft Gott so? Wenn wir das Wunder, wie Jesus den Sturm stoppt, ganz wörtlich auf uns übertragen, dann können wir wohl nur vorsichtig antworten: Ja – manchmal. Manchmal gibt es solche Momente: Gott sei Dank! Da war er da, hat seine Hand dazwischen gehalten. Das gibt es. Aber es gibt keine Garantie, keinen Anspruch darauf, dass es automatisch immer so ist.

Die Erfahrung bleibt ja: Das Schiff geht unter. Der Terroranschlag gelingt. Die Naturkatastrophe bringt Leid und Vernichtung. Der unheilbar Kranke stirbt.

Vielleicht ist es dann das Wunder, wenn der Glaube nicht untergeht. Wenn die Hoffnung nicht versinkt. Wenn Geschichten wie diese zeigen: Dieser Gott ist da. Er begleitet uns, vielleicht sogar manchmal schlafend, und er geht nicht fort. Teilt sogar die Gefahr. Er begleitet uns durch das Leid hindurch, er trägt mit, auch wenn er es nicht wegnimmt. Trotz des Wissens um alle Bedrohungen dürfen wir leben und lieben und lachen. Das Leben nicht verängstigt verstecken. Sondern als Geschenk leben, frei und mit all seinen Möglichkeiten. Weil Gott da ist. Im selben Boot mit uns, die wir dort auch oft stehen, kleingläubig und mit wankenden Knien und schlotternd vor Angst.

Der Glaube der Jünger hat nicht ausgereicht, den Kampf zu bestehen und die Not zu überwinden. Aber er war groß genug, sich an den zu erinnern und um Hilfe zu bitten, der mit im Boot sitzt und schläft. Sie hatten nicht viel, nur ein wenig Hoffnung, dass er doch etwas tun könnte. Dieser Hoffnungsschimmer, dieser Keim eines Glaubens war immerhin der Anfang der Rettung.

Pfarrer Michael Busch