ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

Holzkirche Gemeindezentrum Celsiusstraße Gemeindehaus Ostpreußendamm
Petruskirche Gemeindehaus Parallelstraße Dorfkirche Giesensdorf

ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf > Gemeindebrief > Archiv > Januar 2009

27.5.2019

Helmut Gollwitzer & Eva Bildt
Eine Buchbesprechung

Als junger Pfarrer der Bekennenden Kirche und Vertreter des verhafteten Martin Niemöller in der Kirchengemeinde Berlin-Dahlem lernte Helmut Gollwitzer (1905-1993) am 25. August 1940 im Hause des Schriftstellers Jochen Klepper die Schauspielerin Eva Bildt (1916-1945), bildschöne Tochter des berühmten Schauspielers Paul Bildt, kennen.

Ich will Dir schnell sagen, daß ich lebe, Liebster
Helmut Gollwitzer - Eva Bildt.
Briefe aus dem Krieg 1940-1945

336 S.: mit 22 Abbildungen. Paperback
C.H.Beck ISBN 978-3-406-57381-1
Herausgegeben von Friedrich Künzel und Ruth Pabst.
Mit einem Nachwort von Antje Vollmer

Das Paar verlobte sich im Januar 1941, durfte aber wegen der jüdischen Abstammung Eva Bildts nicht heiraten. In ihren Briefen schilderte sie ihrem Geliebten das Leben im bombardierten, zerstörten Berlin; er wiederum berichtete von der immer chaotischeren Lage an der Kriegsfront.

Der Briefwechsel dokumentiert eine Liebesgeschichte in Zeiten von Krieg, Verfolgung und Gewaltherrschaft, getragen von Hoffnung, Widerstand und Zuversicht, 1945 unmittelbar vor Kriegsende durch Eva Bildts Selbstmord tragisch geendet.

Es war beiden nur wenig Zeit des Zusammenseins vergönnt. Deshalb erzählten sie einander vom Alltag und Weltgeschehen, von Liebesnot und Leiden am Unrecht, von Verzweiflung und Todesangst und vom Trost im Glauben.

Eine Woche nach der ersten Begegnung – am selben Tag, an dem er aus Berlin ausgewiesen wurde und" Reichsredeverbot" erhielt, bekam Helmut Gollwitzer die ersten Zeilen Eva Bildts.

Sie besuchte ihn am darauf folgenden Sonntag in Kleinmachnow. Seine Lage war unsicher und bedrückend geworden. Vertrautheit und Nähe und Liebe entwickelten sich in einem Klima äußerer Bedrohung. Vier Monate später waren beide ein heimliches Paar; sie hatten sich erst vier Mal gesehen. Und Helmut Gollwitzer war zur Wehrmacht eingezogen worden.

Während der monatelangen Trennung wurden Hunderte von Briefen, für beide Liebenden zum Ersatz für eine große Liebe, deren Erfüllung ihnen durch äußere Umstände und das Heiratsverbot versagt blieb. Daraus erklärt sich die Intensität der geäußerten Gefühle. Beide wussten, dass wegen ihrer regimekritischen Einstellung ihr Briefwechsel überwacht wurde. So blieb manches zwischen den Zeilen zu lesen.

Ende 1942 änderte sich der Ton in Eva Bildts Briefen: Die Leichtigkeit und Heiterkeit verschwanden, Verzweiflung und Ängste wurden stärker. Im Herbst war der Antrag auf Heiratsgenehmigung abgelehnt worden; im Dezember 1942 begingen Jochen Klepper und seine jüdische Frau Johanna gemeinschaftlichen Selbstmord.

Die Liebesbeziehung zwischen Eva und Helmut endete tragisch. Als die Rote Armee im April 1945 in Zeesen, ihrem letzten Zufluchtsort bei Berlin, einrückte und Eva Greueltaten erlebte, verlor sie ihren Lebensmut und ihre letzte Hoffnung, zumal da sie seit Monaten keine Nachricht ihres Geliebten von der Ostfront erhalten hatte und ihre Mutter Charlotte Bildt, geborene Friedländer, am 6. März 1945 entkräftet gestorben war. Eva Bildt ging gemeinsam mit ihrem Vater am 27. April 1945 in den Freitod, Paul Bildt überlebte. Eva und Charlotte Bildt ruhen in einem Ehrengrab auf dem Kommunalen Friedhof von Zeesen.