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13.12.2018

Der Weihnachtsbaum

Die Weihnachtsseite von Torsten Lüdtke

Es war der Sonnabend vor dem vierten Advent, ein schöner vorweihnachtlicher Nachmittag; bis zum Heiligen Abend blieben nur noch einige wenige Tage. Gerade wollte ich es mir bei einer heißen Tasse Tee und einem guten Buch in dem gemütlichen Ohrensessel behaglich machen, als Sophie in das Zimmer trat und sagte: "Wir haben noch immer keinen Weihnachtsbaum; langsam wird es Zeit, eine Tanne zu kaufen." Auf dem Teppich spielte unser Sohn Frederick mit seinen Bausteinen; als er das Wort "Weihnachtsmarkt" hörte, war der Knirps sofort begeistert und kaum noch zu bändigen: "Ach ja, toll, Papa", rief er "ich komme mit! Wir gehen zum Weihnachtsmarkt! – Wir kaufen einen Tannenbaum!"

Rasch hatten wir uns unsere Mäntel angezogen, dann ging es mit Frederick an der Hand aus dem Haus und durch die verschneite Stadt zum Weihnachtsmarkt. Dort angekommen, begannen wir die Suche nach einem passenden Baum: Nicht zu groß, nicht zu klein, schön dicht gewachsen und – vor allem – frisch geschlagen sollte der Baum sein. Nachdem wir ausgiebig Karussell gefahren waren, gebrannte Mandeln gegessen und Frederick ein großes Lebkuchenherz bekommen hatte, fiel uns wieder der Weihnachtsbaum ein. – Den Baum hatten wir völlig vergessen!

Die heiligen drei Könige

Die heiligen drei Könige stehn vorm Haus,
Maria guckt zum Fenster heraus.
"Ihr heiligen drei Könige, kommt nur herein,
es wird schon für euch noch ein Plätzel sein."
Sie gingen gebückt in den kleinen Stall
und fielen auf ihre Knie all.
"Wir sind drei Könige, kommen weit her,
du aber, o Christkind, bist viel mehr.
Hast gar keine Krone, hast gar keine Zier,
hast aber ein königlich Herz in dir.
Das wirft den allerhellsten Schein
und wird die Krone der Menschheit sein."
Die Könige gingen. Maria sann
und sah aus Tränen ihr Kindel an.

Otto Julius Bierbaum (1865-1910)
 

Der Weihnachtsbaum

Schön ist im Frühling die blühende Linde,
bienendurchsummt und rauschend im Winde,
hold von lieblichen Düften umweht;
schön ist im Sommer die ragende Eiche,
die riesenhafte, titanengleiche,
die da in Wetter und Stürmen besteht;
schön ist im Herbst des Apfelbaums Krone,
die sich dem fleißigen Pfleger zum Lohne
beugt von goldener Früchte Pracht;
aber noch schöner weiß ich ein Bäumchen
strahlt in der eisigen Winternacht.

Keiner kann mir ein schöneres zeigen:
Lichter blinken in seinen Zweigen,
goldene Äpfel in seinem Geäst,
und mit schimmernden Sternen und Kränzen
sieht man ihn leuchten, sieht man ihn glänzen
anmutsvoll zum lieblichen Fest.
Von seinen Zweigen ein träumerisch Düften
weihrauchwolkig weht in den Lüften,
füllet mit süßer Ahnung den Raum!
Dieser will uns am besten gefallen,
ihn verehren wir jauchzend von allen,
ihn, den herrlichen Weihnachtsbaum!

Heinrich Seidel (1842-1906)
 

Weihnachtsabend

Die fremde Stadt durchschritt ich sorgenvoll,
der Kinder denkend, die ich ließ zu Haus.
Weihnachten war’s, durch alle Gassen scholl
der Kinderjubel und des Markts Gebraus.

Und wie der Menschenstrom mich fort gespült,
drang mir ein heiser Stimmlein in das Ohr:
"Kauft, lieber Herr!" Ein magres Händchen hielt
feilbietend mir ein ärmlich Spielzeug vor.

Ich schrak empor, und beim Laternenschein
sah ich ein bleiches Kinderangesicht;
wes Alters und Geschlecht es mochte sein,
erkannt’ ich im Vorübertreiben nicht.

Nur vor dem Treppenstein, darauf es saß,
noch immer hört' ich, mühsam, wie es schien:
"Kauft, lieber Herr!" den Ruf ohn’ Unterlaß;
doch hat wohl keiner ihm Gehör verliehn.

Und ich? War's Ungeschick, war es die Scham,
am Weg zu handeln mit dem Bettelkind?
Eh' meine Hand zu meiner Börse kam,
verscholl das Stimmlein hinter mir im Wind.

Doch als ich endlich war mit mir allein,
erfaßte mich die Angst im Herzen so,
als säß' mein eigen Kind auf jenem Stein
und schrie nach Brot, indessen ich entfloh.

Theodor Storm (1817-1888)

Bald hatten wir bei allen Weihnachtsbaumverkäufern gefragt, doch ein passender Baum war auf dem gesamten Markt nicht mehr aufzutreiben. "Jetzt gehen wir in den Wald und schneiden uns dort unseren Weihnachtsbaum ab." sagte ich zu Frederick. "Vorher holen wir uns noch unsere Säge." Bald waren wir am Haus angekommen; wie ein Einbrecher schlich ich mich in den Keller, wo ich nach einigem Suchen auch die Säge fand.

Nach einem längeren Fußmarsch erreichten wir den Waldrand, der weiß und malerisch vor uns lag. Langsam schritten wir durch den verschneiten Wald, von den hohen Tannen wehte der leichte Wind immer wieder Schneeflocken in unser Gesicht. Nachdem wir schon eine Weile im Wald gegangen waren, erreichten wir eine Lichtung, auf der viele schöne Tännchen standen, darunter eines, nicht zu groß, nicht zu klein und schön dicht gewachsen. Schnell hatten wir uns entschieden: Dieser Baum ist unser Christbaum. Es dauerte nicht lange, dann hatte ich die junge Tanne abgesägt. Den Baum auf der einen Schulter, auf der anderen Seite die Säge machte ich mich mit Frederick auf den Rückweg. Weil es langsam dunkel wurde und leichter Schnellfall eingesetzt hatte, war der richtige Weg nicht mehr einfach zu finden. Müde und frierend hatten wir noch nicht die Hälfte des Weges zurückgelegt, als plötzlich neben uns eine Stimme erklang: "Halt! Stehenbleiben!" – Erschrocken fuhren Fredrick und ich zusammen, denn neben uns stand – in einen warmen, grünen Mantel gekleidet – der Förster.

Finster blickte uns der sonst gutmütig aussehende Mann an und sagte: "Nun habe ich schon wieder jemanden erwischt, der sich seinen Baum selbst im Wald geschlagen hat. Sie wissen wohl nicht, daß das streng verboten ist." Kleinlaut gab ich dem Förster recht und bot ihm an, den Baum zu bezahlen. Frederick hatte inzwischen angefangen zu weinen.

"Sie und der Junge kommen erst einmal mit zum Forsthaus, dort werde ich den Fall aufnehmen und eine amtliche Meldung machen." Gegen die strengen Blicke und die bestimmten Worte des Grünrocks wagte ich keinen Widerspruch. Beschämt und in gedrückter Stimmung folgte ich mit Frederick, der noch immer schluchzte, dem Förster, der fröhlich pfeifend voranging. Es dauerte nicht lange, da sahen wir den Lichtschein der beleuchteten Fenster des tiefverschneiten Forsthauses vor uns. Besorgt sah mich Fredrick an: "Du Papa, mußt Du jetzt in Gefängnis?" fragte er. Ich konnte ihm keine Antwort geben, denn nun hatten wir das Forsthaus erreicht. "So nun kommen Sie mal herein", sagte der Förster als er die Tür aufschloß. Seine Stimme klang nun gar nicht mehr so furchteinflößend.

Bald saß ich mit dem Förster in seinem, mit Geweihen und anderen Jagdtrophäen geschmückten Dienstzimmer; aus zierlichen Porzellantassen dampfte Kaffee und im Zimmer nebenan spielte Frederick mit der Tochter des Försters. Nachdem der Förster einen großen Schluck warmen Kaffee gentrunken hatte, sagte er: "Jahr für Jahr ist es immer wieder das Gleiche im Dezember: Jeder möchte seine Stube zu Weihnachten mit einem bunt aufgeputzten Weihnachtsbaum zieren. Für uns Förster und die Waldarbeiter ist die Zeit zwischen November und Januar seit Jahrhunderten eine Zeit, in der wir sehr aufmerksam sein müssen, schließlich versuchen immer wieder Leute wie Sie, sich im Wald selbst einen Weihnachtsbaum zu schlagen."

"Wieso seit Jahrhunderten?" wollte ich wissen.

Der Förster dachte kurz nach: "Es war wohl im späten Mittelalter, als der Brauch aufkam, einen grünen Nadelbaum in die Wohnung zu holen und ihn zunächst mit Früchten, Lebkuchen und Zuckerwerk, später dann auch mit buntem Glaskugeln zu schmücken. – Auch Sie haben ja wohl einen Weihnachtsbaum gesucht."

Kleinlaut gab ich das zu und bot dem Förster für den selbst geschlagen Baum Ersatz an.

"Ja, wenn das jeder machte, wie sähen unsere Wälder dann aus", entgegnete der Förster lächelnd "dann müßten wir jedes Jahr immer wieder neue Bäume pflanzen. – Und wirklich, in jedem Jahr pflanzen und ernten wir in diesem Wald Weihnachtsbäume. Der Baum, den Sie geschlagen haben, stand übrigens auch auf einer solchen Schonung."

Etwas verdutzt schaute ich den Förster an, der nun laut auflachte: "Ja, Sie haben einen echten Weihnachtsbaum abgesägt!"

Erleichtert konnte ich aufatmen und mußte nun auch über dieses Erlebnis lachen. – Doch werde ich nie wieder einfach in den Wald gehen, um auf eigene Faust einen Weihnachtsbaum zu schlagen.

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