Evangelische Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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23.9.2019

Silvester 1944/45 in Stettin

erlebt von Eva Laucks

Es war eisig kalt in diesem Winter und es lag sehr viel Schnee.

Zwei Baracken stehen auf einem Feld südlich von Stettin in Krekow.

In einer dieser Baracken wohnen 15 Mädchen zwischen 20 und 22 Jahre alt und zusammen gewürfelt aus ganz Deutschland. In der zweiten Baracke ein Unteroffizier und zwei Obergefreite der deutschen Wehrmacht. Draußen auf dem Gelände ein Scheinwerfer, ein Horchgerät und ein Flak-Richtgerät. Eine Fliegerabwehrstation.

Die Mädchen wurden allesamt vom "Reich" eingezogen, um die amerikanischen und englischen Bomber zu erfassen.

Was die Soldaten in zwei Jahren erlernt hatten, mussten jetzt die jungen Mädchen in sechs Wochen erlernen. Dienst am Tage am Gerät, nachts eine Stunde Wache am Gerät. Eingepack im dicken Mantel, warme Stiefel und Stahlhelm. Eine Stunde danach Ablösung, Dienst am Telefon.

Die Wache nachts ist am schlimmsten, je nach Einteilung mitten in der Nacht aus dem Schlaf gerissen.

Man geht verschlafen um die Geräte, friert und denkt an zu Hause.

Wenn die Stunde bloß rumwäre! Ablösung! Drinnen am Herd aufwärmen und ein Röstbrot machen mit Kunsthonig. Dann wieder schnell ins Bett.

Die Silvesternacht ist klar und still, kein Bombenangriff, fast unheimlich. Man lässt uns in Ruhe, für eine Nacht. Es fliegen keine Granatsplitter um unsere Ohren.

In Pölitz, nördlich von Stettin sollen zwei Mädchen umgekommen sein.

Wie sieht es in Berlin aus? Was macht die Familie? Steht das Haus noch? Wann wird das alles zu Ende gehen?

Eva Laucks

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