ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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23.3.2019

50 Jahre Brot für die Welt

Brot für die Welt

Träger

Alter Trade Foundation Incorporated (ATFI)
Finanzierung (drei Jahre)
"Brot für die Welt": € 163.061,–

Was kostet wie viel?

Organischer Dünger für zwei Hektar Zuckerrohrplantage: € 50,-
Junger Wasserbüffel für die Feldarbeit: € 100,–

Weitere Informationen

Weitere Informationen zu diesem Projekt finden Sie im Internet unter www.brot-fuer-die-welt.de/projekte/

Spenden

Sie können Ihre Spende in allen Weihnachtsgottesdiensten in die Kollekte geben oder direkt überweisen auf das Konto beim Kreiskirchlichen Verwaltungsamt Steglitz (Konto-Nr. 87068, EDG, BLZ 100 602 37).

Bitte als Stichwort "Petrus-Giesensdorf, Brot für die Welt" nicht vergessen.

"Es ist genug für alle" unter diesem hoffnungsvollen Leitwort steht die in den kommenden drei Jahren die Aktion " Brot für die Welt"

Doch gilt dieser Satz Überhaupt?

Als Brot für die Welt 1959 ins Leben gerufen wurde, lebte weniger als die Hälfte der heutigen Menschheit. Damals, als der Hunger in Deutschland schon Vergangenheit war, galt der Satz „Es ist genug für alle da“ – aber nur, wenn wir teilen. Und er gilt zwei Generationen später unverändert.

Es ist ein Satz des Glaubens: Gottes Zusage, alle satt zu machen, die darauf angewiesen sind , ist einer der Grundsteine der biblischen Verheißung. Die Bitte "Unser täglich Brot gib uns heute" geht nicht ins Leere. Und in Jesu Händen vollzieht sich das Speisungswunder: Teilen, möglich gemacht durch Glauben, Liebe und Gerechtigkeitssinn, macht Alle satt – der Skepsis der Jünger zum Trotz.

"Es ist genug für alle da", das ist auch ein Satz der Vernunft. Die Arbeit der Landarbeiter und Kleinbauern, die in Süd, Nord und Ost in der Landwirtschaft tätig sind, kann auch die rasant gewachsene Menschheit ernähren, woran auch die Agrarwissenschaft nicht zweifelt. Die Weltgesundheitsorganisation hat sogar errechnet, dass die derzeit produzierten Nahrungemittel für 12 Milliarden Menschen reichen – vorausgesetzt Rechtsbruch, brutales Gewinnstreben vergleichsweise Weniger und die Unvernunft Vieler zerstören nicht das Fundament, auf dem diese begründetet Hoffnung ruht.

Soweit Harald Rohr über die beginnende 50. Aktion Brot für die Welt.

Auch in der Gemeinde beteiligen wir uns wieder an der Aktion Brot für die Welt. Spenden können sie gern in Küsterei abgeben und die Kollekten der Heilig Abend Gottesdienst sind für Brot für die Welt bestimmt.

Ein Projektbeispiel möchten wir hier vorstellen:

Philippinen: Fairer Lohn für harte Arbeit

Seitdem der Weltmarktpreis für Zucker Anfang der achtziger Jahre einbrach, ist die Armut auf der philippinischen Insel Negros groß. Immer mehr Kleinbauernfamilien setzen daher auf den Fairen Handel, um ihren traditionellen Vollrohrzucker zu vermarkten.

Wie hart die Arbeit auf einer Zuckerrohrplantage ist, sieht man, wenn man in das Gesicht von Jeremiah Patricio blickt. Müde sieht es aus und ausgemergelt. Und doch ist der ehemalige Plantagenarbeiter mit seinem Leben zufrieden: In den vergangenen Jahren ist sein Einkommen deutlich gestiegen; seine Familie muss keinen Hunger mehr leiden. Inzwischen besitzt der Kleinbauer sogar Hühner und zwei Schweine.

Jeremiah Patricio lebt mit seiner Frau und fünf Kindern auf der Hacienda Isabel, einer von unzähligen Zuckerrohrfarmen auf der philippinischen Insel Negros. Seit dem 19. Jahrhundert wird hier in großem Stil Zuckerrohr angebaut. In den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts stieg die Insel sogar zum größten Zuckerproduzenten der Welt auf. Der Boom, der bis in die sechziger Jahre anhielt, machte jedoch nur die Zuckerbarone reich, die Eigentümer der Plantagen. Der Lohn der Arbeiter reichte kaum zum Überleben.

Als Anfang der achtziger Jahre die Weltmarktpreise für Zucker einbrachen, stellten viele große Plantagenbesitzer die Produktion ein. Auf der Insel wurden 250.000 Plantagenarbeiter mit einem Schlag arbeitslos. Viele Menschen hungerten; bis in die neunziger Jahre waren zwei Drittel aller Kinder auf Negros unterernährt. Weil es keine staatlichen Hilfsprogramme gab, schlossen sich viele der ehemaligen Plantagenarbeiter der New People’s Army (NPA) an, einer Guerilla, die von den Bergen aus gegen die Regierung kämpfte.

Ende der 1980er Jahre setzte Präsidentin Corazon Aquino eine Landreform in Gang, durch die landlose Bauern und Farmarbeiter erstmals Zugang zu Land erhielten. Auch die Hacienda Isabel ging in den Besitz der ehemaligen Landarbeiter über. Da diesen jedoch die nötigen Kenntnisse fehlten, um verschiedene Kulturen anzubauen, blieb ihnen nichts anderes übrig, als sich wieder der Herstellung des traditionellen Vollrohrzuckers zu widmen. Doch die Preise waren so niedrig, dass sie davon kaum leben konnten.

Im Jahr 2003 begann die Genossenschaft der Hacienda Isabel mit der Organisation Alter Trade zusammenzuarbeiten. Deren Ziel ist es, Kleinbauern durch die Umstellung auf ökologischen Landbau und die alternative Vermarktung des Zuckers im Rahmen des Fairen Handels ein ausreichendes Einkommen zu sichern. Unter der Anleitung der Alter-Trade-Mitarbeiter stellten Jeremiah Patricio und die anderen Mitglieder seiner Genossenschaft den Anbau komplett um: Statt chemischem Dünger verwenden sie nun eine Mischung aus Kuhdung, Hühnermist, ausgepresstem Zuckerrohr und Kalk. Und auf Pestizide verzichten sie vollkommen. Einfacher ist die schwere Arbeit dadurch nicht geworden, denn in den vier Monaten zwischen der Aussaat und der Ernte müssen die Jungpflanzen nun ständig von Unkraut befreit werden. Dies geschieht ebenso in Handarbeit wie das Pflanzen der Stecklinge und die Ernte des Zuckerrohrs mit der Machete. Doch jetzt lohnt sich die Plackerei: Für eine Tonne Zuckerrohr erhalten Patricio und seine Kollegen von Alter Trade 1.400 Pesos (rund 23 Euro) – das ist häufig mehr als das Doppelte des Preises auf dem stark schwankenden freien Markt.

Der Faire Handel hat das Leben vieler Menschen völlig verändert – auch auf der Hacienda Isabel. "Früher waren wir gezwungen, das zu tun, was der Besitzer wollte", erzählt Jeremiah Patricio. Heute entscheiden wir selbst."

Mit seinem Einkommen von drei bis fünf Euro am Tag kann Patricio seine Kinder nun zur Schule schicken. Könnte die Genossenschaft den Biorohrzucker nicht an Alter Trade verkaufen, müsste er wieder für sehr viel weniger Geld arbeiten, und sein großer Traum geriete in Gefahr: "Ich wünsche mir von Herzen, dass meine Kinder eine weiterführende Schule besuchen können."

Text: Thorsten Lichtblau
Foto: Anne Welsing