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18.7.2019

Dr. Christoph Lehmann, Vorsitzender von Pro Reli
Ein Portrait

von Sibylle Sterzik

Die Idee kam beim Frühstück. Einer Umfrage zufolge, las er beim Kaffee in der Zeitung, seien 70 Prozent der Berliner für eine freie Wahl zwischen Ethik und Religionsunterricht. Das war kurz vor der Abgeordnetenhaus-Wahl 2006, als auch diskutiert wurde, die Voraussetzungen für ein Volksbegehren zu vereinfachen.

Warum nicht einen Volksentscheid herbeiführen, dachte sich Christoph Lehmann, heute Vorsitzender des Vereins ProReli. Seine Frau war sofort dafür und schlug vor, ein eigenes Büro zu mieten. Und der damals 7-jährige Sohn fragte immer wieder nach, ob es denn nun etwa was werde mit der Frühstücksidee. Es wurde.

"ProReli ist auch ein Familienprojekt. Wir sind alle schon im ProReli-Shirt herumgelaufen", sagt der 46-Jährige und lacht. Die Familie investiert viel Zeit und Mühe für eine freie Wahl zwischen Ethik und Religion in der Schule. Das ist dem Sohn eines Schuldirektors und einer Psychologin wichtig. Schon als Schüler am Goethe-Gymnasium in Berlin setzte sich Lehmann für katholischen Religionsunterricht in der Oberstufe ein. Der wurde auch eingeführt, aber da hatte er schon Abitur. So besuchte er Kurse des evangelischen Religionsunterrichts. "Damals haben wir spannende Dinge gelernt", berichtet er.

Vier Kinder haben er und seine Frau, alle gehen aufs Gymnasium Steglitz. Der Älteste kommt freitags um halb fünf nach Haus. Die letzten beiden Stunden hat er Religion. Schlechte Bedingungen seien das für Lehrer und Schüler. Aber das eigentliche Problem sei, dass der Bildungsstand hierzulande hoch sei, das Glaubenswissen aber gering. Und die Gesellschaft, so beobachte er, werde immer mehr verrechtlicht und ökonomisiert, darunter leiden die menschlichen Beziehungen. Viele fragten erst, was sie davon hätten, bevor sie etwas tun.

"Die Rücksichtslosigkeit der Menschen nimmt zu", findet Lehmann, der als Rechtsanwalt und Notar in seinem Büro auf dem Kurfürstendamm viel erlebt. Die Kirchen seien da "ein Gegengewicht und nicht ökonomisierbar". Deshalb sei auch der Religionsunterricht, der dieses Gegenbild vermittelt, so wichtig. Auch er selbst möchte seinen Kindern vorleben, dass man, wenn es einem beruflich und privat gut geht, in der Pflicht ist, Verantwortung zu übernehmen.

Abitur, Studium, Rechtsanwaltsbüro – ging immer alles glatt bei ihm? Große Brüche gab es nicht, sagt er. "Für das große Damaskuserlebnis bin ich vielleicht zu rational veranlagt." Seine Ausreißerphase habe er in der Schülerzeit gehabt. "Ich war einer von drei Katholiken in meinem Jahrgang. Da habe ich wohl meinen Revolutions-Geist ausgelebt." Einige evangelische Christen realisierten erst jetzt, dass auch sie in Berlin inzwischen in der Minderheit sind. "Viele Gemeinden sind zu sehr nach innen gerichtet. Wir müssen uns als Christen umdrehen und nach außen gehen."

Und er hofft auf viele Aktionen in Gemeinden für ProReli. Für die Unterschriftensammlung und den Volksentscheid, der voraussichtlich zur Europa-Wahl am 7. Juni 2009 sein wird. Egal wie er ausgeht, Christoph Lehmann findet, ProReli habe schon jetzt gewonnen. "Wir haben so viele Diskussionen angestoßen in der Stadt über Werte und den Glauben."

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