ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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24.3.2019

Gedanken zum Monatsspruch Oktober

von Vikarin Katrin Rudolph


Foto: Reiner Kolodziej

Du suchst das Land heim und bewässerst es und machst es sehr reich;
Gottes Brünnlein hat Wasser die Fülle.
Du lässt ihr Getreide gut geraten; denn so baust du das Land.
Du tränkst seine Furchen und feuchtest seine Schollen;
mit Regen machst du es weich und segnest sein Gewächs.
Du krönst das Jahr mit deinem Gut, und deine Fußtapfen triefen von Segen.
Es triefen auch die Auen in der Steppe, und die Hügel sind erfüllt mit Jubel.
Die Anger sind voll Schafe und die Auen stehen dick mit Korn, dass man jauchzt und singt.

Psalm 65,10-14

Ob es einen Psalm gibt, der noch besser zum Erntedankfest passt als der 65., aus dem der Monatsspruch stammt? Die Bilder sind so bunt und anschaulich, dass sie mir schon fast als Klischee ländlicher Romantik erscheinen. Ja, wenn es doch so wäre! Nicht die Pestizide, die dieses Jahr zum großen Bienensterben geführt haben.

Nicht die kleinen bäuerlichen Betriebe, die ums Überleben kämpfen. Nicht die ineffiziente künstliche Bewässerung der Zuckerrübenfelder, die zum Beispiel in Andalusien wesentlich zur Reduzierung bedeutender Feuchtgebiete beigetragen hat. Und hier: Du tränkst seine Furchen und feuchtest seine Schollen? Alles Pustekuchen? Die Abgeklärten wissen natürlich, das da macht der Mensch mit seinen Pestiziden, seinen falschen Subventionen und seiner besinnungslosen Industrialisierung der Landwirtschaft – das hat doch nichts mit Gottes guter Gärtnerei zu tun! Hat es nicht? Die Psalmbeter im nahen Osten wussten von Steppe und Öde durchaus ein Lied zu singen. Aber hier singen sie ein Loblied auf Gott, der fröhlich macht, was lebt vom Sonnenaufgang im Osten bis zum Sonnenuntergang im Westen, dessen Fußstapfen triefen von Segen.

Gott geht übers Land und hinterlässt als Fußspuren Auen, in denen das Korn steht und die Schafe weiden können. So eine fruchtbare Aue, so eine Fußspur Gottes hätte ich auch gern in meinem Leben. Und wenn ich anfange zu überlegen, wo es sie gibt, fallen mir auch welche ein. Sogar aus jüngster Zeit: Der Sommerurlaub mit meiner Familie, gute Begegnungen mit Patienten in dem Krankenhaus, in dem ich die letzten Wochen gearbeitet habe, gemeinsame Zeit mit Kollegen, mit denen ich am gleichen Strang ziehe. Was zeichnet diese Auen aus? Gelungene Beziehungen, auf denen offenbar Segen liegt, die mich dankbar machen, die mich fröhlich machen. Und die mir Kraft geben, auch die Dinge anzugehen, die darum herum liegen. Ich bekomme Lust darauf, mich für Arbeitsbedingungen einzusetzen, in denen die Familie auch außerhalb des Urlaubs etwas von mir zu sehen bekommt. Ich bekomme Lust darauf, mich im Klinikbereich für menschenfreundlichere Strukturen einzusetzen, in denen Menschen, nicht Fälle im Mittelpunkt stehen. Ich bekomme Lust darauf, auch mit Herz und Verstand bei den Kolleginnen und Kollegen zu sein, die am Aufnahmeverfahren für die Pfarrstellen scheitern.

Und unsere gegenwärtige Landwirtschaft braucht ja auch nicht die Negativfolie für Gottes guten Segen zu bleiben. Lasst uns Erntedank fröhlich dafür nutzen, aus den erwanderten guten Auen Kraft zu schöpfen, zum Beispiel für kleine Schritte hin zu einer ökologischeren und sozial gerechteren Landwirtschaft. Nächstes Jahr sind übrigens sowohl Europawahl als auch Bundestagswahl. Lesen Sie doch mal nach, welche Konzepte die Parteien dazu haben...

Einen fröhlichen Oktober wünscht Ihnen Ihre Vikarin

Katrin Rudolph