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24.3.2019

Die Stolpersteinverlegung am 7. Juli

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Wie im letzten "Schlüssel" angekündigt, fand am 7. Juli die erste Stolpersteinverlegung in unserem Gemeindebereich statt.

Der Beginn der Verlegung verspätete sich um 2 Stunden. Günther Habermann, Initiator der Aktion und Sohn von Max Habermann, nutzte diese Zeit, um den Anwesenden seine Erinnerungen an die Zeit von 1936 zu schildern.

Aus Hamburg kommend, zog seine Familie in das Mietshaus Ostpreußendamm 51 (damals Berliner Straße).

Vater Max Habermann war Gewerkschafter. Er wurde von den Nazis verfolgt, da er in Verbindung zu den Widerstandskreisen um Jakob Kaiser und Wilhelm Leuschner stand.

Nach dem missglückten Attentat auf Hitler am 20. Juli tauchte er unter.

Drei Monate später wurde er von der Gestapo gefasst und nach Gifhorn ins Gefängnis gebracht.

Aus Angst, bei Folter Namen preiszugeben, nahm er sich noch in der ersten Nacht das Leben.

Auf Initiative von Günther Habermann wurde auch ein Stolperstein für den jüdischen Hausbesitzer, Arnold Cohn und die jüdische Lehrerin Pauline Cohn-Löwe gesetzt.

Beide wurden deportiert und ermordet.

Günther Habermann und seine Geschwister erinnern sich auch an die Nachbarn im Haus Ostpreußendamm 51. In der Zeit, als ihr Vater untergetaucht war und die Familie regelmäßig von der Gestapo aufgesucht wurde, bekamen sie die Feindseligkeit vieler Mitbewohner deutlich zu spüren. Es ging sogar so weit, dass man der Familie Habermann den Zugang zum Luftschutzbunker verwehrte.

Als der Künstler Gunter Demnig gegen 16.30 Uhr eintraf, ging die Aktion recht schnell und auch sehr strukturiert voran.

Zum Ort für die Verlegung der Steine von Max Habermann und Arnold Cohn wurde der Hauseingang bestimmt und Gunter Demnig baute seine kleine, mobile Werkstatt auf.

Nach der Öffnung des Bodens wurden die Steine in ein Betonbett verlegt, damit sie nicht ohne Schwierigkeiten entfernt werden können. Dies ist bei früheren Verlegungen nämlich öfter geschehen.

Der Stolperstein für Pauline Cohn wurde auf Empfehlung des Künstlers direkt an der Ecke Ostpreußendamm / Goethestraße platziert, ein gut gewählter Ort, da er dort viel mehr Beachtung finden wird.

Der 7.Juli war ein sonniger Sommertag und ein besonderer Tag für Günther Habermann und seine Geschwister. Dem Vater wurde eine letzte Ehre erwiesen und ein Zeichen wurde gesetzt, dass auch nach 63 Jahren der Kampf gegen das Vergessen weitergeht.

Reiner Kolodziej

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