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21.5.2019

50 Jahre Aktion Sühnezeichen – Friedensdienste
Wo die Wurzeln liegen

Begegnungsprogramm mit israelischen Schoa-Überlebenden und ihren Angehörigen

Das von der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste und dem Presse- und Informationsamt der Bundesregierung gemeinsam entwickelte Begegnungsprogramm "LeDor Dor… Von Generation zu Generation" läuft bundesweit bis Ende des Jahres 2008.

Anlässlich des 60. Jahrestages des Staates Israel werden insgesamt 25 israelische Schoa-Überlebende und ihre jüngeren Angehörigen der 2. oder 3. Generation nach Deutschland eingeladen. Die Begegnungen mit Jugendlichen wie Erwachsenen finden in Zusammenarbeit mit Gedenkstätten, Schulen, deutsch-israelischen Freundschaftsgesellschaften oder Pfarrgemeinden statt.

In Berlin, München, Dresden, Frankfurt und anderswo sind bereits über 30 Veranstaltungen geplant. Die Gäste kommen aus Jerusalem, Haifa, Tel Aviv und weiteren Orten in Israel. Gebürtig stammen sie aus dem deutschsprachigen Raum Europas oder sind während des 2. Weltkriegs in Deutschland gewesen.

Im Gespräch erinnern sich die Zeitzeugen an ihre Kindheit, beschreiben das Überleben und Weiterleben nach dem Krieg, erzählen vom Aufbau einer neuen Existenz in Israel und diskutieren aktuelle Themen. Die Kinder oder Enkelkinder bringen dabei Sichtweisen der jüngeren Generationen Israels mit ein. Die Lebensgeschichten der Schoa-Überlebenden werden so „von Generation zu Generation“ (LeDor Dor) weiter getragen.

Durch die Veranstaltungsreihe wird generationsübergreifend der Opfer von NS-Verbrechen gedacht. Die Erfahrung von Unterschieden und Gemeinsamkeiten im Umgang mit der Geschichte und ihrer Überlieferung sollen zu weiteren Begegnungen mit Israel motivieren. Das Programm trägt damit zum Aufbau und zur Vertiefung längerfristiger Beziehungen beider Länder bei.

Informationen über das Projekt und Termine in Ihrer Region erhalten Sie bei:

ASF Israel-Referat, Auguststraße 80
10117 Berlin Tel.: 030/28395-179
Fax: 030/28395-135
E-Mail: E-Mail

Die Gründung der Aktion Sühnezeichen ist vor allem einem Mann zu verdanken: Lothar Kreyssig.

Während des Nationalsozialismus wurde der herausragende – ursprünglich konservative – Jurist aktives Mitglied der Bekennenden Kirche und ein entschiedener Gegner des nationalsozialistischen Unrechtsregimes.

Als Vormundschaftsrichter in der Stadt Brandenburg kam er dem nationalsozialistischen Massenmord an Behinderten und psychisch Kranken auf die Spur. Bei den höchsten Stellen des Justizministeriums protestierte er gegen das so genannte "Euthanasie-Programm" und erstattete schließlich Anzeige wegen Mordes gegen den zuständigen Reichsleiter Philipp Bouhler.

Nach seiner Amtsenthebung widmete er sich der biologisch-dynamischen Landwirtschaft auf einem von ihm gekauften Hof in Hohenferchesar/Brandenburg. Zugleich engagierte er sich weiterhin in der Bekennenden Kirche. Da der "Bruderhofquot; ein offenes Haus war, bot er Kreyssig gute Voraussetzungen, Juden zu verstecken und ihnen die Flucht zu ermöglichen.

Nach dem Krieg wirkte er als Konsistorialpräsident und Präses der Synode beim Wiederaufbau der evangelischen Kirche in Sachsen und Brandenburg mit und prägte viele kirchliche Einrichtungen und Initiativen in entscheidender Weise.

Kreyssigs Aufruf zur Gründung der Aktion Sühnezeichen erwuchs aus der Einsicht in das Versagen christlicher Kräfte, wirkungsvollen Widerstand gegen den Nationalsozialismus zu leisten. Für ihn resultierte daraus eine grundsätzliche Mitschuld seiner Generation an dem millionenfachen Morden. Mit der Forderung nach Anerkennung der eigenen Schuld suchte Kreyssig auch nach einem möglichen Neuanfang.

Ihn bewegte die Frage, ob und wie Versöhnung angesichts des unvorstellbaren Leids möglich ist. Sein christlicher Glaube erlaubte es ihm, Versöhnung nicht als etwas zu verstehen, das eingefordert werden kann, sondern als Bitte um Vergebung. Die Bereitschaft, dem Versöhnungswillen durch konkrete, praktische Arbeit sichtbaren Ausdruck zu verleihen, war für Kreyssig unabdingbar. Diese Grundgedanken Kreyssigs prägen bis heute die Arbeit von ASF.

Aussendegottesdienst von Freiwilligen der Aktion Sühnezeichen-Friedensdienste am Sonntag, 7. September, 11.00 Uhr, in der Petruskirche, Oberhoferplatz.

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