ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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20.5.2019

Sommer, Sonne, Freiheit...

von Lutz Poetter

Liebe Gemeinde,
auf der Arbeitsstelle, in der Schule, in den Büros – überall das gleiche Bild: Die Konzentration lässt nach, gereizte Stimmung, kaum etwas geht noch locker von der Hand. Die letzten Wochen und Monate waren anstrengend, der Fußball brachte uns zwar auf andere Gedanken, aber raubte uns auch einiges an Kräften. Viele von uns fühlen sich erschöpft, überarbeitet, ausgebrannt.

Oft fällt der Satz: "Ich bin urlaubsreif!" Zum Glück gibt es Ferien im Sommer, Urlaub, Zeit zum Abschalten, Ausspannen, Verreisen.

Reif für die Insel!

In der Tretmühle des Alltags, im Trott der täglichen Arbeit geht uns irgendwann die Puste aus. "Ich bin urlaubsreif" heißt dann: "Ich habe die Nase voll, mir reicht es, ich muss hier mal raus für eine Weile, weit weg, irgendwohin, wo ich nichts mehr müssen muss...."

Reif für den Urlaub?

Das Wort "reif" bedeutet allerdings auch, dass etwas zu einer gewissen Vollendung gekommen ist. Eine Frucht reift heran, bis sie ausgereift und essbar ist. Auch wir Menschen können Reife erlangen, wenn wir einen Lern- und Wachstumsprozess erfolgreich abschließen.

Als ich 1971 meine gymnasiale Schulbildung beendete und Abitur machte, nannte man das noch Reifeprüfung. Nach den Prüfungen erhielt ich das Zeugnis der allgemeinen Hochschulreife und konnte anfangen zu studieren.

Zurück zum Urlaub: Urlaubsreif – heißt das auch, dass wir reif sind, richtig Urlaub zu machen?

Balance

Beherrschen wir die Kunst des Urlaubmachens? Es geht nicht um eine heillose Flucht aus der Alltagswelt, sondern ein wohldosiertes Aussteigen auf Zeit. Diese Urlaubskunst hat viel mit Balance zu tun, mit Ausgleichen und Ergänzen. Urlaub setzt gezielt ein Gegengewicht zum Alltag, ohne diesen zu entwerten. Was der Sonntag für die Arbeitswoche bewirkt, schafft der Urlaub im Jahreslauf: Freiheit, Aufbruch, Erneuerung.

Wer im Alltag mit vielen Menschen zu tun hat, der sucht im Urlaub die Einsamkeit. Wer seine Zeit meistens alleine verbringt, der genießt den Kontakt mit anderen Menschen. Wenn ich einen streng geregelten Tagesablauf habe, mein Lebensrhythmus vom Terminkalender bestimmt wird, dann sehne ich mich im Urlaub nach freier Zeit, Muße und spontanem Tun. Wenn jemand viel unterwegs ist beruflich, dann bleibt er vielleicht im Urlaub bewusst an einem einzigen Ort. Wer zu Hause beschaulich lebt, der sucht im Urlaub das Abenteuer. Wer im Alltag genug Aufregung erlebt, der ist dankbar für Ruhe und Entspannung.

Freiheit

Der junge Mann aus der Bierwerbung taucht da vor meinem geistigen Auge auf: In der Stadt ist er vielleicht erfolgreicher Manager, leitender Angestellter, ein sogenanntes Alphatier. Nun läuft er barfuß über den Nordseestrand, seine Augen suchen die Weite des Wattenmeeres. Endlich darf er einfach nur er selbst sein: Keine Meetings, keine Handies, keine Termine, keine Kompromisse... Er hat frei, er ist frei. Und befreit lässt er sich rückwärts in den weichen Dünensand fallen...

Freiheit und Rebellion – so überschrieb Ralf Meister, der neue Berliner Generalsuperintendent seine Antrittspredigt in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche. Prophetischer Protest schafft Freiräume zur Umkehr, zur Veränderung. Freiheit rebelliert gegen den Zwangscharakter der eingefahrenen Wege, der gewohnten Wirklichkeit. Vielleicht kann auch unser Urlaub eine rebellische Zeit der Freiheit sein.