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23.7.2019

Das Gemeindehaus in Giesensdorf, die Glocken und unsere Bauarbeiten

Aufmerksamen Betrachtern ist es bestimmt schon aufgefallen: Das Gemeindehaus in Giesensdorf erhält ein neues Ziegeldach, denn die alten Biberschwänze der vielgestaltigen Dachflächen oberhalb der expressiven, stark gegliederten Klinkerfassade waren brüchig und durchlässig geworden. Einige davon sollen sogar noch aus der Erbauungszeit des Gemeindehauses vor über 80 Jahren stammen. Außerdem wurden während dieser Arbeiten die beiden barocken Bronzeglocken vom Dachturm des Gemeindehauses genommen.

Das Giesensdorfer Gemeindehaus – so verkündet es auch die vom Bildhauer Fritz Becker geschaffene Tafel rechts neben dem Haupteingang – wurde 1925 durch den renommierten Architekten Prof. Bruno Möhring (1863-1929) geschaffen. Dabei schuf Möhring ein Gebäude, das in seinen verschiedenen Bauteilen verschiedenste Nutzungen beherbergen sollte: Einerseits sollten ein großer Gemeindesaal und weitere Gemeinderäume entstehen, andererseits benötigte die Gemeinde auch Wohnraum für den Pfarrer, den Küster und den alten Pfarrgutspächter. Bei dem Entwurf für das Gemeindehaus wurde dann auch das bestehende, aus dem Jahr 1869 stammende Pfarrhaus des alten Giesensdorf in den Bau von Möhring miteinbezogen. Der hohe Mittelgiebel des Pfarrhauses ist im linken Teil des Gebäudes noch immer gut zu erkennen. Für die Fassade des gesamten Gebäudes verwandte Möhring dann auch die gleichen gelb-bunten Ziegel, aus denen schon zuvor das Pfarrhaus errichtet wurde.

Einen besondern Reiz bekam das breit gelagerte Gebäude durch das plastisch ausgeformte Hauptportal und den darüber befindlichen Turm mit seiner zierlichen Laterne. Die in Klinker ausgeführte Baukeramik des Eingangsportals – wie die Fensterstürze des ersten Obergeschosses – stammen vom Bildhauer Gerhard Schliepstein (1886-1963) aus Friedenau, der auch Entwürfe für die Porzellanfabrik Rosenthal lieferte. Die Ausführung der aufwendigen Keramiken übernahm die renommierte Firma Teichert in Meißen, von der auch teilweise die Fliesen der Berliner Untergrundbahn stammen.

Das Portal wird von zwei mit expressiven Vasen gekrönten Säulen im Stile des Art-Déco eingefaßt; darüber befindet sich ein ovales Medaillon mit einem an den Stern von Bethlehem erinnernden Kometen. Die hölzerne Laterne des Turmes besteht nicht mehr; an ihrer Stelle befanden sich bis vor wenigen Wochen die Glockenstühle mit den beiden Glocken.

Die beiden Bronzeglocken, die nun nicht mehr auf dem Turm des Gemeindehauses hängen, stammen aus dem Turm der alten Giesensdorfer Dorfkirche und haben nur durch Zufall die Zerstörung der Dorfkirche am Ende des II. Weltkrieges überstanden: Im April 1945 befanden sich die Glocken nicht mehr im Turm der Dorfkirche, sondern waren als Materialreserve für Rüstungszwecke vorgesehen. Über die Gründe, warum die Glocken dann doch nicht eingeschmolzen wurden, läßt sich nur spekulieren. Nach dem Krieg kamen die schließlich auf den Turm des Gemeindehauses.

Die größere der beiden Bronzeglocken stammt aus dem Jahr 1686; auf dem Mantel der fein profilerten und mit barockem Ranken- und Blattwerk verzierten Glocke findet sich die Inschrift des Gießers: "GOS MICH MARTIN HEINZE IN BERLIN ANNO 1686".

Eine weitere Inschrift auf dem Mantel der Glocke ist leider nicht mehr lesbar; wahrscheinlich waren hier die Namen der Stifter genannt, so wie es anderen vergleichbaren Stücken der Zeit der Fall ist. Martin Heinze, dessen Name sich auch in der Schreibung Heintze findet, scheint aus einer weit verzweigten Glocken- und Geschützgießerfamilie zu stammen; so lassen sich noch andere Glocken finden, die von Mitgliedern der Familie Hein[t]ze gegossen wurden.

Die kleinere, hundert Jahre jüngere Glocke wurde durch Johann Christian Friedrich Meyer in Berlin gegossen. Neben der Inschrift des Gießers: "MICH GOSS IO. CH. FR. MEYER IN BERLIN" findet sich auf dem spätbarocken, mit Troddeln und Schabracken geschmückten Mantel auch der Hinweis "KIRCHE ZU GIESENDORF 1786". Diese Glocke gehört also ursprünglich nach Giesensdorf und wurde für unsere Dorfkirche gegossen! In Berlin, Brandenburg und Mecklenburg finden sich noch weitere Glocken aus den Werkstätten Hein[t]zes und Meyers.

Abschließend bleibt noch zu bemerken, daß die beiden Glocken nicht mehr auf den Turm des Gemeindehauses kommen werden; der stark korridierte Glockenstuhl aus Stahl mußte abgebaut werden. Vielleicht wird sich in Zukunft wieder die hölzerne Laterne über dem Turm des Gemeindehauses erheben und auf dem Kirchhof ein Glockenstuhl stehen, aus dem dann unsere eng mit der Giesensdorfer Geschichte verbundene Glocken wieder zum Gottesdienst rufen.

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