ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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25.3.2019

Goldene Konfirmation
Rückblick

(in alphabetischer Reihenfolge) Christine Balz, geb. Zeisig, Helmut Brauer, Irmhild Crüger, geb. Blümner, Jörn Crüger, Helga Cullmann, geb. Richter, Heidelore Darger, Monika Deutschbein, geb. Thiele, Dr. Wolf-Dieter Glatzel, Editha Eberhardt, geb. Ott, Per Ernst, Marie-Luise Fischer, geb. Bellingkrodt, Henning Gissel, Ingrid Hähnlein, geb. Sünderhauf, Thomas Hill, Mechthild Kaapke, geb. Baltzer, Almut Kackerow, geb. Glatzel, Christiane Krohn, geb. Blisch, Ingrid Kühl, geb. Lüben, Dagmar Richter, geb. Schreck, Gudrun Ruzickova-Steiner, geb. Schmidt, Katharina Schmeißer, geb. Vogt, Dieter Schmidt, Christel Schreinert, geb. Engels, Marianne Sydow, geb. Metzelthin, Hansjürgen Wardius

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Jahrgang 1958
von Wolf-Dieter Glatzel

50 Jahre ist unsere Einsegnung her. Hier in dieser Petrus-Kirche am Oberhofer Platz in Lichterfelde-Ost wurden wir am 20. April 1958 eingesegnet. Sie hat sich seitdem mächtig verändert. Wir haben, ziemlich aufgeregt, in den ersten Bankreihen gesessen und es recht kribbelig und aufgeregt genossen, im Mittelpunkt zu stehen.

Almut Kackerow, geb. Glatzel, und Wolf-Dieter Glatzel

Ich hatte einen sündhaft teuren Anzug an, meinen ersten, diesen hier. Ich habe ihn noch heute, zugegeben mit einer anderen Hose. Er hat Tanzstundenbälle überstanden, unsere Hochzeit, zahllose Theater- und Opernbesuche, auch Beerdigungen, dann die Konfirmationen unserer Kinder, alle unsere 3 Jungen haben ihn zu ihrer Einsegnung getragen. Zuhause gab es nach der Kirche in kleinem Familienkreise ein festliches Mittagessen, dann Kaffee und Kuchen und natürlich Geschenke. Auch die goldenen Manschettenknöpfe von meinem Großvater habe ich noch heute.

Ist das alles, was von der Konfirmation übrig geblieben ist? Damals hätte ich gesagt: Ja, das war's. 2 Jahre mühsamer Konfirmandenunterricht mit viel Auswendiglernen, die Namen der Sonntage, von Rogate bis zu Quasimodogeneti, die 10 Gebote, Glaubensbekenntnis, Vaterunser ohnehin, Struktur und Bücher der Bibel – endlich vorbei.

Martin Luther wollte, dass die einfachen Menschen – also wir – zunächst den Wortlaut des kleinen Katechismus auswendig lernten und anschließend den Sinn erklärt bekamen. Endlich vorbei auch der Pflicht-Kirchbesuch, den wir uns in einem Heftchen bescheinigen lassen mussten. Ich habe ihn in deprimierender Erinnerung behalten. Wir Konfirmanden drückten uns in den hinteren Bänken herum, während vorne eine Handvoll – mehr waren es nach meiner Erinnerung nicht – kummervolle Alte in dieser großen, damals kalten Kirche eine festgefahrene Liturgie über sich ergehen ließen.

Wir waren zuhause von unserer Mutter christlich liberal erzogen worden. Aber ich hatte mit 10, 12 Jahren nach einem intensiven inneren Auseinandersetzungsprozess viel an Gott gezweifelt. Einen Stein vom Grab fortwälzen ohne menschliche Kraft – das geht doch gar nicht. Lahme gehen und Blinde sehen machen, Aussätzige mit einem Fingerschnips heilen – Wunderglauben, längst wissenschaftlich überholt. Flammen im Dornenbusch, auf dem Wasser laufen, Gespräche von Moses mit Gott – Einbildung. Dagegen war unsere eigene Welt handfest: Elvis, Mädels, Reisen, die Zukunft der Wirtschaftswunderwelt lag vor uns. Glauben? Das war Aberglauben und was für Alte. Wir setzten auf Wissen und Beweise, auf das reale Jetzt und auf die Zukunft, nicht auf 2000 Jahre Vergangenheit. Konfirmation war Konformismus, ich ließ sie über mich ergehen und durch Geschenke versüßen. Als es vorbei war, war ich froh.

Heute, 50 Jahre später, glaube ich an Gott. Der christliche Glaube ist zu dem beruhigenden und festen Fundament meines Lebens, meiner Familie und meiner Arbeit geworden. Unsere Konfirmation damals hat sozusagen die Werkstoffe für dieses Fundament bereitgestellt.

Nicht, dass ich heute nicht noch Fragen, ja sogar Zweifel hätte. Im Glaubensbekenntnis sagen wir u. a.: "Ich glaube an die Auferstehung der Toten und das ewige Leben." Ist jedem von euch klar, was das heißt, was damit gemeint ist? Mir bis heute nicht. Aber andere Fragen haben sich im Laufe der 50 Jahre für mich geklärt. So vor allem die Sprache der Bibel in Bildern und Gleichnissen. Wenn z. B. Gott nach dem Tanz seines auserwählten Volkes um das goldene Kalb stocksauer vor Moses tritt, diesem seinen Ärger vorjammert und ihm sein Volk zur Übernahme andient, dann verstehe ich das heute als Bild des inneren Kampfes in der Seele von Moses, Gott war in ihm und rang mit sich selbst.

Dietrich Bonhoeffer hat in seinem berühmt gewordenen Brief vom 21. Juli 1944, einen Tag nach dem Attentat auf Hitler, geschrieben, ihm sei klar geworden, "dass man erst in der vollen Diesseitigkeit des Lebens glauben lernt". Damals, vor 50 Jahren, lag die Welt vor uns. Wir hatten zwar auch unsere pubertären Probleme, aber ich zumindest nicht so schlimm, dass nicht die Erwartung auf eine große Zukunft überwog. Ich konzentrierte mich auf’s Studium und wurde U-Boot-Christ – einmal im Jahr, zu Weihnachten auftauchen und in die Kirche gehen. Irgendetwas ist ja doch dran, zumindest anrührend ist die Geschichte von der Krippe ja schon, na ja, und die Bergpredigt, schön wär's ja. Die Belastungen in Studium, Beruf und Familie wurden größer. Je mehr ich lernte und erfuhr, umso mehr Fragen tauchten auf. Das viele Gejammere, die typisch deutsche Angst, die Resignation begannen, mir mehr und mehr auf den Keks zu gehen.

"Die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden" – Jesaja 40. Damals mit 15 Jahren fand ich solche Sätze – nun ja, etwas merkwürdig, akzeptiert habe ich sie nicht, aber – offenbar den Grundtenor verinnerlicht. Je mehr ich solche Sätze wirklich verstand, umso mehr nahm mein Glaube zu. Nicht dass plötzlich alle Probleme verschwinden, wenn man einmal wieder in die Kirche geht oder sogar betet, so funktioniert das nicht. Auf den Herren harren, an ihn glauben, das heißt den Glauben aus dem U-Boot heraus zu holen und mitten in unseren Alltag hinein zu stellen. Glauben heißt, sich den Problemen und täglichen Aufgaben mit der Kraft und im Geist von Jesus Christus zu stellen.

Mein berufliches Leben habe ich in den Dienst des Umweltschutzes gestellt, mitgeholfen den Klimaschutz auf den Weg zu bringen und den Atomausstieg einzuleiten. Eine schwierige Aufgabe mit vielen Rückschlägen und gegen noch mehr Widerstände. Viele Kollegen, die nicht im Bewusstsein arbeiteten, die Schöpfung Gottes zu bewahren, haben resigniert, da sie andere nicht überzeugen konnten, denn das Feuer brannte nicht in ihnen selbst. Nicht banale Grundsätze wie – das Geld regiert die Welt, nicht die alltagsfröhliche Blödheit der Containermenschen und auch nicht der infantile Konsumkapitalismus sind eine wirklich hilfreiche Leitschnur in unserem Leben, sondern z.B. die Bergpredigt, die selbstlose Liebe Jesu, das Festhalten an den Prinzipien der Menschlichkeit und eben auch die Schöpfung Gottes zu bewahren.

Das kann man mit 15 Jahren noch nicht verstehen. Insofern war meine damalige Sicht "Glaube ist was für Alte" so falsch nicht. Aber: Glaube ist auch nichts für Alte, wenn nicht in der Konfirmation – auch im Religionsunterricht und vor allem in der Familie – die Wurzeln dafür gelegt und gepflegt werden. Ich bin deshalb heute und schon seit langem dankbar dafür, dass ich konfirmiert worden bin, und ich freue mich, dass ich heute das 50jährige Jubiläum der Konfirmation zusammen mit so vielen von euch begehen, ja feiern kann.

Übrigens, mein Konfirmationsspruch war: Zeige mir, HERR, den Weg deiner Rechte, dass ich sie bewahre bis ans Ende. Nicht, dass ich den noch gewusst hätte, ich habe ihn jetzt nachgeschlagen. Ist es nicht merkwürdig, dass er – eben ohne dass ich mir seines bewusst war – mein Leben leitete?

Wolf-Dieter Glatzel, 4. Mai 2008

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Goldene Konfirmation
von Ingrid Kühl

Am 4. Mai 2008 war es mir vergönnt, meine goldene Konfirmation in der Petruskirche zu erleben. Viele bekannte Gesichter von Petrus und Giesensdorf waren gekommen, um mit Pfarrer Poetter diesen einmaligen Tag zu feiern. Durch Initiative von Gemeindeschwester Gisela Meyer ist sogar der inzwischen 84jährige ehemalige Pfarrer von Giesensdorf Gustav Roth gekommen – mit dem Fahrrad!

50 Jahre zuvor hat er mich eingesegnet, später auch getraut. Das war ein absoluter Höhepunkt.

Die anschließenden geselligen Stunden bei Essen und Trinken waren sehr schön. Vielen dank an den Chor mit Michael Zagorni, der für uns gesungen hat, vielen Dank an Pfarrer Poetter und Sonja Wagner und die lieben Geister der Theke, die uns eine schöne Tafel bereitet und auch wieder weggeräumt haben,

Ingrid Kühl, eingesegnet 13.4.1958