ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf > Gemeindebrief > Archiv > Juni 2008

18.7.2019

Gedenkfeier an der Säule der Gefangenen

von Harald Hensel

Am 8. Mai 2008 hatten wir uns auf Einladung der "Initiative KZ-Außenlager Lichterfelde e.V." an der "Säule der Gefangenen" am Teltowkanal versammelt, um in einer Feierstunde der Häftlinge und Opfer zu gedenken, die von 1942 bis 1945 in diesem Außenlager des KZ Sachsenhausen Zwangsarbeit leisten mussten.

Lichterfelder Bürger und Schüler, Repräsentanten der BVV, Vertreter von Botschaften aus den Herkunftsländern der ehemaligen Häftlinge waren sich einig in der Mahnung, dass derartiges "Nie wieder!" geschehen darf und dass eine lebendige Erinnerungskultur notwendig ist. Die Redner mahnten, dass dies für uns alle Verpflichtung sei, den Anfängen von Intoleranz und Menschenverachtung im Alltag entgegenzutreten.

Auch in diesem Jahr waren wieder einige hochbetagte ehemalige Häftlinge (oder Familienangehörige) der Einladung der Initiative gefolgt und aus Holland, Polen, Norwegen, Israel, Tschechien, der Ukraine und Deutschland waren sie als Gäste gekommen.

Bereits beim Abend der Begegnung am 6. Mai in der Petruskirche am Oberhofer Platz hatte der Gemeindechor ein modernes Requiem zum Gedenken an die Opfer der Nazidiktatur aufgeführt. Pfarrer Poetter brachte dort seine Freude über die Tatsache zum Ausdruck, dass diese Menschen, diese ehemaligen Häftlinge uns heute die Ehre erweisen, mit uns hier in Lichterfelde zusammen zu sein und Versöhnung zu gewähren – "denn spätestens am 8. Mai 1945, als Sie befreit wurden, Ihr Leiden ein Ende hatte, Sie das KZ-Lager Lichterfelde verlassen und endlich in ihre Heimatländer zurückkehren konnten, da hatten Sie sicher nie für möglich gehalten, dass Sie nochmals nach Lichterfelde zurückkehren würden". Wenn wir mit den ehemaligen Häftlingen heute über ihr Leiden in Lichterfelde sprechen und die persönliche Begegnung mit diesen alten Menschen hier erleben, dann erscheint die Vergebung und Versöhnung wie ein Wunder.

Bei der Lichterfelder Gedenkfeier zitierte ein Schüler den tschechischen Widerstandskämpfer Julius Fucik, der 1943 unmittelbar vor seiner Hinrichtung schrieb:

"Vergesst nicht. Vergesst die Guten nicht und nicht die Schlechten. Sammelt geduldig die Zeugnisse über die Gefallenen. Eines Tages wird das Heute Vergangenheit sein, wird man von der großen Zeit und von den namenlosen Helden sprechen, die Geschichte gemacht haben. Ich möchte, dass man weiß, dass es keine namenlosen Helden gegeben hat. Dass es Menschen waren, die ihren Namen, ihr Gesicht, ihre Sehnsucht und ihre Hoffnungen hatten, und dass deshalb der Schmerz auch des Letzten unter ihnen nicht kleiner war als der Schmerz des Ersten, dessen Namen erhalten bleibt. Ich möchte, dass sie alle euch immer nahe bleiben, wie Bekannte, wie Verwandte, wie ihr selbst."

Ja, Ihr seid uns nah, Ihr lieben Gäste aus Holland, Polen, Norwegen, Israel, Tschechien, der Ukraine und Deutschland hier in Lichterfelde!

Harald Hensel

Diesen Beitrag haben wir vom Gemeindebrief der Johannes-Kirchengemeinde, Lichterfelde, übernommen.