ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

Holzkirche Gemeindezentrum Celsiusstraße Gemeindehaus Ostpreußendamm
Petruskirche Gemeindehaus Parallelstraße Dorfkirche Giesensdorf

ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf > Gemeindebrief > Archiv > Juni 2008

24.5.2019

Ein Stolperstein für Otto Bonin?

von E-Mail

Auch getaufte Kinder aus Familien jüdischer Herkunft wurden durch die Rassengesetze in den 1930er Jahren wieder zu Juden erklärt und mit ihnen verfolgt. Eines der tragischen Schicksale aus unserer Gemeinde hat Frau Dr. Hildegard Frisius in unseren Petrus-Taufbüchern entdeckt:

Otto Bonin mit Tochter Adeline (1923)

Bonin, Ingeborg Adeline, *1920 in Berlin, Genthinerstr. Getauft am 16.05.1925 durch Pfarrer Muhs.
Vater: Otto Bonin, *1886 in Berlin, von Beruf Kaufmann, Diplomingenieur mit Abschluss an der Technischen Hochschule Berlin.
Mutter: Lilly Margot Bonin, geb. Plessner, *1889 in Berlin.

Die Familie ist von 1920-1932 in Berliner Adressbüchern in der Lorenzstr. 17 in Lichterfelde zu finden. 1939 wird in der Volkszählung als Adresse Pariser Str. 3V angegeben, wo neben den Eheleuten, noch eine Edith Bonin *1929, verzeichnet ist.

Die Tochter Edith Bonin emigrierte nach Großbritannien (Kartei schulpflichtiger Kinder), nachdem sie nach dem letzten Schulwechsel 1939 am 08.08.1939 aus der Schule ausgetreten war.

Laut Gedenkbuch wurden die Eltern Lilly mit dem 31. Transport vom 01.03.1943 und Otto mit dem 34. Transport am 04.03.1943 nach Auschwitz deportiert und gelten seither als verschollen. Frau Lilli Bonin war vor der Deportation Arbeiterin bei Zeiss-lkon-Goerzwerk in Zehlendorf.

Adelyn Bonin in der britischen Armee (1942)

Die getaufte Tochter Ingeborg Adeline hat überlebt und aus USA am 17.07.1999 in der Yad Vashem Datei eine Zeugenaussage abgegeben. Die zu dem Zeitpunkt in USA lebende Tochter gibt an, in der Britischen Armee gewesen zu sein.

Möglicherweise war sie mit einem Kindertransport nach England gekommen. Ein Neffe, der den Mädchennamen der Mutter Bonin trägt, hat am 15.05.1991 ebenfalls in Yad Vashem über seinen Onkel Otto Bonin berichtet.

Nach weiteren Internetrecherchen fanden wir eine Buchveröffentlichung von Adelyn Bonin aus dem Jahr 1993 mit dem englischen Titel: Allegiances (Zugehörigkeiten).

Das Buch konnten wir über Amazon bestellen und haben sogar eine handsignierte, gebrauchte Version erhalten.

In dieser Biographie beschreibt Adelyn Bonin ihre Kindheit in Berlin, dann die Kibbutzzeit in Palästina und schließlich ihre Militärzeit in der britischen Armee während des 2. Weltkriegs.

Ihr letztes Lebenszeichen stammt aus dem Jahr 2007, als sie in einem Dokumentarfilm interviewt wurde. Wir haben ihr einen Brief geschrieben und sind hoffnungsvoll, dass ein Kontakt mit dieser hochinteressanten Frau zustande kommen könnte.

Wir werden auf alle Fälle in der Gruppe und im Schlüssel weiter darüber berichten. Dieter Fitterling zu Gast bei der Arbeitsgruppe Erinnerungskultur Otto Bonin mit Tochter Adeline (1923) Adelyn Bonin in der britischen Armee (1942)

Reiner Kolodziej