ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

Holzkirche Gemeindezentrum Celsiusstraße Gemeindehaus Ostpreußendamm
Petruskirche Gemeindehaus Parallelstraße Dorfkirche Giesensdorf

ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf > Gemeindebrief > Archiv > Juni 2008

26.3.2019

50 Jahre Aktion sühnezeichen friedensdienste (ASF)
Nachlese des Jubiläums vom 30. April bis 4. Mai 2008

von Stephanie Habedank-Kolodziej

17 junge Deutsche wurden gestern in Mühlheims "Haus der Gemeinden" vom geschäftsführenden Präsidenten des Rates der Gemeinden Europas (RGE), Deutsche Sektion, Direktor Hans Muntzke, zu einem einjährigen Arbeitsaufenthalt in Israel verabschiedet.

Initiator der Reise ist die "Aktion Sühnezeichen", von der die jungen Leute zuvor vier Wochen lang in Berlin auf ihren Aufenthalt im Nahen Osten vorbereitet wurden. Unter den Verabschiedenden war auch der Vorsteher der jüdischen Gemeinde Offenbach, Chaim Tyson, und Gotthard Kutzner. Unser Bild zeigt die Gruppe zum letzten Erinnerungsfoto auf deutschem Boden. Vorne in der Mitte Chaim Tyson.

Als ehemalige Freiwillige, die 1969/70 ein Jahr in verschiedenen Projekten in Israel gearbeitet hat, habe ich an einigen Veranstaltungen des Jubiläums teilgenommen.

Sehr eindrucksvoll und berührend war für mich der Beginn am Nachmittag des 30. April. Eine lange Prozession begab sich in einem Ökumenischen Geh-Denk-Gottesdienst vom Koppenplatz in der Spandauer Vorstadt über die Sophienstraße, den Hackeschen Markt und die Rosenstraße zur Marienkirche, mit Fürbitten, Lesungen und Gesang in verschiedenen Sprachen an markanten Stationen der Vertreibung und Verfolgung. Der Gottesdienst in der Marienkirche, bei dem Betroffene und Verantwortliche aus verschiedenen Projekten in Weißrussland, Tschechien und der Ukraine zu Wort kamen, endete mit dem Kaddisch, dem hebräischen Totengebet und dem gemeinsamen Vaterunser.

Im Haus der Kulturen der Welt trafen sich dann vom 1. bis 3. Mai die verschiedenen Generationen der Freiwilligen aus 50 Jahren Friedensarbeit. Es waren sehr offene, oft vertraute Begegnungen vieler Älterer meiner Jahrgänge miteinander und auch mit all den Jüngeren, die seit der Wende gemeinsam für ganz Deutschland im Sinne Lothar Kreyssigs gearbeitet haben. Für mich als "alte Westdeutsche" war die Präsentation der Arbeit von ASF in der DDR sehr interessant.

Natürlich ging es nicht nur um die Vergangenheit, sondern besonders um Gegenwart und Zukunft, die bei ASF immer lebhaft und kontrovers diskutiert wurden und werden. Alle aktuellen Projekte in vielen europäischen Ländern, in Israel und den USA wurden in verschiedenen Foren erläutert und diskutiert.

Für das Thema "Erinnerung als Grund und Hindernis für Europa" stand der 3. Mai zur Verfügung, eingeleitet mit einem Vortrag von György Konrad, dem ungarischen Schriftsteller und ehemaligen Präsidenten der Akademie der Künste.

Coco Schumann, den viele auch von seinen Auftritten in unserer Petruskirche kennen, trug mit einem einstündigen Programm dazu bei, dass das Jubiläum mit einer gelungenen Party im Restaurant des großen Hauses zu Ende ging.

Beim Sonntagsgottesdienst in unserer Dorfkirche war es mir eine besondere Freude, Roni Kochavi aus dem Kibbuz Hasorea im Norden Israels zu treffen. Dort besuche ich seit 1967 regelmäßig eine ehemalige Nachbarin der Familie meines Vaters aus Bad Kreuznach, mittlerweile 95 Jahre alt.

Frau Kochavi und eine junge Freiwillige von ASF dankten bei diesem Abschlussgottesdienst der Gemeinde für die Unterstützung ihrer Arbeit, bei der sich z.B. Freiwillige in Hasorea bei der Sichtung und Übersetzung von Dokumenten und Briefen aus Deutschland nützlich machen. Die Kollekte auch dieses Gottesdienstes kam Aktion Sühnezeichen Friedensdienste zugute.

Die in der Regel einjährigen Einsätze der Freiwilligen kosten viel Geld, zu der die jungen Leute, im Gegensatz zu uns vor 40 Jahren auch selbst einen erklecklichen finanziellen Beitrag leisten müssen. Deshalb sucht ASF Spender und Paten. "Fundraising" war auch ein wichtiges Thema der Tagung. Thomas Roth, bekannter Journalist der ARD, fand sich auf dem Podium als Pate für den Einsatz eines Freiwilligen in Russland. Auch in unserer Gemeinde finden sich vielleicht Menschen, die ein Engagement von jungen Leuten in dieser Weise unterstützen können.

Mein Leben ist von diesem Jahr sehr geprägt worden.

Stephanie Habedank-Kolodziej

zum Seitenanfang

Lesen Sie zu diesem Thema auch: