Evangelische Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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23.9.2019

Himmelfahrt

von Pfarrerin Susanne Peters-Streu

Vierzig Tage nach Ostern feiern wir Christi Himmelfahrt. Auf manch mittelalterlichen Bildern ist diese Szene dargestellt. Die Jünger auf einem Berg, darüber eine Wolke, aus der noch gerade die Füße Jesu zu sehen sind.

Wie lässt sich dies seltsame Bild von der Himmelfahrt verstehen und für uns deuten? Himmelfahrt ist ein Tag des Abschieds: So wie bis zu diesem Tag werden die Jünger Christus nicht mehr bei sich sehen. Abschied nehmen fällt schwer! Das wird für die Jüngerinnen und Jünger damals nicht viel anders gewesen sein als für uns heute. Das letzte mal bei einem Menschen sein... Ihn noch einmal ansehen. Seine Stimme hören. Seine Eigenheiten bemerken: Wie er mich anschaut, was für eine Kraft in ihm steckt. Und dann geht man auseinander. Und weiß: Wir sehen uns nie wieder!

Das war's von Jesus auf der Welt. Das Lukasevangelium endet mit dieser Geschichte aus Bethanien. Ausgerechnet dieses kleine Dorf! Schon einmal gab es dort einen traurigen Abschied. Von Bethanien erzählen sich die Leute jene unglaubliche Geschichte des Lazarus. Selbst in den Tod, so sagt man, hätte der Glaube ihm noch Leben gebracht. Und was nach Abschied aussah, wurde für die glaubenden Herumstehenden ein Neuanfang.

Ob es am Ort liegt? Denn auch dieser Abschied von Jesus hat eine überraschende Wendung: Und sie kehrten mit großer Freude nach Jerusalem zurück. Und sie waren allezeit im Tempel und priesen Gott. Kein Wort von Tränen und Trauer. Kein Wort von Trennung und Resignation.

Als Jesus von den Jüngern geht, lässt er ihnen den Segen. Ein Segen, so sagt das Lexikon, ist eine lebensfördernde Kraft.

Geheimnis ist diese Kraft wohl allemal! Denn woher kam sie, wenn sie einer erfährt. Die Kraft eine Trennung zu überstehen? Die Kraft, ja zum Leben zu sagen – trotz aller Schmerzen des Abschieds. Seinen Segen lässt er ihnen, lebensfördernde Kraft. Damit gibt er die Blickrichtung an, wie es von diesem Abschied her weitergehen kann. Nicht gebannt in den Himmel starren, wartend, was von dort kommt. Ein Missverständnis ist, wenn wir bei Himmel an das Weltall denken, das führt unsere Gedanken leicht in die Irre. Wir kennen Redewendungen wie: "ich fühle mich heute wie im siebenten Himmel", oder wenn jemand sehr gelobt wird, sagen wir, "er wird in den Himmel gehoben", "jemanden anhimmeln" oder wir sagen, wenn jemand schlecht behandelt wird, "das ist ja die Hölle". Und jedes mal, ob wir Himmel oder Hölle sagen, meinen wir nicht etwas Fernes, sondern eine Wirklichkeit mitten unter uns.

Er lässt ihnen seinen Segen und gibt damit eine Blickrichtung an, wie es nun weiter geht. Eben nicht gebannt in den Himmel starren. Sondern mit Freuden seinen Segen annehmen und weitertragen.

Himmel und Erde sind Räume der Gegenwart Gottes, seiner Herrschaft, seines Segens. Eines der neueren Kirchenlieder sagt das sehr schon: "Weißt du wo der Himmel ist, außen oder innen? Eine Handbreit rechts und links, du bist mitten drinnen, du bist mitten drinnen."

Himmelfahrt ist nicht die Vertröstung oder der Hinweis auf zukünftige Entschädigung für erfahrenes Leid, auch nicht der traurige Abschied, der alle Gedanken nur nach rückwärts lenkt. Himmelfahrt ist Erinnerung und Vergewisserung, dass wir in der Verheißung Gottes leben, dass er mit seinem Segen gegenwärtig ist, hier in unserem alltäglichen Leben, dass wir nicht dieser Welt entfliehen müssen, um dem Himmel nahe zu sein.

Von einem jüdischen Lehrer, einem Rabbiner, wird erzählt, dass er jeden morgen vor dem Frühgebet zum Himmel aufstieg. Einer seiner Gegner lachte darüber und legte sich vor Morgengrauen auf die Lauer. Da sah er: Der Rabbi verließ als Holzknecht verkleidet sein Haus und ging zum Wald. Der Gegner folgte ihm von weitem. Er sah den Rabbi Holz fällen und in Stücke hacken. Dann lud der Rabbi sich das Holz auf den Rücken und schleppte es in das Haus einer armen alten kranken Frau. Der Gegner spähte durch das Fenster, und er sah den Rabbi auf dem Boden knien und den Ofen anzünden. Als die Leute später den Gegner fragten, was es denn nun auf sich hätte mit der täglichen Himmelfahrt, sagte er: Er stieg noch höher als bis zum Himmel.

Hier ist der Segen Christi gegenwärtig und er ist gegenwärtig, wo wir uns ihm anvertrauen.

Wenn die Jünger sich freuen, dann geht ihrer Freude die Geschichte des Abschieds voraus. Nun aber zeigt die Freude, dass im Abschied von Jesus ein Segen lag. Mit dem Abschied kann zu blühen beginnen, was in den Jahren der gemeinsamen Beziehung wuchs.

Ein Abschied, in dem Segen liegt, der wäre manchem irdischen Abschied zu wünschen. Die Jünger jedenfalls preisen Gott im Tempel. Was sie von Jesus empfangen hatten, das geben sie weiter. Segen, der Segen gebiert!

Der Herr segne euch!

Pfarrerin Susanne Peters-Streu

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