ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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23.5.2019

Jesus auf dem Palmesel
Gedanken zum Palmsonntag

von Lutz Poetter

Der messianische Einzug Jesu in die Hauptstadt wird von allen vier Evangelisten beschrieben. Matthäus schildert im 21. Kapitel:

"Und als sie sich Jerusalem näherten und nach Betphage am Ölberg kamen, da entsandte Jesus zwei Jünger und sprach zu ihnen: 'Geht in das Dorf, das vor euch liegt, und gleich werdet ihr die Eselin angebunden finden und ein Füllen bei ihr. Bindet sie los und bringt sie mir.
Und wenn jemand etwas zu euch sagt, so antwortet: Der Herr braucht sie. Dann wird er sie sogleich freigeben.' Dies aber ist geschehen, damit das Wort des Propheten erfüllt wurde: 'Sagt der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir, sanftmütig und reitend auf einer Eselin und auf einem Füllen, dem Jungen des Lasttiers.'

Die Jünger gingen hin und taten, wie Jesus ihnen aufgetragen hatte. Sie brachten die Eselin und das Füllen, legten ihre Mäntel darüber, und er setzte sich darauf. Die übergroße Volksschar aber breitete ihre Kleider auf dem Weg aus, andere hieben Zweige von den Bäumen und streuten sie auf den Weg. Und die Scharen, die ihm vorausgingen und nachfolgten, riefen: 'Hosianna dem Sohne Davids. Gepriesen der da kommt im Namen des Herrn. Hosianna in der Höhe!"

Jesus wurde von den Einwohnern Jerusalems als Gesalbter Gottes und Friedensfürst begrüßt. Der Esel galt als königliches Lasttier, die Palmen wurden als Symbole für Frieden und Sieg geschwenkt.

In der Liturgie des "Palmensonntags" feierte die christliche Kirche den messianischen Triumphzug Jesu Christi als des Erlösers, das Fest seiner Königsherrschaft auf dem Weg zum Kreuz. Zu diesem Fest gehörten Prozessionen. Schon im 4. Jahrhundert sind Palmprozessionen in Jerusalem überliefert. Während des Mittelalters breitete sich dieser Brauch über die ganze Christenheit aus.

Ursprünglich ritt wohl ein Priester auf einem echten Esel in der Prozession. Später wurden holzgeschnitzte "Palmesel" mitgeführt, die an den anderen Tagen des Jahres ihren festen Platz im Kirchenraum hatten. Allmählich setzte sich das Mitführen von hölzernen Palmeseln mit darauf sitzender Christusfigur durch. Der Prozessionswagen mit der Figurengruppe wurde an Stricken vor der Volksmenge hergezogen. Die Palmzweige, die den Weg säumten oder auf ihm lagen wurden bei uns im Norden durch Weiden- und Haselruten ersetzt.

Die ältesten erhaltenen Palmesel stammen aus der Zeit um 1200. Mit der Reformation verlor der Brauch seine Beliebtheit, im Zeitalter der Aufklärung wurden die Palmeselprozessionen völlig eingestellt.

Den abgebildeten Palmesel mit der auf ihm reitenden Christusfigur fotografierte ich im Germanischen Museum Nürnberg. Hier befand sich um das Jahr 1500 die Werkstatt des Bildhauers, Malers und Kupferstechers Veit Stoß. In seiner Werkstatt entstanden die beiden Figuren, die Eselin und ihr Reiter, wohl unter seiner Anleitung von der Hand eines Schülers aus Lindenholz geschnitzt. Die während einer Restaurierung in der Nähe abgelegte Gestalt des Gekreuzigten gilt als eigenhändiges Werk des Meisters Veit Stoß, gearbeitet zwischen 1505 und 1510.

Auch am diesjährigen Palmsonntag feiern wir den Einzug Jesu in Jerusalem. Im Gottesdienst in der Petruskirche werden die Bilder vom Christus auf dem Palmesel zu sehen sein.

Fotos: Lutz Poetter