ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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22.3.2019

Monatsspruch März

von Pfarrer E-Mail

Liebe Gemeinde,
der Evangelist Johannes beschreibt in wenigen Worten einen schwierigen Lernprozess der ersten Christengeneration. Die Nachfolger des Jesus von Nazareth mussten mühsam und voller Angst begreifen, was allen ihren Hoffnungen und Erwartungen zuwider lief. Sie alle hatten ihr altes Leben für ihn zurück gelassen. Sie waren bereit, mit Jesus neue Wege zu gehen, ein neues Leben zu führen. Sie waren bereit, alles mit ihm und für ihn zu tun. Nur auf den frühen Tod ihres Herrn waren sie nicht vorbereitet.

Ihr habt nun Traurigkeit

Alle vier Evangelien bezeugen, dass Jesus im engsten Kreis der Jünger seinen baldigen Tod vorausgesagt hat. Die Jünger aber konnten seine Worte nicht ertragen, wehrten sich heftig gegen solche Vorstellungen. Wie sollte ihr geliebter Herr und Meister sterben wollen? Seine Worte hatten doch ihre Wirkung entfaltet im ganzen Volk Israel. Wo Jesus auftrat, geschahen Wunder, wurden Menschen gesund, befreit, getröstet und voller Erwartung.... Seine Reich-Gottes-Bewegung nahm zu, die Begeisterung der Bevölkerung kannte keine Grenzen. Besonders deutlich wurde dies beim Einzug Jesu in die heilige Stadt Jerusalem: Auf einer geliehenen Eselin ritt er durch das Stadttor ein. Die Bewohner der Davidstadt bereiteten Jesus als Davidsohn einen wahrhaft königlichen Empfang – sie schwangen Palmblätter und breiteten ihre Kleider vor ihm aus. Von der Hauptstadt aus eröffneten sich völlig neue Möglichkeiten, nachdem Jesus in der Provinz überall Aufsehen erregt hatte als Verkünder des Neuanfangs, als Heiler und Prophet. Die Zukunft erschien glänzend, die Aussichten erfolgversprechend. Endlich würden sich die Mühen der letzten Jahre auszahlen, Jesus würde nun die Position einnehmen, die ihm als dem Gesandten Gottes zustand. Ein wahrer König stand kurz vor seiner Inthronisation...Und die Jünger freuten sich wohl schon darauf, bei diesem Triumph ihres Herrn und Meisters dabei zu sein und die angemessenen Positionen in seiner neuen Ordnung zu besetzen.

Ich will euch wiedersehen

Durch seine Abschiedsworte stürzte Jesus seine Begleitern in tiefe Verzweiflung. "Ich muss euch verlassen, der Tod wird uns trennen, aber es gibt ein Wiedersehen!" Abschiedsgedanken, Todesvisionen mitten in dieser hochgespannten Heilserwartung? Der Anbruch einer neuen Ära vollzog sich vor den Augen der Jünger – und der Anfänger und Vollender dieser neuen Zeit sprach plötzlich von seinem bevorstehenden Sterben? Die Jünger waren außer sich: Ist ihr Herr und Meister etwa von einer unerklärlichen Todessehnsucht befallen? Sicherlich war den Jüngern klar, dass sich Widerstand formierte gegen die Jesus-Bewegung. Einflussreiche Kreise in Religion, Kultur und Politik fürchteten die allgemeine Begeisterung für den Wundertäter aus Galiläa. Die Erschütterungen der Makkabäeraufstände bebten nach. Der Hohe Rat befürchtete einen jüdischen Volksaufruhr und als Folge blutige Strafexpeditionen der römischen Besatzungsmacht. Aber es müsste ja nicht zum Äußersten kommen. Sicherlich gab es einen friedlichen Ausweg. Jesus von Nazareth sollte Israels Herrscher sein, ein König der Herzen, ein Friedefürst, kein Partisanenführer gegen römische Legionäre. Mit der Verhaftung Jesu, seiner Verurteilung und Hinrichtung brach für die Jünger alles zusammen, sie flohen in heller Aufregung. Ihr Herr und Meister war hingerichtet worden, tot, begraben... Aus und vorbei.

Euer Herz soll sich freuen

Die Wiedersehensfreude war anfänglich verhalten: Erste Berichte über die angebliche Auferstehung und Rückkehr Jesu ins Leben erschienen seinen engsten Vertrauten als reine Hirngespinste, geboren aus den Fieberträumen vom Leid überwältigter Seelen. Erst allmählich bildete sich die Erkenntnis heraus: Der Tod hat doch nicht das letzte Wort, Golgata und das leere Grab, Kreuzigung und Auferweckung gehören zusammen in der geheimnisvollen Geschichte Gottes mit seinem Sohn Jesus. Mitten in Ängsten und Zweifeln keimte Hoffnung auf, dass es wahr sei: Der Auferstandene lebt mitten unter uns, er ist durch den Tod ins neue Leben gegangen, Christus hat den Sieg errungen über die finsteren Todesmächte.

Eure Freude soll niemand von euch nehmen

In den drei ähnlich erzählenden Evangelien Matthäus, Markus und Lukas finden wir deutliche Anklänge an den Menschen Jesus von Nazareth, Sohn eines Zimmermanns, den "historischen Jesus". Die Erinnerung an ihn ist geprägt vom Glauben der frühen Christen, dass der Gott Israels diesen Menschensohn zum Messias-Christus bestimmt hat, zum Heiland der Welt. Die drei synoptischen Evangelien bewahren die Erinnerung an das Ringen Jesu mit seinem Auftrag und auch seine Angst vor der Hinrichtung. Eine anrührende Szene schildert Jesu Gebet im Garten Gethsemane: "Wenn es möglich ist, himmlischer Vater, lass diesen Kelch des Leidens an mir vorbei gehen! Aber nicht mein Wille, sondern dein Wille geschehe!"

Eine Generation später verfasste Johannes sein eigenes Evangelium. Er schrieb in der Überzeugung, dass er die Heilsgeschichte Jesu Christi im Licht der Auferstehung noch einmal anders darstellen musste. "Im Anfang schuf Gott das Wort..." Sein Christus des Glaubens ist ganz und gar messianischer Gottessohn, die Konturen seiner irdischen Herkunft verblassen in diesem überirdischen Glanz.

"Er ist gekommen, er ist für uns gestorben, Gott hat ihn auferweckt." So lautet die Botschaft der Evangelien. Ihre Wahrheit erweist sich im Glauben. Ohne Glauben gibt es also keine Auferstehung.

Lutz Poetter