Evangelische Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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15.11.2019

Passion

von E-Mail


Foto: Michael Busch

Das Kreuz als Symbol ist älter als das Christentum und war schon in der Frühzeit der Menschheit ein Kultgegenstand, dessen Bedeutung weitestgehend im Dunkeln liegt.

Seine eigentliche religiöse Bedeutung hat das Kreuz aber erst durch den Kreuzestod Jesu und sein Leiden erhalten.

Aber gerade dieser Gedanke, dass der Gott der Liebe seinen eigenen Sohn zu Tode bringen lässt, ist vielen Menschen unerträglich. Dass der gekreuzigte Christus vielen ein Ärgernis und eine Torheit ist, davon wusste bereits der Apostel Paulus zu berichten (1. Korinther 1, 23).

Du großer Schmerzensmann,
von Bütteln krumm geschlagen:
– schaust uns von Fotos an,
so oft in unsern Tagen.
Du leidest Seelenqual,
Verfolgung, Angst und Hohn,
Und wir vergessen dich
nach paar Minuten schon.
Du blasse Schmerzensfrau
entwurzelt und gestrandet,
nach langem Leidensweg
nun auf dem Strich gelandet.
Die Augen blicken leer,
zerstochen Arm und Hand.
Die Armut trieb’ dich ab
aus deinem Heimatland.
Du dürres Schmerzenskind,
seh dich am Boden liegen.
Dein Mund zu schwach zum Schrein,
dein Kopf besetzt von Fliegen.
Rettung ist nicht in Sicht.
Du lebst am falschen Fleck.
Die Rüstung, die uns drückt,
frißt dir das Breichen weg.
Du armes Schmerzenstier,
in den Labors getestet.
Für unsern Appetit
auf engstem Raum gemästet.
Vergiftet und bestrahlt,
gestreßt die ganze Zeit,
entseelt und ausgelöscht
für unsre Sicherheit.
Ach Jesu, immerfort
wirst du ans Kreuz geschlagen.
Hier und an jedem Ort,
heut und an allen Tagen.
Und wer bin ich dabei?
Der in der Menge steht?
Der dich nicht kennen will?
Der stumm vorübergeht?

Text: Gerhard Schöne

Das Leiden Jesu am Kreuz von Golgatha ist ein Ereignis, das Menschen bis heute auf Distanz zum Christentum gehen lässt.

Denn Leid wird für den, der aufmerksam lebt, sehr viel sichtbar und hörbar in unserer Welt, oft so viel, dass es kaum zu ertragen ist. Da ist der Wunsch, Gott möge die Dinge anders regeln und ordnen als durch diesen schmählichen Tod, sehr verständlich.

Aber gerade das Leiden Christi am Kreuz lenkt unseren Blick auf den Gott, der an und in der Welt mit leidet. Das Leiden Christi ist deshalb die tiefste Teilnahme Gottes an dieser Welt und sein Tod ist kein Menschenopfer, das ein grausamer Gott fordert.

Hinter den vielen Kreuzen, die wir selbst errichten oder ertragen, die wir selbst erleben oder mit unseren Händen nachzeichnen, steht das eine Kreuz Christi, von Gott in unsere Welt gestellt, als Symbol des Mit-Leids.

Somit ist das Kreuz vor allem zum Zeichen der Hoffnung geworden. Einer Hoffnung, die aus der tiefsten Tiefe des Elends geboren wird.

Hoffnung im Angesicht des Kreuzes, das heißt Widerstand des Lebens gegen den Tod, der nicht erst ein Ereignis am Ende des Lebens ist. Und Hoffnung ist nicht Vertröstung auf ein besseres Jenseits.

Hoffnung im Zeichen des Kreuzes zeigt sich dort, wo der wirtschaftliche Tod derer, die man verhungern lässt, der politische Tod der Unterdrückten, der soziale Tod der Behinderten, Kranken und Pflegebedürftigen, der laute Tod der Bomben überwunden wird. Lebendige Hoffnung im Zeichen des Kreuzes ist Leidenschaft für das Leben und gelebter Protest gegen den Tod.

Pfarrer Michael Busch

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