ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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18.3.2019

Monatsspruch Februar

von Pfarrerin Susanne Peters-Streu

Beten, das ist ein langes, tiefes Reden mit Gott. Es ist ein Stoßseufzer im Alltag.

Das Gebet ist der Weg, auf dem sich durch alle Zeiten Menschen zu und an Gott gewandt haben. Wer betet, redet mit Gott. Beten begegnet uns als eine selbstverständliche Ausdrucksform des Glaubens, so selbstverständlich, dass es ursprünglich in Israel kein Wort für "beten" gegeben hat. Beten war ein Rufen, Frohlocken, Lachen, Weinen, Schimpfen, Flehen – je nach Umständen.

Beten ist aber auch nicht nur reden, beten ist auch stille werden vor Gott und in ihm. Beten gibt es auch in und mit Zweifeln: "Hört Gott denn? Wird er antworten? Werde ich das erkennen in meinem Leben?"

Beten geschieht mit dem Wissen und Verstehen, dass es nicht dadurch wahr und richtig wird solches zu tun, dass sich meine Wünsche und Träume erfüllen. Es ist ein Einüben in das Vertrauen, dass Gott uns Menschen, seinen Geschöpfen und seiner Schöpfung treu ist. Mein Beten erinnert Gott an seine Zusage, es ringt mit ihm und will nicht die Hoffnung zwischen den Fingern zerrinnen lassen. Im Gebet strecke ich mich aus nach dem Vertrauen auf unverlierbare Hoffnung. Das Beten hält die Zukunft offen und rechnet mit Gott, sozusagen ein "Dennoch" gegen die oft auswegslos scheinende Situation, ein Versuch des Glaubens.

Uns Menschen mag es mit dem Beten sehr verschieden gehen. Wir haben einen Zugang oder es ist uns fremd und unverständlich, wir wissen nicht wie wir beten können. Jesus lehrt seine Freunde beten, nicht mit vielen Worten, denn Gott weiß, was wir bedürfen. Jesus selbst betet immer wieder. Er zieht sich zurück an einsame Orte, um zu beten.

Beten ist für Menschen ein Ausdruck, dass sie noch etwas erwarten, es holt mich aus meiner Passivität, es verändert mich und verbindet mich mit anderen Menschen und mit Gott.

Der russisch-orthodoxe Priester Metropolit Anthony erzählt: "Ich erinnere mich, dass unter den ersten Ratsuchenden, die nach meiner Priesterweihe zu mir kamen, eine alte Dame war, die klagte: 'Vierzehn Jahre habe ich fast ununterbrochen gebetet, doch nie habe ich ein Gefühl der Gegenwart Gottes gehabt.' Da fragte ich sie: 'Haben sie ihm Gelegenheit gegeben, ein Wort einzuwerfen?' 'Wie das?' entgegnete sie. 'Nein, ich habe die ganze Zeit zu ihm gesprochen, ist das etwa nicht Beten?' 'Nein', sagte ich, 'ich glaube nicht, und was ich ihnen empfehle, das ist, dass Sie sich täglich eine Viertelstunde Zeit nehmen sollten, einfach dasitzen und vor dem Angesicht Gottes stricken.' So machte sie es. Und was war das Ergebnis? Schon bald kam sie wieder und sagte: 'Das ist merkwürdig... Wenn ich zu Gott bete, genauer, wenn ich zu ihm spreche, fühle ich nichts, doch wenn ich still dasitze, ihm gegenüber, dann fühle ich mich in seine Gegenwart eingehüllt.'"

Man wird nie imstande sein, wirklich und aus ganzem Herzen zu Gott zu beten, wenn man nicht lernt, zu schweigen und sich an dem Wunder seiner Gegenwart zu erfreuen oder, anders gesagt, glücklich zu sein über das Wunder des Zusammenseins mit ihm, obgleich man ihn nicht sieht.

Und Sören Kierkegaard schreibt:

Als mein Gebet immer andächtiger und innerlicher wurde,
da hatte ich immer weniger und weniger zu sagen.
Zuletzt wurde ich ganz still.
Ich wurde, was womöglich ein größerer Gegensatz zum Reden ist,
ich wurde ein Hörer.
Ich meinte erst, beten sei reden.
Ich lernte aber,
dass beten nicht nur schweigen ist,
sondern hören.
So ist es: Beten heißt nicht,
sich selbst reden hören,
beten heißt still werden und still sein
warten, bis der Betende Gott hört.

Der Monatsspruch für den Februar erinnert mich an das "Dennoch", das für mich im Beten liegt. Und dennoch bleibe ich stets an dir.

Beten ist für mich ein einüben ins Gottvertrauen. Dann erfahre ich wie ein Geschenk, Gott lässt mir Leben zuteil werden, nicht immer so wie ich es erwarte, aber so, dass ich getrost und mit Lob und Dank staunend sagen kann: "Die Güte des Herrn ist's, dass wir nicht gar aus sind, seine Barmherzigkeit hat noch kein Ende, sondern ist alle Morgen neu und deine Treue ist groß." (Klagelieder 3, 22)

Pfarrerin Susanne Peters-Streu