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ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf > Gemeindebrief > Archiv > November 2007 |
27.5.2012 |
1. Befiehl du deine Wege 2. Dem Herren mußt du trauen, 3. Dein' ew'ge Treu' und Gnade, 4. Weg' hast du allerwegen, 5. Und ob gleich alle Teufel 6. Hoff, o du arme Seele, 7. Auf, auf, gib deinem Schmerze 8. Ihn, ihn laß tun und walten, 9. Er wird zwar eine Weile 10. Wird’s aber sich befinden, 11. Wohl dir, du Kind der Treue! 12. Mach End', o Herr, mach Ende Ob wir uns diesen Worten des Liedes von Paul Gerhardt anvertrauen können, wenn wir am Ewigkeitssonntag im Gottesdienst die Namen der Verstorbenen des vergangen Kirchenjahres aus unserer Gemeinde verlesen? Am Sterbebett meiner Mutter haben wir diese Liedstrophe aus dem schönen Lied von Paul Gerhardt gesprochen. Mein damaliger Gemeindepfarrer war nachts um 23.00 h noch ins Krankenhaus gekommen. Er wusste von uns, dass Mutter im Sterben lag, alles war sehr schnell und plötzlich gekommen und war für uns noch gar nicht zu fassen. Als er sich ihr zuwandte und diese Liedstrophe sprach, da wurde sie ganz ruhig. Es war als könnte sie getrost loslassen, lassen was sie hielt und sich in das hinein geben, was geschah und kam. Die Worte des Liedes galten ihr und uns gleichermaßen. In ihrem Sterben und in unserem Abschiednehmen war ein Hingehen zu dem, der für uns sorgt im Leben und im Sterben. Ich habe erlebt, dass sich unsere Mutter Gott anvertrauen konnte, dass sich mit diesen Worten für sie ein Weg auftat, auf dem sie gehen konnte. Und für uns, die wir so traurig waren, lag in diesem Lied ein Greifen nach der Hoffnung, dass es auch für uns Wege geben wird, auf denen wir weiter gehen können. Es war ein tröstliches Erleben. Trotzdem hat es lange gedauert, den Verlust, den Abschied so zu nehmen, dass er eben zum eigenen Leben gehört. Das ist jetzt neunzehn Jahre her, aber wenn wir auf den Ewigkeitssonntag zu gehen und damit die Zeit des Gedenkens an unsere Verstorbenen kommt, ist mir diese Szene immer nah und sehr deutlich vor Augen. Das Krankenbett im Besuchszimmer der Station, der Weihnachtsbaum stand schon, es war Adventszeit – und dieses Lied. ![]() Fotos: Lutz Poetter Wir Menschen brauchen Worte, Lieder, Gebete, die über uns hinausweisen, die das eigene Erleben in einen größeren Zusammenhang stellen. Worte, die uns im Herzen bewegen. Worte, die uns gewissermaßen zu einem Geländer werden, an dem wir Halt finden beim Wandern auf unserem Lebensweg. Das Lied von Paul Gerhardt kann so ein Geländer sein. Beim Sterben haben wir unausweichlich vor Augen, wie uns alles Tun aus der Hand genommen ist. Wir können nur hinnehmen und annehmen, was wir erfahren. Im Lied von Paul Gerhardt geht es um Tun und Lassen. Für uns sind dies oft krasse Gegensätze, entweder ich tue etwas, oder ich lasse es. Paul Gerhardt hält diese beiden Haltungen beieinander. Er wirbt darum, befreit zu tun, was möglich ist, aber eben auch loslassen, was nicht in der eigenen Hand liegt. Das Lassen und Loslassen ist eine hohe Lebenskunst. Es meint ja etwas anderes als gleichgültig sein. Beim Abschied von Menschen, beim Sterben, spüren wir, wie sehr es ums Lassen, ums Loslassen geht und erfahren, was für ein langer Weg es sein kann, das Loslassen im Leben einzuüben. Vielleicht kann das Loslassen nur gelingen, wenn ich mich auf Gottes Güte und Treue einlassen und damit verlassen kann. Wenn ich darauf vertraue, dass der geliebte Mensch nun bei Gott geborgen ist. "Mit Sorgen und mit Grämen und mit selbst eigener Pein lässt Gott sich gar nichts nehmen, es muss erbeten sein." Paul Gerhardt spricht an, wie mit Sorgen und Grämen die Last größer wird, und er lädt ein, Gott zu trauen, sich seiner Güte, Treue und Stärke anzuvertrauen. Dieses Lied redet uns gut zu! Mit jeder Strophe wirbt es wieder, sich mit allem Schwerem Gott anzuvertrauen; "Auf, Auf gib deinem Schmerze und Sorgen gute Nacht, lass fahren was das Herz betrübt und traurig macht...". Er nimmt auch unserer Fragen nach Gott auf, unserer ungeduldiges oder zweifelndes Warten, wenn er dichtet; "Er wird zwar eine Weile mit seinem Trost verziehn und tun an seinem Teile, als hätt in seinem Sinn er deiner sich begeben und sollt'st du für und für in Angst und Nöten schweben, als frag er nichts nach dir." Und dann in der nächsten Strophe kommt der Zuspruch "... er wird dein Herze lösen von der so schweren Last..." . Die Traurigkeit zu tragen geht manchmal bis an die Grenze unserer Kraft oder über sie hinaus, dann bleibt die Bitte der letzten Strophe, "Mach End , o Herr mach Ende mit aller unser Not; stärk unsere Füß und Hände und lass bis in den Tod uns allzeit deiner Pflege und Treu empfohlen sein, so gehen unsere Wege gewiss zum Himmel an." Mit den Worten seines Liedes ringt Paul Gerhard darum, dass der Mensch in aller Traurigkeit, wieder Hoffnung und Zuversicht schöpft, sich des Tuns Gottes in seiner Treue erinnert. Vielleicht kommen die Worte des Liedes für uns Menschen heute aus einer fremden Welt, aber es sind Worte, die viele Menschen vor uns getröstet haben. Vielleicht wird es gut, wenn wir diese Worte gemeinsam singen am Ewigkeitssonntag im Gottesdienst, denn manchmal erreichen uns Worte, die wir singen tiefer in unser Seele, als wenn wir sie nur mit dem Verstand erfassen wollen. Ich wünsche ihnen allen in diesen Tagen des Gedenkens die Zuversicht, die Paul Gerhardt mit seinem Lied weiter gibt, lassen sie sich einladen und zusprechen, "Hoff, so du arme Seele, hoff und sei unverzagt! Gott wird dich aus der Höhle, da dich der Kummer plagt, mit großer Gnade rücken; erwarte nur die Zeit, so wirst du schon erblicken die Sonn der schönsten Freud." Pfarrerin Susanne Peters-Streu
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