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17.7.2019

Elisabeth von Thüringen
Annäherung an eine Heilige und die Orte ihres Lebens und Wirkens (Teil 2)

von Torsten Lüdtke

In diesem Jahr jährt sich die Geburt der Elisabeth von Thüringen – der heiligen Elisabeth – zum 800. Male. Viele Institutionen – darunter auch die Landeskirchen von Thüringen und Hessen – haben aus diesem Anlaß das Jahr 2007 zum "Elisabethjahr" erklärt. Unzählige Veranstaltungen und Vorträge, mehrere Ausstellungen widmen sich dieser großen und großartigen Frau, die als Heilige von Deutschen und Ungarn verehrt wird. Doch wer war Elisabeth eigentlich? Wo hat sie Spuren hinterlassen – was wissen wir über sie ?

Die Elisabethkirche in Marburg

Die Landgrafenwitwe hat es schwer, sich gegen die Verwandten Ludwigs zu behaupten. Von der Wartburg durch Heinrich Raspe, den Bruder und Nachfolger des Ludwig IV. vertrieben, sucht Elisabeth sich zunächst in Eisenach niederzulassen, doch fand sie dort nirgends Aufnahme; sogar das von ihr gegründete Franziskanerkloster wies sie ab.

Nach Monaten, die Elisabeth teils bettelnd, teils in unwürdigen Herbergen zubrachte, langte sie schließlich in Marburg an, wo sie bis zu ihrem Tod blieb. Elisabeth hatte schon vor dem Tode ihres Mannes ein weitreichendes Gelübde gegenüber Konrad von Marburg abgelegt, das in vielem weit über das übliche Maß der Bindung einer Adligen an ihren Beichtvater hinausging: Sollte Ludwig sterben, wollte sie auf eine erneute Heirat verzichten und keusch leben. Außerdem gelobte sie Konrad unbedingten Gehorsam. In Marburg angekommen, schwor sie den weltlichen Dingen ab und trennte sich auch von ihren Kindern. Konrad von Marburg konnte durchsetzen, daß ihr aus ihrem Erbe eine hohe Abfindung gezahlt sowie die lebenslängliche Nutznießung landgräflicher Ländereien bei Marburg zugesichert wurde. Das Passional schreibt:

"Da gab man ihr zehentausend Mark. Des ward sie gar froh, und hieß ausschreien, wer in zweien Meilen Weite das Almosen nehmen wölle, der sölle kommen. [...] Dann fuhr Sankt Elsbeth heim, und bauet ein großes Spital, darauf verbauet sie fünftausend Mark, und hätt fünftausend Mark den Armen aus geben. Und nahm in das Spital siebenundzwanzig kranker Menschen, die pflegte sie und ließ in dem Spital auch Meß lesen durch einen Priester."

Die Kapelle des Hospitals, In der der Priester die Messe las, war dem heiligen Franziskus geweiht, und damit die erste dem Franziskus geweihte Kirche nördlich der Alpen. Im Herbst 1228 trat sie in den geistlichen Stand und empfing das graue Armutsgewand aus der Hand Konrads. Als "soror in saeculo" – Schwester in der Welt – pflegte sie im Hospital gemeinsam mit wenigen Helferinnen und Helfern allein stehende Kranke jeden Alters. Unter dem Leitsatz "Wir wollen die Menschen fröhlich machen" kümmerte sie sich besonders um Menschen, die von Aussatz und Krätze befallen waren.

Zur Hebung der wirtschaftlichen Grundlage des Hospitals konnte Konrad von Papst Gregor IX. einen Ablass für die Franziskuswallfahrt zur Hospitalkirche erwirken, so dass neben dem Witwengeld und den wechselnden Einkünften aus den Marburger Ländereien auch auf Einnahmen aus Spenden zurückgegriffen werden konnte. Nach drei Jahren rastloser und aufopferungsvoller Tätigkeit starb Elisabeth 1231 nach vierzehn Tage währender, schwerer Krankheit.

1235 wurde Elisabeth durch Papst Gregor IX. – einen Studienfreund Magister Konrads – heilig gesprochen. Im selben Jahr fiel das von Elisabeth gegründete Hospital in Marburg an den Deutschen Orden, der ab 1235 auf Initiative des Schwager Elisabeths, Konrad (*1206/07, †1240; Hochmeister seit 1239/40) eine Kirche zu Ehren der frisch kanonisierten Heiligen errichten lässt. Bis 1283 entsteht über dem Grab der Heiligen die Elisabethkirche, die im Hochmittelalter eine der bedeutendsten Wallfahrtsstätten des Abendlandes darstellte. In der Weiterentwicklung des Vorbildes der französischen Kathedrale schufen die Baumeister die erste rein gotische Kirche (Typus der gotischen Hallenkirche) im deutschen Raum. Im an das nördliche Seitenschiff anschließenden Elisabethchor findet sich das prachtvolle, von einem farbig gefassten Baldachin bekrönte Grab Elisabeths. In den Laubwerkfriesen des Baldachins finden sich die Blätter verschiedener Heilpflanzen, die auf Elisabeths Tätigkeit in der Kranken- und Armenpflege hinweisen. Das am Sarg befindliche Relief zeigt Christus, Maria und mehrere Heilige, den Landgrafen Konrad im Deutschordenskleid als den Erbauer der Kirche sowie die geringsten Brüder Christi – einen Geisteskranken an der Kette, eine Bettlerin und einen Krüppel – wie sie die Bahre umgeben, während ein Engel Elisabeths Seele in den Himmel führt. Auf dem Wandbild oben reicht Christus Elisabeth die Krone des ewigen Lebens.

Elisabeth stellt wohl eine der außergewöhnlichsten Frauen des Mittelalters dar. In ihrem – nach heutigen wie nach mittelalterlichen Verhältnissen gemessen – kurzen Leben hat sie viel bewirkt: Als Landgräfin hat sie durch ihre Heirat geholfen, den Frieden in den deutschen Landen zu stabilisieren.Sie war Mutter und schließlich versuchte sie, ausgerichtet an den Worten der Heiligen Schrift nach dem Vorbild des Franziskus ein christliches Leben in Armut, Demut und Nächstenliebe zu. führen.

Torsten Lüdtke

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