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24.5.2019

Monatsspruch September

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Die Ferienzeit ist zu Ende. Viele Menschen befinden sich wieder an ihrem Arbeitsplatz und der Alltag ist wieder eingekehrt in das Leben. Die Leichtigkeit des Seins, die sich in der Urlaubszeit spiegelt und die uns die Seele baumeln ließ, ist vielerorts wieder der Realität gewichen.

Wo aber findet diese "Seele" eigentlich in unserem Alltag ihre Ruheplätze? Viel wichtiger aber ist vielleicht noch die Frage: Was ist eigentlich unsere Seele?

Seele, – das ist ja ein beinahe altmodisches Wort. Aber es umschreibt etwas für unser Leben unendlich Wichtiges. Seele, so lässt es sich vielleicht kurz beschreiben, ist eine vielschichtige, aber in jedem Falle lebendige Wirklichkeit in uns. Sie hat zu tun mit dem „Lebensatem“, den nach uralter biblischer Überlieferung Gott dem Menschen in die Nase geblasen hat und der uns erst zu lebendigen Wesen macht. So können wir es in der Schöpfungsgeschichte in dem zweiten Kapitel der Bibel lesen.

Das hebräische Wort (näfäsch), das in das in deutschen Übersetzungen in der Regel mit "Seele" übersetzt wird, bedeutet ursprünglich "Kehle". Die Kehle steht als Symbol für den bedürftigen, sich nach Leben sehnenden Menschen. Das ist nicht dasselbe, was in späteren Zeiten die griechischen Philosophen unter "Seele" verstanden haben.

Diese Tatsache muss mitbedacht werden, wenn der Blick auf den Monatsspruch fällt, in dem der Jude Jesus von Nazareth sagt: "Was hilft es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt und nimmt doch Schaden an seiner Seele?"

Dieses "In-Gott-Atmen" zu verlieren wiegt nicht auf, die Welt zu gewinnen. Und doch ist es gar nicht so leicht, diese Einsicht für uns konkret zu machen. Die Welt gewinnen wollen, - das ist doch ehrlicherweise ein urmenschliches Verlangen! Politik und Wirtschaft sind davon getrieben. Die Wissenschaft jagt dem nach. Und jeder und jede von uns sind doch auch selber ehrlicherweise darum bemüht, das Leben in den Griff zu bekommen.

Da haben wir teil am Zeitgeist: Wachstumsraten und Konsumsteigerung sind erstrebenswerte Ziele. Ein Gesundheits- und Fitnesswahn erfreut sich weiter Verbreitung. Die Werbung verspricht Lebenssteigerung um und für jeden Preis. Kurzum: Es gilt, das Leben in den Griff zu bekommen. Und die Versprechungen, dass dies auch gelingt, sind zahlreich.

Und dennoch wissen wir alle aus eigener Erfahrung: Es gibt doch Lebensphasen, wo das nicht gelingt. Aber gerade Zeiten, in denen das Leben nicht gelingt, sind oft voller tiefer Gotteserfahrungen. Wirklich reich in unserem Leben sind manchmal gerade in den Zeiten, in denen wir das Leben nicht im Griff hatten oder haben. Dann waren oder sind wir Gott näher als in Zeiten, wenn alles glatt ging. Die Seele wird reich in Zeiten, in denen wir gefordert sind.

Das sind Zeiten, in denen Raum ist für den Atem Gottes. In diesem Raum ist die Seele frei von der Tyrannei des gelingenden Lebens.

Einfacher, und ein Stück plakativer, könnte ich es auch so sagen: Wir leben gegenwärtig in einer Welt des Machens.

Jesu Wort vom Nichtverlieren der Seele erinnert daran, dass nicht alles machbar ist. Es ist nicht alles in den Griff zu bekommen. Wir können uns unseres Lebens nicht selbst versichern. Mit allem, was unser Leben reich macht, verdanken wir uns anderen und anderem: Menschen, Umständen, Bewahrungen, Zeiten der Freude und Zeiten der Belastung. In dem allen und hinter dem allen spüren wir den Atem Gottes.

Pfarrer Michael Busch