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22.7.2019

Elisabeth von Thüringen
Annäherung an eine Heilige und die Orte ihres Lebens und Wirkens (Teil 1)

von Torsten Lüdtke

In diesem Jahr jährt sich die Geburt der Elisabeth von Thüringen – der heiligen Elisabeth – zum 800. Male.

Viele Institutionen – darunter auch die Landeskirchen von Thüringen und Hessen – haben aus diesem Anlaß das Jahr 2007 zum "Elisabethjahr" erklärt. Unzählige Veranstaltungen und Vorträge, mehrere Ausstellungen widmen sich dieser großen und großartigen Frau, die als Heilige von Deutschen und Ungarn verehrt wird. Doch wer war Elisabeth eigentlich ? Wo hat sie Spuren hinterlassen – was wissen wir über sie ?

Eine Burg in Ungarn

Das Leben der Elisabeth beginnt auf einer Burg in Ungarn; doch sind uns weder der genaue Tag noch der exakte Ort von Elisabeths Geburt bekannt, wurde doch dem Tag der Geburt vor achthundert Jahren nicht die Bedeutung zugemessen, die wir ihm heute zumessen. So wird das Geburtsjahr Elisabeths – das Jahr 1207 – aus der Angabe ihres Todesdatums errechnet: In der Nacht vom 16. zum 17. November 1231 starb sie "im 25. Lebensjahre stehend".

Der Geburtsort Elisabeths wird vielfach mit der (im heutigen Nordosten Ungarns gelegenen) Königsburg Sárospatak angegeben; es sind jedoch auch andere Orte, an denen sich ihre Eltern, König Andreas II. Von Ungarn (*um 1176, †1235) und seine, aus dem Haus Andechs-Meran stammende Frau Gertrud (†1213) oft aufhielten, als Geburtsort denkbar.

So kann Elisabeth auch in der Burg von Pozsony, der Burg von Óbuda (Altbuda, heute Teil der ungarischen Hauptstadt Budapest), oder der Burg von Prešporok (Preßburg bzw. Bratislava, heute Hauptstadt der Slowakei) geboren worden sein.


Burg Sarospatek

Elisabeths Geburt wird im Passional – einer in Augsburg im Jahr 1513 erschienen deutschsprachigen Sammlung von Heiligenlegenden – so berichtet:

"Es war ein König in Ungern, der hätt eine Fraue, die hieß Gertrud, die war von dem Lande Kärnten eine edele Herzogin und war gar weis, mild und gut. [...] In der Zeit wollt der König zu dem Kaiser reiten. [...] Also ritt der König zu dem Kaiser, der war seines Kommens froh, und hätten ein Gespräch mit einander. Und da die Nacht daher kam, daß man die Stern sah, da ging der Kaiser an sein Gemach mit dem König. Da ging der Sternseher, Klingsor hin und wartet der Gestirne Lauf, wann er war der Kunst ein Meister. Und kamen der Kaiser und die Fürsten zu ihm und fragten, was er sähe. Da sprach er: 'Ich seh einen schönen Stern, der leuchtet von Ungern bis gen Marburg und in alle diese Welt. Darum seid froh der guten Mär, wann der Stern bedeutet, daß die Königin von Ungern ein sälig Töchterlein empfahen hat. Das wird groß vor Gott, und des Kindes Lob und Heiligkeit wird nichts gleich sein in dieser Zeit.'"

Die Weissagung des berühmten Magiers und Sterndeuters Klingsor "von Ungarland", der auch den mythischen Sängerkrieg auf der Wartburg entschieden haben soll, ist auch in den zwischen 1902 und 1906 geschaffenen Mosaiken in der Elisabeth-Kemenate auf der Wartburg dargestellt.

Im Alter von vier Jahren wird Elisabeth zum Spielball der hohen Politik: Landgraf Hermann hatte im Kampf der Welfen mit den Staufern um den Kaiserthron immer wieder die Seiten gewechselt. 1211 unterstützte er den Barbarossa-Enkel Friedrich II. bei seiner Bewerbung um die deutsche Königskrone. Um den Machtanspruch des Landgrafen Hermann und der staufischen Sache zu untermauern, wurde sie – die Königstochter und Nichte der polnischen Königin Hedwig – mit dem Sohn des Landgrafen verlobt. Elisabeth muß ihre Eltern und ihre Heimat Ungarn verlassen; nur eine Amme begleitete sie auf ihrer Reise nach Thüringen, wo sie nach langer und beschwerlicher Reise eintraf.

Auf der Wartburg bei Eisenach

Auf einem nahezu uneinnehmbaren Bergkegel, von waldreichen Höhen eingerahmt, liegt oberhalb Eisenachs die Wartburg. Im prachtvollen romanische Palas hielt Landgraf Hermann I. (*um 1155, †1217; Landgraf seit 1190) als Förderer von Kunst und Kultur glanzvoll Hof: Dichter und Sänger waren häufig zu Gast am Hof. Auch wenn der sagenhafte "Sängerkrieg" so nicht auf der Wartburg stattgefunden hat, so ist doch der Einfluß des Landgrafenhofes auf die deutsche Literatur des Mittelalters nicht zu unterschätzen: Zeitweise waren am Hof bedeutende Minnesänger wie Walther von der Vogelweide oder Wolfram von Eschenbach zu Gast. Außerdem entstanden im Umkreis des Thüringer Hofes Heinrich von Veldekes Eneasroman, Wolfram von Eschenbachs Willehalm und wohl auch Teile des Parzival sowie Herbort von Fritzlars Liet von Troye. An diesen kulturell blühenden Hof wird Elisabeth zusammen mit ihrem Bräutigam, dem etwa sieben Jahre ältere Sohn des Landgrafen, Ludwig (*1200, †1227; Landgraf ab 1217), erzogen. 1221 – Elisabeth ist vierzehn – fand die Trauung mit dem seit vier Jahren als Ludwig IV. regierenden Landgrafen statt. Die Ehe scheint dem Urteil der Zeitgenossen nach glücklich gewesen zu sein; Elisabeth schenkt drei Kindern das Leben: Hermann (*1222, †1241), Sophie (*1224, †1275) und Gertrud (*1227, †1297).

Durch Bruder Rodeger lernte Elisabeth die Ideale der Franziskaner kennen. 1224 kommt es – mit dem Kloster Erfurt – zur Gründung der erste Niederlassung des Ordens in Thüringen, auf die ein Jahr später ein Kloster in Eisenach folgte, das ebenfalls vom Landgrafenpaar gefördert wurde.

1226 wurde der aus der Nähe von Marburg stammende Magister Konrad Elisabeths Beichtvater. Mit ihm trat nicht nur der in Italien ausgebildete, hochgelehrte Kleriker in das Leben Elisabeths, sondern auch der Mann, der sie bis an ihr Lebensende geistlich begleiten und führen sollte.

Als Landgraf Ludwig IV. 1227 im Gefolge des Staufers Friedrich II. zum Kreuzzug aufbrach, begleitete die hochschwangere Landgräfin ihren Mann bis nach Schmalkalden. Sie ahnte nicht, daß sie ihren Mann nicht lebend wiedersehen würde. – Landgraf Ludwig starb kurz darauf – gerade einmal 27 Jahre alt – in Ortranto an einer Seuche, kurz nach der Einschiffung nach Palästina.

Auf der Wartburg sind Szenen aus Elisabeths Leben an mehreren Orten dargestellt: in der 1906 fertiggestellten, sogenannten Elisabeth-Kemenate und der von Moritz von Schwind geschaffenen Elisabeth-Galerie. hier hat der Künstler auch das Rosenwunder, die heute wohl bekannteste Wundertat der heiligen Elisabeth, die Umwandlung von Brot in Rosen, bildlich dargestellt. In den mittelalterlichen Quellen ist das Rosenwunder nicht erwähnt; erst die Romantik hat es populär gemacht: Zwei in Rom lebende Künstler, die Gebrüder Riepenhausen, vermittelten das Motiv in den zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts nach Deutschland, wo es durch die Maler Friedrich Wilhelm Müller und Moritz von Schwind sowie den Dichter Ludwig Bechstein seine eindrückliche künstlerische und literarische Form gewann.

Die vor hundert Jahren auf Anregung Kaiser Wilhelms II. geschaffenen Mosaikbilder der Elisabeth-Kemenate zeigen jedoch die Vita Elisabeths getreu den Lebensbeschreibungen und Legenden.

Torsten Lüdtke

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