ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

Holzkirche Gemeindezentrum Celsiusstraße Gemeindehaus Ostpreußendamm
Petruskirche Gemeindehaus Parallelstraße Dorfkirche Giesensdorf

ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf > Gemeindebrief > Archiv > September 2007

16.1.2019

25 Jahre Kultur in der Petruskirche

von Erhardt Rothe


Pfr. Rolf Reisert

Der Geburtshelfer für die Kultur in der Petruskirche bestand in der finanziellen Situation. Besonders die Unterhaltungskosten für die auf dem Oberhofer Platz freistehende Kirche waren in der Relation zur Nutzung viel zu hoch. Am Anfang stand fast das Ende und so lautete der Auftrag der Gemeindeversammlung an den Gemeindekirchenrat und federführend an Pfarrer Rolf Reisert: "Rettet die Petruskirche".

Das Konzept sah vor, den zur Verfügung stehenden Raum rentabler zu nutzen, neben der Kirche für die Gemeinde sollte eine Begegnungsstätte für die Bürger der Gegend und ein Platz mit einem breiten Kulturangebot entstehen. Um diese Planungen umzusetzen, wurden einige Umbauten notwendig. Durch die Abtrennung des Raumes entstand die Winterkirche, für das Kirchenschiff wurden ein transportabler Altar und Bilderschienen mit Galeriebeleuchtung angeschafft.


Neues Konzept Petruskirche

Einbauten von sanitären Einrichtungen und Notausgängen schufen die Voraussetzung für die Durchführung unterschiedlichster Veranstaltungen. Finanziert wurde das gesamte Projekt durch den Verkauf eines Teiles des Pfarrgartens, durch großzügige Spenden und aus Veranstaltungsserlösen.

1982 nahm die Kulturgruppe ihre Arbeit auf. Während in der Realisierungsphase neben den ehrenamtlichen Helfern auch qualifizierte ABM-Kräfte zur Verfügung standen, richtete man später eine unbefristete Arbeitsstelle ein, die teilweise durch die Gründung eines Fördervereins finanziert wurde.1994 wurde diese Stelle um 50 % gekürzt. Da die kulturellen Angebote sehr bald einen größeren Rahmen annahmen, trennte man organisatorisch die Veranstaltungen von den Ausstellungen.


Kunstausstelllung 2003 Herbst-Sturm

Ein Kunstbeirat wurde gegründet, der die alle sechs Wochen wechselnden Ausstellungen moderner Kunst aussucht und betreut.

Besonders die politischen Veränderungen zum Ende des vorigen Jahrhunderts haben sich auf das kulturelle Leben in Berlin ausgewirkt. In einer Zeit schrumpfender Kulturbudgets, schließender Theater und Orchester, gelingt es der Kulturgruppe der Petruskirche fernab der Szenebezirke und der Innenstadt, trotzdem nunmehr seit 25 Jahren ein Musik- und Kinderprogramm mit mehr als 80 Veranstaltungen im Jahr auf die Beine zu stellen. Für "Kulturschaffende" ein sehr langer Zeitraum, der nur durch den Einsatz wechselnder ehrenamtlicher Helfer möglich wurde.

Im Laufe der Jahre haben sich die Bereiche Jazz, Blues und Folk zu den Schwerpunkten im Kulturangebot der Petruskirche entwickelt. Diese Musik fristet in Deutschland ein Nischendasein und vielen Künstlern ist dies auch bewusst. Indem sie konsequent ihren eigenen Weg gehen und nicht in populäre musikalische Bereiche abwandern, verschließen sie sich teilweise dem kommerziellen Markt und finden nicht das ihnen eigentlich zustehende Medieninteresse. Wer den Verlockungen des Mainstreams widersteht, muß finanzielle Abstriche in Kauf nehmen, behält aber die Kontrolle über sein künstlerisches Schaffen und wird dafür von einem kleinen, aber kompetenten Publikum belohnt und verehrt. Aus diesem Umfeld kommen die Künstler, die den Weg in die Petruskirche finden.


Die 1. Lichterfelder Jazz&Bluestage 1999

Jazz, Blues und Folk gehören nicht in ein modernes Theater oder einen mondänen Konzertsaal, die Winterkirche entspricht da schon eher einem Ort, an dem sich diese Musikrichtungen einmal entwickelt haben. Hier trennen keine sichtbaren oder unsichtbaren Grenzen den Vortragenden vom Publikum, der Künstler stellt sich seinen Zuhörern, die unmittelbar am Geschehen teilhaben und wenn der Funke überspringt, verschmelzen beide Seiten zu einer Einheit, in der die Beteiligten spüren, was sie aneinander haben und wie sehr sie aufeinander angewiesen sind.

Unter diesen Rahmenbedingungen hat die Kulturgruppe in den letzten Jahren ihr Konzept weiterentwickelt. Die Hauptlast der zu bewältigenden Aufgaben liegt heute bei Gisela Kürschner, deren hauptamtliche, halbtägige Tätigkeit bei weitem nicht ihren tatsächlichen Arbeitsaufwand widerspiegelt und einigen ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die ebenfalls einen großen Teil ihrer Freizeit für die Arbeit in der Kulturgruppe opfern. Das heißt, der Ausdruck opfern ist hier vollkommen fehl am Platz, denn mit dieser Aufgabe wird die Freizeit nicht geopfert, sondern ausgefüllt. Und hier liegt ein großer Teil des Erfolges begründet. Mit viel Engagement und Einsatz, der Liebe und Verbundenheit zur Musik werden die Veranstaltungen geplant, organisiert und die Künstler betreut. Auf diese Art sind über die Jahre Freundschaften und ein Netzwerk zwischen den Künstlern und der Kulturgruppe entstanden. Die Petruskirche wird innerhalb der Szene sehr geschätzt und hat sich in vielen Jahren einen guten Ruf erworben.

Trotz allem Engagement wäre dieser Erfolg durch die finanzielle Unterstützung des Förderkreises und unserer professionellen Werbung in Form der Flyer, der Plakate, usw. durch Reiner Kolodziej und der Gemeinde Petrus-Giesensdorf, vertreten durch den "Bluespfarrer" Lutz Poetter nicht möglich gewesen.

Nicht zu vergessen ist auch die 'Offene Kirche', die jeweils Mittwochs und Samstags von 10-13 Uhr ihre Tore öffnet und den Gästen neben einem preiswerten Frühstück auch die Gesellschaft anderer Menschen bietet. Die auch hier ehrenamtlich tätigen Damen decken mit ihren Arbeit an einem Ort der Ruhe inmitten des Trubels von "Lichterfelde-City" eine Vielzahl von sozialen Bedürfnissen ihrer Gäste ab und unterstützen damit auch die Arbeit der Kulturgruppe.

"Petruskirche für Lichterfelde" so lautete 1982 die Aufgabe und wer diese Zeilen aufmerksam gelesen hat, wird mit uns sicherlich der Meinung sein, dass diese Vorgaben ohne Abstriche auch umgesetzt wurden. Ein Ort der Begegnung für jung und alt, mit einem anspruchsvollen Kulturangebot hat die Präsenz der Petruskirche in Berlin-Lichterfelde weit über die Gemeindegrenzen hinaus bekannt gemacht.

Für die Zukunft sind keine großen Änderungen am Konzept zu erwarten. Mit der Anzahl der durchgeführten Veranstaltungen stößt die Kulturgruppe an die Grenze des Machbaren. Auch das anspruchsvolle Niveau ist nicht mehr wesentlich zu steigern. Deshalb lautet die oberste Priorität, die jahrelangen Bemühungen und Erfolge kontinuierlich zu erhalten und die wenigen vorhandenen Schwachstellen zu analysieren und auszuschalten. Schwerpunkte der musikalischen Veranstaltungen bleiben weiterhin die einmal jährlich durchgeführten "Lichterfelder Jazz- und Bluestage" (mittlerweile wurde im März die 9. Veranstaltung erfolgreich beendet), Konzerte der Reihe "Blues im Herbst" und Themenschwerpunkte wie z.B. unserer diesjährigen Sommerreihe "Somewhere over the Rainbow", die oft mit Unterstützung vom Kulturamt Steglitz-Zehlendorf durchgeführt wurden.

Unser 25-jähriges Jubiläum feiern wir am 6. Oktober in der Petruskirche. Wenn die Türen um 18.00 Uhr geöffnet werden, empfangen wir Sie mit einem Glas Sekt, Sie haben Gelegenheit etwas zu essen, sich zu unterhalten und sich über unsere Arbeit zu informieren. Um 19.30 Uhr beginnt dann ein abwechslungsreiches Programm, in dessen Mittelpunkt Künstler stehen, die uns über Jahre die Treue gehalten haben und vielen Gästen schöne Stunden bescherten. Den Anfang machen Markus Raatz, Torsten Wendorf und Friedrich Barniske vom Hot String Quintet mit Blue- und Newgrass und Western Swing, gefolgt von Michael Schall und Florian Grupp alias Schall und Hauch, die Auszüge aus ihrem umfangreichen musikalischen Kabarettprogramm zu Gehör bringen werden, sei es nun schwäbisch oder sogar hochdeutsch.

Die Nacht gehört dann dem Blues. Drei Künstler, die schon oft auf unserer Bühne Zeit und Raum vergessen ließen: Chris Rannenberg und Los Reyes Delko (Marcos Coll und Adrian Costa) werden den Abend beschließen.

Durch das Programm führen zwei Top-Solisten, die (nicht nur) auf der Bühne zu perfekter Verschmelzung gelangen, und zwar in einer derart explosiven Mischung aus Rock'n'Roll-Energie, anarchischer Comedy und knisternder Rotlicht-Erotik, dass es nicht wundert, wenn nach Ablauf des Abends das Publikum schweißgebadet zurückbleibt.


"Evi & das Tier"

Als Evi & das Tier haben sich Evi Niessner und Mr. Leu längst einen Platz ganz an der Spitze des internationalen Entertainment-Olymps erspielt, denn sie begeistern mit musikalischem und komödiantischem Talent gleichermaßen.

Evi & das Tier bieten ein Fest der Gegensätze. Da prallen Körpersprachen aufeinander, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten. Sie lasziv und elegant, er exzessiv und außer Rand und Band. Ein kongeniales Gespann, das in die Tradition der Varieté-Komik tritt und an den Slapstick-Humor eines Charlie Chaplin oder Buster Keaton erinnert.

Programmablauf

18.00 Einlass / Sektempfang und Buffet
19.30 Bühnenprogramm:
Evi und das Tier
Hot String Trio
Schall und Hauch
Chris Rannenberg
und Los Reyes Delko
dazwischen Pause mit Verlosung

Erhardt Rothe

Diese Veranstaltung wird gefördert durch Gembus-Mittel des Kultur- und Bibliotheksamts Steglitz-Zehlendorf.

zum Seitenanfang

Lesen Sie zu diesem Thema auch: