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21.1.2019

Rund um den Plauer See
Die Radtour der Fahrradwerkstatt im Gemeindehaus Parallelstraße

von Lutz Poetter

Seit 1989 besteht die Fahrradwerkstatt im Keller des Gemeindehauses Parallelstraße. Immer am Freitagabend kümmern sich Jugendliche ehrenamtlich um Ratsuchende aus der Gemeinde und ihre Räder...

Allerdings nicht am letzten Freitag im April. Da blieb die Werkstatt geschlossen, ein langes Wochenende stand bevor, sonnig und trocken: Ideale Voraussetzungen für unsere Radtour. Fahrräder sind schließlich zum Fahren gemacht. Pünktlich um 17.00 hatten wir die Räder auf dem Heckträger verstaut, dann ging es motorisiert nach Meyenburg in der Prignitz. Ziel war das großelterliche Haus meiner Frau, das wir nach zweistündiger Autofahrt erreichten. Wir kauften ein, mähten die Wiese und brachten die Grillkohle zum Glühen.

Mit dabei waren diesmal Marian, Ingenieurstudent und "Meister" der Fahrradwerkstatt, Justus, David und Jonas als "Gesellen", meine Frau Sibylle und ich als Begleitung. Marco und Roman bekamen leider nicht frei. Zu den jährlichen Radtouren laden wir die ehemaligen Leiter der Fahrradwerkstatt ein. Martin, unser Gründer – inzwischen Ingenieur im Flugzeugbau – wollte aus Oldenburg kommen, musste aber absagen. Christian – inzwischen Wasserbauingenieur in Magdeburg – machte sich per Bahn und Rad auf den Weg nach Meyenburg.

Am ersten Abend stimmten wir uns mit einem ausgiebigen Essen auf die vor uns liegenden Tage ein. Am Sonnabend fuhren wir unsere erste Tour, die dem Wochenende ihren Namen gibt: Rund um den Plauer See. Meyenburg liegt am äußersten Rand von Brandenburg. Ein paar hundert Meter nördlich beginnt Mecklenburg, 15 km sind es bis Bad Stuer am Südende des Plauer Sees. Der Weg am Seeufer führt über Wurzeln und Sand durch Waldgebiete, es geht dauernd auf und ab... Am Nachmittag genehmigten wir uns eine ausgiebige Rast am Ufer des kristallklaren Drewitzer Sees bei Alt-Schwerin, einige sprangen sogar ins kalte Seewasser. Zurück ging es dann über Asphalt – auch so hatten wir uns nach 85 km Fahrt unser Abendessen redlich verdient.

Am Sonntag standen rund 70 km auf dem Programm: Auf kleinen Nebenstraßen und Waldwegen nach Lübz und zurück. In Lübz wird mecklenburgisches Bier gebraut, in der Fernsehwerbung sieht man immer einen imaginären Leuchtturm, der sich auf magische Weise mit dem Gerstensaft füllt. Die malerische Altstadt bietet einen imposanten Turm – allerdings ohne Leuchtfeuer. Die Bierbrauerei mit silbernen Edelstahltanks sieht eher nach einer Ölraffinerie oder einem Chemiewerk aus und war geschlossen. Zum Glück kriegt man das beliebte Lübzer Pils auch im Laden. Nach unserer Rückkehr ins Meyenburger Haus genehmigten wir uns ein paar Flaschen zum Abendessen auf der sonnigen Terrasse.

Am Montag fuhren wir Richtung Westen. Erste Rast hielten wir oben auf der Burgruine Wredenhagen, die eine beachtliche Greifvogelschau bietet, bevor wir zur Müritz weiterfuhren. Am Ufer dieses größten Gewässers der Mecklenburger Seenplatte liegt Röbel. Hier rasteten wir am Segelhafen und ließen den Blick übers Wasser schweifen. Ein Abstecher zum stillgelegten Bahnhof: Sammelplatz für historische Lokomotiven und Waggons aus der Dampflokzeit. Wir waren etwas enttäuscht von dem Anblick: Viel Rost und Schrott, wenig restaurierte Objekte, nichts Fahrbares für eine Museumstour auf den stillgelegten Gleisen. Am schmucken Lokschuppen legten wir eine Gedenkminute für einen Ehemaligen aus der Fahrradwerkstatt ein. Hier hatte Jens bei einer unserer ersten Touren um den Plauer See vor Jahren eine böse Überraschung erlebt. Neugierig hatte er an einem Waggon den Riegel geöffnet. Plötzlich ergoss sich ein riesiger schwarzer Strom aus dem Waggoninnern. Wo eben noch Jens stand, ragte nun ein großer Koksberg auf. Beinahe hätten wir ihn aus dem Kokshaufen ausbuddeln müssen...

Am frühen Nachmittag traten wir wieder in die Pedalen, um rechtzeitig in Meyenburg anzukommen. Bei Rückenwind kamen wir locker voran und fühlten uns auch nach über 70 km an diesem dritten Tag noch ziemlich fit. Der Abend gehörte dem Grillen und dem Lagerfeuer auf der Wiese – das sonnige und trockene Wetter blieb uns treu, die Störche erfreuten uns mit Flugeinlagen rund um Wiese und Nest. Einhellige Bilanz: Wir blicken auf ein gelungenes Tourenwochenende zurück. Wir sind tolle Strecken gefahren bei optimalen Bedingungen. David hat das Rennradfahren für sich entdeckt. Zum Glück gab es keine ernsthaften Blessuren und Pannen.

Am Dienstag kam der Aufbruch: Haus aufräumen, Räder verstauen, Autos beladen. Christian, der Unverwüstliche schwang sich wieder in den Sattel seines Cross-Rades: Knapp sechs Stunden von Meyenburg nach Magdeburg – nur per Rad, ohne Bahn. Vor der Rückfahrt haben wir versprochen: Plauer See – wir kommen wieder – nächstes Jahr! Oder spätestens 2009, zum 20jährigen Bestehen der Fahrradwerkstatt. Dann muss Gründer Martin unbedingt auch mit dabei sein. Bis dahin wird weiter kräftig geschraubt in der Fahrradwerkstatt – immer freitags ab 18 Uhr.