ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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16.1.2019

Monatsspruch Mai

von Katrin Rudolph

Liebe Gemeinde,

der Mai grüßt uns mit einer kleinen Kostbarkeit, einem Vers aus einem der ältesten oder sogar dem ältesten überlieferten christlichen Lied. Paulus zitiert es in seinem Brief an die Philipper, vielleicht um über das Gemeinsame Gemeinschaft herzustellen. Erst im Gottesdienst am Karfreitag haben wir das Lied in unserer Gemeinde als Psalm gebetet und darüber ebenfalls Gemeinschaft hergestellt, untereinander und mit den ersten Christinnen und Christen.

Alle Zungen sollen bekennen. In ganz vielfältiger Art und Weise gehen wir damit durch den Mai. Der erste Sonntag des Monats ist der Sonntag Kantate, "Singt". Das werden wir mit Zungen und Mündern tun, eben "zur Ehre Gottes". Dann gehen wir mit großen Schritten auf Pfingsten zu, dem Geburtstag der Kirche. Es ist überliefert, dass durch den guten Geist Gottes auf einmal viele Zungen mit vielen Sprachen nicht mehr nebeneinander her tönten, sondern miteinander ins Gespräch kamen, Gemeinschaft hatten (Apostelgeschichte 2,18). Und schließlich feiern wir durch den Mai hindurch die Konfirmationen unseres Gemeindenachwuchses. Ihre Zungen bekennen sich zu Gott und zur Gemeinde.

Was heißt denn: Alle Zungen sollen bekennen, dass Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes des Vaters? Wer Christus zum Herren, zum Leitbild erhebt, lobt damit Gott. Vielleicht fällt es manchmal schwer, Gott auch außerhalb des Gottesdienstes, des kirchlichen Raumes auf den Lippen oder eben der Zunge zu haben. In einer säkularisierten Welt von Gott zu sprechen, eckt möglicherweise so an, dass es als Frömmelei überhört wird. Bekennen kann aber auch bedeuten, sein eigenes Leben an Jesu liebevollem Handeln auszurichten. Das hieße ja, Jesus zu seinem Herrn zu erklären und hat durchaus im Alltag, in der Öffentlichkeit seinen Platz. Es kann immer dort passieren, wo wir uns im Konfliktfall nicht "natürlich", sondern "human" verhalten. Was im Wirtschaftsleben bisweilen als normal gilt, z.B. Konkurrenz bis hin zur Existenzvernichtung, empfinden wir im privaten Bereich in der Regel als böse. Immer wieder werden wir aber auch im Alltagsleben vor solchen Entscheidungen stehen, in denen wir zwischen einem "natürlichen" Reflex und einem vergebenden Handeln wählen können. Vielleicht haben wir dann ja ab und zu sogar das Glück, nach der Quelle unserer Entscheidung gefragt zu werden. Sich hier auf eine christlich-jüdische Ethik zu berufen kann auch ein ganz charmantes Bekennen sein.

Die Heiligung des eigenen Lebens als Bekenntnis zu Gott ist ein jüdische Tradition, die das alte ChristusLied bei dem Propheten Jesaja entlehnt hat. Nehmen wir noch einen Vers hinzu, lesen wir im Hymnus des Philipperbriefs, dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, und alle Zungen bekennen sollen, dass Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters.

Durch den Propheten Jesaja (Jes 45,23f.) hatte Gott zu seinem Volk gesagt: Ich habe bei mir selbst geschworen, und Gerechtigkeit ist ausgegangen aus meinem Munde, ein Wort, bei dem es bleiben soll: Mir sollen sich alle Knie beugen und alle Zungen schwören und sagen: Im HERRN habe ich Gerechtigkeit und Stärke. So haben wir schon im Alten Testament die wundervolle Gewissheit, dass die Nachfolge auch mit der Gabe von Gerechtigkeit und Stärke belohnt wird. Wir brauchen nicht aus eigener Kraft zu Einzelkämpfern werden, sondern leben aus der Gerechtigkeit und Stärke, die uns gegeben ist.

Dazu haben wir den guten Geist von Pfingsten. Der Heilige Geist wurde nicht nur für unsere eigene Zufriedenheit und persönliche Erfüllung über die Menschheit ausgegossen, sondern er befähigt uns, gemeinsam unseren Glauben durch Taten in der Welt zu bekennen.

Die Konfirmandinnen und Konfirmanden nehmen wir auch in diesem Mai wieder in diese Gemeinschaft hinein und hoffen, dass sie sich von Gottes Geist berühren lassen. Einem Geist, der weht, wo er will, der keine Grenzen und Ausgrenzungen kennt, keine rassischen, kulturellen oder körperlichen Schranken, sondern der der gute Geist der Liebe und Gerechtigkeit ist. Dass die Konfirmanden ihre Zugehörigkeit zunächst ganz ausdrücklich mit ihren und den überlieferten Worten im Gottesdienst bekennen, ist eine schöne und wichtige christliche Tradition für den Übergang in die Religionsmündigkeit. Wir freuen uns auf diese wichtige Zeit.

Ihnen allen einen freundlichen Mai wünscht Ihre

Vikarin Katrin Rudolph